Streit um Küken-Streichelzoo in Trier - Grüne kritisieren Ausstellung von Tieren

Streit um Küken-Streichelzoo in Trier - Grüne kritisieren Ausstellung von Tieren

Küken gucken und streicheln: Was viele Kinder, Eltern und Großeltern in höchstem Maße erfreut, ist den Trierer Grünen ein Dorn im Auge. Sie üben heftige Kritik an einer Ausstellung in der Sparkasse und in der Trier-Galerie.

"Küken dienen nicht der Belustigung von Kindern. Wie soll ein Kind Respekt vor anderem Leben erlernen, wenn ihm schon in jungen Jahren vermittelt wird, dass Tiere zu seinem Vergnügen da sind?" Das fragt Sarah Jakobs, seit Kurzem Vorsitzende der Trierer Grünen.

Sie kritisiert damit zwei Ausstellungen von Küken, die in jüngster Zeit in Trier zu sehen waren und noch zu sehen sind. Vor Ostern hatte Wilhelm Naumes aus Waldrach, Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Trier und Umgebung, in der Sparkassen-Filiale in Heiligkreuz Küken gezeigt (der TV berichtete), derzeit tut er Gleiches noch bis zum Wochenende in der Trier-Galerie.

20 Küken hat er dabei, zwei davon schlüpften gestern Mittag. Immer umlagert von Kindern, Eltern und Großeltern, Kindergartengruppen oder Schulklassen, die die Tiere mit großem Interesse betrachten und gerne auch streicheln dürfen.

Züchter weist Kritik von sich

Das finden die Trierer Grünen nicht gut: Halter, die ihre Tiere in Einkaufszentren ausstellten, seien nicht als verantwortungsvoll zu bezeichnen, schreiben sie in einer Pressemitteilung. Ein großer Teil der Realität werden den Kindern vorenthalten. "Dass 50 Prozent der in Legebetrieben geschlüpften Küken kurze Zeit nach der Geburt in Schredderanlagen vernichtet werden, passt wohl nicht in das heile Konzept von glücklichen Küken", heißt es in der Mitteilung. Zitiert wird auch Peter Hoffmann, Sprecher der Grünen Jugend Trier-Saarburg: "Hier geht es um die Vermittlung eines Grüne-Wiese-Friede-Freude-Eierkuchen-Bildes, das sich auf den Etiketten so gut verkaufen lässt."

Kritik, die der Angegriffene Wilhelm Naumes nicht nachvollziehen kann. Er ist Züchter verschiedener reinrassiger Hühnerarten, betreibt dieses Hobby schon seit über 40 Jahren und verfolgt mit den Ausstellungen keine wirtschaftlichen Interessen, auch wenn er dafür eine geringe Aufwandsentschädigung bekommt.

Er habe auch keinen Legebetrieb, sondern eine Zucht mit derzeit 30 Hühnern und 20 Hähnen. Die leben auf seinem Hof in Morscheid in der Regel draußen auf der Wiese, "und sie genießen das Leben - wenn nicht gerade ein Marder kommt", wie Naumes berichtet. Seit Ende September hat ihm dieser nämlich 60 Tiere geraubt, deshalb waren die Hühner aus Sicherheitsgründen über den Winter im Stall. "Geschreddert" wurde dagegen noch keines seiner Küken. "Wenn die Tiere es überall so gut hätten wie bei mir…", sagt Naumes. "Mein Bestreben ist es, den Kindern das Federvieh näher zu bringen."

Für den 67-Jährigen ist die Ausstellung so eine Art Bildungsauftrag: Gerade in der Stadt hätten viele Kinder noch nie Küken gesehen, nie gesehen, wie diese aus den Eier schlüpfen, wie sie fressen, trinken, umherlaufen und - große Teile des Tages - einfach unter einer Wärmelampe ausruhen oder schlafen. "Da kann so viel Lärm drumherum sein wie es will, das stört die gar nicht", sagt Naumes. Auch nachts bleiben die Tiere im Einkaufszentrum - den Stress, sie hin- und herzutransportieren, will Naumes ihnen ersparen. Er habe auch bewusst mehrere Rassen dabei, damit die Kinder sähen, dass es nicht nur gelbe Küken, sondern auch braune oder schwarze gebe - entgegen der meisten Darstellungen.

99 Prozent der Besucher fänden die Ausstellungen gut, sagt Naumes, so heftige Kritik wie jetzt von den Grünen habe es noch nie gegeben. Ältere Menschen fühlten sich an ihre Kindheit erinnert, berichtet er von den Reaktionen. "Und letzte Woche hat eine Familie drei Stunden ausgeharrt, um zu sehen, wie ein Küken ausschlüpft."

Was meinen Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser: Darf man Tiere wie die Küken ausstellen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an echo@volksfreund.de. Leserbriefe sollten 60 Zeilen mit 30 Anschlägen nicht überschreiten. Und bitte Name und Anschrift nicht vergessen.

Das sagen die Verantwortlichen bei Trier-Galerie und Sparkasse Trier

Christoph Höptner, Center-Manager der Trier-Galerie kann die Kritik der Grünen nicht nachvollziehen. In den zweieinhalb Wochen Ausstellung der Küken seien ungefähr 200.000 Besucher in der Trier-Galerie gewesen, es habe fast ausschließlich positive Reaktionen gegeben. "Würde Herr Naumes nicht verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen, dann hätten wir das nicht zum mittlerweile fünften Mal mit ihm gemacht." Die Tiere würde auch nicht als Konsumprodukte gezeigt, sondern: "Da entsteht neues Leben - das zu sehen, ist für viele Menschen ein Erlebnis."

Auch Matthias Schwarz von der Sparkasse Trier, die schon in verschiedenen Filialen Küken ausgestellt hat, hat bisher "nur positive Resonanz" gehabt. "Es gab immer ein tolles Feedback von den Schulen." Die Vorwürfe der Grünen hält er für wahlkampfbedingten Populismus.

Das sagen die Kinder

Maxi (5) aus Konz: "Ich war mit meiner Oma schon einmal da und durfte ein Küken auf die Hand nehmen. Jetzt bin ich mit der Mama nochmal gekommen, um sie ihr zu zeigen. Ich habe schon viele Hühner gesehen, aber noch nie so kleine Küken."

Carina (9, links) und Celine (10), Lasel: "Wir haben schon Hühner gesehen, aber hier zum ersten Mal Küken. Die sind voll süß. Es war interessant, im Brutkasten zu beobachten, wie sie aus den Eiern schlüpfen."
Meinung

Übers Ziel hinaus geschossenKeine Frage: Die Bilder, die man aus den berüchtigten Legebatterien kennt, können einen wütend machen. Weil wir Verbraucher Unmengen an Billig-Eiern und Billig-Hühnchenfleisch verzehren, ist Massentierhaltung nötig, die leider viel zu oft zu unwürdigen Zuständen führt. Das darf man auch kritisieren.

Mit ihrer heftigen Attacke gegenüber der Küken-Ausstellung aber schießt die junge Grünen-Vorsitzende Sarah Jakobs weit übers Ziel hinaus. Da steht schließlich ein Hobby-Tierzüchter, der nichts weiter will, als Kindern (und manchem Erwachsenen) zeigen, dass aus Eiern nicht nur Schokolade und Kinderspielzeug "schlüpfen", sondern auch echte Lebewesen.

Ein Mann, der eben keine Legebatterie sein eigen nennt, sondern eine Züchtung, der deshalb auch nicht als Lobbyist der Hühnerindustrie auftreten muss. Ihn anzugreifen, mag den Grünen zwar Punkte bei einigen Tierschutz-Fundamentalisten bringen. Den meisten Menschen dürften ihre Argumente aber vor allem vorkommen wie die einer ideologisch verblendeten Spaßbremsenpartei. m.schmitz@volksfreund.de