Streit um die Bischofsehre

Trier · Die Stadt Trier hat den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg als Namenspaten einer Straße gerade erst gefeuert. Dennoch geht die Debatte um würdige und unwürdige historische Persönlichkeiten im Trierer Straßenbild munter weiter. Jetzt dreht sie sich um Charles Mannay, von 1802 bis 1816 Bischof von Trier.

 Die Charles-Mannay-Straße liegt im früheren Kasernen-Areal und neuen Stadtquartier Castelnau in Feyen-Weismark.

Die Charles-Mannay-Straße liegt im früheren Kasernen-Areal und neuen Stadtquartier Castelnau in Feyen-Weismark.

Foto: Friedemann Vetter

Trier. Die Charles-Mannay-Straße liegt im Konversionsgebiet Castelnau im Stadtteil Feyen-Weismark. Die Vergabe des Namens, eine Routineangelegenheit, wurde zur heißen Diskussion im Stadtrat .

Als dieser in seiner März-Sitzung eine Liste neuer Straßennamen in Castelnau und damit auch den Namen Charles Mannay per Votum bestätigen sollte, griff Karl-Josef Gilles (FDP) an. Der Historiker im Dienst des Rheinischen Landesmuseums bezeichnete Charles Mannay als "unbeliebtesten aller Trierer Bischöfe" und "Gefolgsmann Napoleons" (der TV berichtete). Später konkretisierte Gilles seine Kritik: Mannay sei von Napoleon in den französischen Staatsrat berufen und im April 1815 von der neuen österreichisch-bayerischen Landesadministration des Landes verwiesen worden.

Gilles' Rede verhinderte die Namensgebung nicht. Die Mehrheit aus CDU und SPD stimmte schließlich für die komplette Liste der Straßennamen in Castelnau und damit für Charles Mannay. Doch auch wenn der Beschluss steht, geht die Auseinandersetzung weiter. Rainer Lehnart, SPD-Stadtrat und Ortsvorsteher von Feyen-Weismark, kritisiert seinen Ratskollegen Gilles und verteidigt die Auswahl von Charles Mannay als Namensgeber für eine Trierer Straße.

Hat der Ortsbeirat Feyen-Weismark aus Versehen ein schwarzes Schaf ins Trierer Straßennetz geschmuggelt? "Mit absoluter Sicherheit nicht", betont Lehnart. Zweifel an Charles Mannays Eignung als Namensgeber hätte man klären können, sagt der Ortsvorsteher von Feyen-Weismark - entweder im Ausschuss oder im direkten Gespräch. "Aber da kam gar nichts."

Lehnart weist Gilles' Kritik nicht nur formell, sondern auch inhaltlich zurück. "Sicherlich hat Napoleon seine Befugnisse genutzt und ihm genehme Persönlichkeiten als Bischöfe in den neuen linksrheinischen Bistümern eingesetzt", sagt der Sozialdemokrat. "Zweifellos hat Bischof Mannay als hoch qualifizierter Theologe und bestens vernetzter Kirchenpolitiker die ihm zugedachte Rolle angenommen und die Katholiken seines Bistums zur Treue gegenüber dem Papst sowie der französischen Obrigkeit ermahnt." Dennoch habe Mannay seinen Einfluss zugunsten des Bistums und der ihm anvertrauten Menschen genutzt. Lehnart zählt viele Punkte zur Stützung dieser These auf: Mannay habe die Nutzung des Doms als Lagerhalle beendet, die Matthias-Basilika, die Liebfrauenkirche und die Stiftskirche Paulin gerettet und im Einvernehmen mit seinem Vorgänger Clemens Wenzeslaus die Rückgabe des Heiligen Rocks nach Trier maßgeblich beeinflusst.

Lehnarts Fazit: "Es kann gar keine Rede davon sein, dass Charles Mannay der unbeliebteste aller Trierer Bischöfe war und deshalb keine Würdigung durch einen Straßennamen verdient."Meinung

Respekt für den Nachbarn
Paul von Hindenburg hat in Trier ein Fass aufgemacht: Die Umbenennung des Hindenburg-Gymnasiums und jetzt auch der Hindenburgstraße hat offenbar in der Kommunalpolitik Motivationen geweckt, bei Straßennamen genauer hinzusehen. Die Diskussion um Charles Mannay driftet allerdings ins Absurde ab. Wenn jeder Namensgeber einer Trierer Straße so konsequent vor das Gericht der politischen Korrektheit gestellt würde, wäre die Stadt besser beraten, ihre Straßen nach dem Beispiel New Yorks zu nummerieren. Der Streit zwischen Rainer Lehnart und Karl-Josef Gilles ist auch auf einer anderen Ebene hochinteressant. Gilles, Ortsvorsteher von Filsch, mischt sich mit seinem Angriff auf Mannay massiv in die Belange von Feyen-Weismark ein. Dabei hält gerade er immer wieder die Fahne für die Rechte und die Unabhängigkeit der Stadtteile hoch. Deshalb sollte der Historiker die Entscheidung seiner Nachbarn respektieren. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Persönlichkeiten kommen als Namenspaten einer Straße nur unter zwei Bedingungen in Betracht. Sie müssen seit mindestens zwei Jahren tot sein, und ihr Geschichtsbild muss "abgeklärt" sein. So sehen es die Gemeindeordnung und auch die Empfehlungen des Deutschen Städtetags vor. Charles Mannay (1745 bis 1824) war ein katholischer Theologe und Politiker. 1802 wurde er von Napoleon als Bischof von Trier eingesetzt und von Papst Pius VII. bestätigt. 1816 gab Mannay das Bistum wegen politischen Drucks auf und ging nach Frankreich. jp

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