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Streit eskaliert: "Kein Wort mehr aus dem Zuhörerraum!"

Streit eskaliert: "Kein Wort mehr aus dem Zuhörerraum!"

Eklat im Verbandsgemeinderat Trier-Land: Knapp zwei Dutzend Feuerwehrleute aus Zemmer haben am Mittwochabend aus Protest den Zuhörerraum verlassen. Sie sind gegen einen Fahrzeugtausch, den die Verwaltung und der Wehrleiter befürworten.

Trier/Zemmer. Der Wehrleiter von Trier-Land habe es so schwer wie sonst keiner im Kreis. Das sagt Jürgen Cordie, der Wehrleiter der VG Trier-Land - und seine Einschätzung dürfte sich in den nächsten Monaten mehr denn je bewahrheiten. Denn der Rodter Cordie steht im Kreuzfeuer der Kritik, und das ausgerechnet bei der Nachbarwehr aus Zemmer.
Was ist passiert? Das in Langsur frei werdende Fahrzeug LF 8/6 soll nach Zemmer, das Zemmerer LF 8/6 soll zur Mesenicher Wehr, und so weiter (der TV berichtete am Mittwoch über das "Auto-wechsel-dich-Spiel"). Die Zemmerer Wehr wehrt sich gegen den Tausch, was angesichts des gleichen Mercedes-Typs einer näheren Erläuterung bedarf. Es sind die Fahrgestelle, die den Unterschied machen. Das Langsurer Gruppenfahrzeug ist auf 7,9 Tonnen aufgelastet und kann inklusive Ausrüstung neun Personen transportieren. Das Zemmerer Gefährt ist ein 7,5 Tonner und kann - gewichtsbereinigt - nur sieben statt neun Mann mitnehmen. Am Ende machen 100 Kilogramm den Unterschied.
Die Zemmerer Wehr gibt mehrere Gründe an, warum sie ihr Fahrzeug behalten möchte: Zwei Drittel der Wehrleute dürfen das Langsurer Fahrzeug nicht fahren, weil die Fahrerlaubnis Klasse C benötigt wird; ferner habe man über Mittel des Fördervereins Reparaturen und Änderungen finanziert und den Aufbau mit konzipiert. Der Aufbau am Langsurer LF 8/6 sei "nicht geeignet und unübersichtlich". Wenn die Verbandsgemeinde aufgrund gesetzlicher Bestimmungen den Tausch für unvermeidbar halte, so die Zemmerer Wehr, dann müssten auch andere Bestimmungen eingehalten werden - etwa ein Ersatz für die seit 2014 defekte Tauchpumpe, die nicht vorhandene Abgassauganlage oder kaputte Winterkellen.
Bürgermeister Wolfgang Reiland betonte, man müsse DIN-Vorschriften einhalten. Dies bestätige die ADD und der Kreisfeuerwehrinspekteur. Angesichts der Rechtslage sei er sogar gezwungen, einen im Sinne der Zemmerer Wehr getroffenen Ratsbeschluss außer Kraft zu setzen, so Reiland.
Als ein Feuerwehrmann in die Sitzung hineinrief "Es geht doch nur um 100 Kilo", griff Reiland durch: "Kein Wort mehr aus dem Zuhörerraum." (Zuhörer dürfen nur auf Beschluss des Rates zu Wort kommen.) Man sei doch nicht an der Theke, bemerkte er noch, als die Wehrleute den Saal schon verlassen hatten. Mit 19 Ja- und acht Neinstimmen bei zwei Enthaltungen stimmte der Rat dem Tausch zu. Abgelehnt wurde der Antrag von Michael Holstein (FWG), das LF 8/6 Zemmer bei der Wehr in Butzweiler zu stationieren und das TSF-W Igel nach Mesenich zu geben. alfMeinung

Rosenkrieg à la Hollywood
Die Verbandsgemeinde Trier-Land und seine Feuerwehren - das hat was von Rosenkrieg à la Hollywood. Da gibt es Liebe, Vertrauen und Dankbarkeit, aber auch Neid, Missgunst und Anfeindungen. Jüngst im VG-Rat fiel in Verbindung mit der Feuerwehr etwa ein Dutzend Mal das Wort Engagament, noch öfter war von Vertrauen die Rede. Wehrleiter Jürgen Cordie wurde von Ratsmitgliedern mit Lob überschüttet, und geizte auch mit selbigem nicht im Jahresbericht 2015. Auch die Verwaltung wurde nicht müde, die Wehren über den grünen Klee zu loben. Das ist sicherlich alles gut und richtig. Aber der Zoff um den Fahrzeugtausch zeigt auch, dass es hinter den Kulissen rumort. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Wehr aus Zemmer nicht kuscht und den Finger in die Wunde legt. Wenn Verwaltung und Wehrleitung auf der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen bestehen, dann bitte auch durchgängig. Dann müssten auch defekte Gerätschaften unmittelbar ersetzt werden. Aber auch die Zemmerer Wehr geht zu weit, wenn sie angesichts der Fahrzeugentscheidung suggeriert, ihr Ehrenamt werde nicht gewürdigt. Die Schuld für die Eskalation ist sicherlich auf beiden Seiten zu suchen. a.follmann@volksfreund.de