Streit um Grundschul-Namen

BIEWER. Im Februar stimmten die Kinder der Grundschule Biewer in einem demokratischen Wahlverfahren über einen neuen Namen für ihre Schule ab. "Grundschule Am Biewerbach" soll sie nach ihrem Wunsch zukünftig heißen. Ob der Name Realität wird, entscheiden verschiedene städtische Gremien.

Die Biewerer Ortsbeiratssitzung entbehrte nicht einer gewissen Spannung. In einer so genannten Kinderkonferenz hatten die Kinder der Grundschule Biewer über den zukünftigen Wunschnamen für ihre Schule abgestimmt. Das Ergebnis des Wahlverfahrens sei im Trierischen Volksfreund als "basisdemokratische Entscheidung" veröffentlicht worden, monierte Ortsvorsteherin Sabine Berg (CDU) den Bericht. "Es ist bedauerlich, dass das so dargestellt wurde." Der Grund: Der Ortsbeirat sieht sich als Gremium übergangen. Bis dato hatte er noch keinen eigenen formellen Beschluss über den neuen Namen gefällt. Schulleiterin Gabriele Leonardy nahm ausführlich Stellung zu dem Vorgang. "Die Schule nimmt an dem Bund-Länder-Programm ,Demokratie lernen und leben' teil. Es ging uns vordergründig gar nicht um den Namen, sondern wir suchten nach einer Möglichkeit, die Kinder demokratisch entscheiden zu lassen", erklärte sie. Den Kindern sei erklärt worden, dass ihr Namensvorschlag nicht zwangsläufig realisiert würde. Auf wiederholte Nachfragen im Rathaus habe sie bis heute keine eindeutige Aussage erhalten, wer in den Prozess der Namensgebung eingebunden werden müsse. Ein neuer Name sollte rechtzeitig vor dem Schulfest im Sommer in trockenen Tüchern sein. "Terminlich überschlug sich alles", sagte Leonardy. Eine Sitzung des Ortsbeirats war nicht auf die Schnelle anzuberaumen. Daher seien sämtliche Ortsbeiratsmitglieder persönlich angeschrieben worden, deren Namensvorschläge in das Wahlverfahren der Kinder mit eingeflossen waren. Mit Mehrheit hatten sich die Kinder für "Grundschule Am Biewerbach" entschieden. Die eingereichten Vorschläge der meisten Ortsbeiratsmitglieder für "Antonius-Kerscht-Grundschule" fanden nicht ihren Geschmack, obwohl Leonardy ihnen Informationen über Antonius Kerscht gegeben habe. Vor 239 Jahren stiftete er 500 Reichstaler und begründete damit das Schulwesen in Biewer und Pfalzel. Klaus Lorig (SPD) konnte mit seiner Meinung die anderen Räte nicht überzeugen. "So gravierend sind die Unterschiede in den Namen doch gar nicht", versuchte er zu vermitteln. Was den Widerspruch von Sabine Berg, Otmar Cartarius (CDU) und Jürgen Weiland (CDU) hervorrief. Cartarius und Weiland erinnerten an die geschichtliche Bedeutsamkeit von Antonius Kerscht. "Eine Grundschule Am Biewerbach kann auch in Aach liegen", meinte Hermann Steffens (CDU). Mit der Enthaltung von Lorig hielt der Ortsbeirat einstimmig an dem Namen "Antonius Kerscht" für die Biewerer Grundschule fest. Mit den Vorschlägen werden sich nun der Stadtvorstand, der Schulträgerausschuss und der Stadtrat auseinander setzen.