Streit um Friedhofstraße

Während des Baus der Ehranger Umgehungsstraße will die Stadt die Friedhofstraße 2015 für drei Monate sperren. Um vor allem den Bewohnern der Heide eine zügige Umleitung zu bieten, könnte ein Notweg für 260 000 Euro ausgebaut werden. Bei einer informellen Versammlung überzeugte das manche Anwohner nicht.

Trier-Ehrang. Am Ehranger Sportplatz haben sich 120 Bürger versammelt - es gibt das Gerücht, beim Bau der Umgehungsstraße werde die Friedhofstraße drei Monate lang gesperrt. Für über eintausend Menschen, vor allem auf der Heide, könnte sich der Weg in Ortsmitte und Innenstadt damit um 25 Kilometer verlängern. Der Rechtsanwalt Ernst Bernard, der die Veranstaltung initiiert hat, ist vom Andrang überrascht: "Das zeigt, wie sehr das die Bürger bewegt!"
Die Pläne der Verwaltung hatte Ortsvorsteher Thiébaut Puel bereits im Juli 2014 im Ortsbeirat verkündet: Eine Umleitung führe über Kordel und die B51. Ein in den 90er Jahren eingerichteter Notweg von der Heide durch den Wald nach Quint werde aus Sicherheitsgründen nicht freigegeben. Gesperrt werde aber nur, solange die Baustelle nicht über eine Ampelanlage einspurig passiert werden könne.
Befürchtungen über eine längere Vollsperrung bestätigt Ralf Frühauf vom Presseamt der Stadt auf TV-Anfrage: "Im Zeitfenster April bis August 2015 ist eine Vollsperrung für circa drei Monate angestrebt."
Ein Unding, schimpft Bernard auf dem Ehranger Sportplatz und drückt allgemeines Misstrauen aus: Die Sperrung könne leicht noch länger dauern. Zudem sei er nicht von der Notwendigkeit der Vollsperrung überzeugt.
"Sperrung unvermeidbar"


Laut Frühauf ist die aber nötig: Bei der alten Blumenfabrik im Bereich Oberstraße/Friedhofstraße werde die neue Fahrbahn für den Hochwasserschutz 1,30 Meter angehoben. "Es müssen Stützwände gebaut und der Bereich aufgefüllt werden. Zudem verlegen die SWT neue Leitungen." Nicht nur das mache eine halbseitige Bauweise unmöglich: "Gleichzeitig verlegen die SWT einen neuen Kanal bis zur Straße Im Karrenbachtal." Und in die Oberstraße müsse ein neues Drosselbauwerk vor ein vorhandenes Regenüberlaufbecken gebaut werden.
Ernst Bernard hat während der Bürgerversammlung ein "Heide-Manifest" verteilt: Als Unterschriftenliste angelegt, nimmt es ironisch auf das "Kommunistische Manifest" von Karl Marx Bezug und fordert die Freigabe des Notwegs nach Quint. Überraschung auf dem Sportplatz: Die Stadt ist dazu tatsächlich bereit, wie Stadtrat Bertrand Adams (CDU) erklärt, "Die Stadt würde 260000 Euro investieren, um den Weg zu befestigen und mit Nothaltebuchten und Leitplanken zu versehen." Doch Adams muss feststellen, dass Bernard und die von ihm zusammengerufenen Bürger weiter unzufrieden sind: Jetzt wird bezweifelt, dass der Notweg den Verkehr bewältigt. Bernard schlägt ein zweifaches Bürgerbegehren vor: Das soll gutachterlich klären, ob eine Vollsperrung verhinderbar wäre - und ob der Notweg überhaupt den zu Verkehr tragen könnte.
Die Sitzung des Ortsbeirats am 25. September könnte die Diskussion voranbringen: Da ist ein Vertreter des Tiefbauamts dabei, zum Treffen auf dem Sportplatz war keiner eingeladen. Los geht es am um 19.30 Uhr im Bürger- und Vereinshaus.Meinung

Nicht vorschnell ablehnen
Die Stadt macht mit dem Ausbau des Notwegs ein erstaunliches Angebot, das nicht vorschnell abgelehnt werden sollte. Vielleicht kann der Ausbau ja wenigstens teilweise bestehen bleiben, dann hätten die Ehranger für künftige Notlagen eine komfortable Ausweichroute. Ein Doppelgutachten könnte aber den Schuss in den eigenen Fuß bedeuten: Falls sowohl die Ampellösung und die Nutzung des Waldwegs verneint werden, bleibt doch nur der lange Umweg über die B51.