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Stressalarm bei der Trierer Feuerwehr: Zu wenig Leute, viele Überstunden - Dezernent legt Stadtrat Zahlen vor

Stressalarm bei der Trierer Feuerwehr: Zu wenig Leute, viele Überstunden - Dezernent legt Stadtrat Zahlen vor

Die Berufsfeuerwehr Trier ist unterbesetzt und überlastet. Die aktuellen Personalzahlen des Monats Oktober zeigen, dass die gesetzliche Sollstärke nirgendwo erreicht wird - und dass die Überstunden explodieren. Das Thema wurde am Dienstagabend auf der Sitzung des Trierer Stadtrats diskutiert.

Trier. Die Berufsfeuerwehr hat seit vielen Jahren einen Spitzenplatz auf der Liste der zentralen Trierer Probleme. Eine unverdiente Position, denn sie beruht nicht auf Inkompetenz oder Motivationsmängeln der Brandbekämpfer und Rettungsdienste. Die Mitarbeiter des Amts für Brand- und Katastrophenschutz, so lautet die korrekte Bezeichnung der Berufsfeuerwehr, leiden selbst am meisten unter strukturellen, materiellen und auch personellen Schwierigkeiten.

Während die strukturellen Probleme seit Jahren intensiv diskutiert werden, allen voran die mehr als 60 Jahre alte Hauptwache am Barbara-Ufer, belegen aktuelle Zahlen vom Oktober auch eine ständige personelle Unterbesetzung. Der Stadtrat wurde am Dienstagabend mit diesen Werten konfrontiert. Die Fraktion der AfD hatte die Anfrage gestellt, Dezernent Thomas Egger hat sie beantwortet.

Die gesetzliche Grundlage für die Schichtstärke der Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter und Krankentransportfahrer ist das Landesgesetz über den Brandschutz, die allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz. Dieses Gesetz legt den Bedarf an Einsatzkräften fest. Ein Bedarf, der in Trier nicht erreicht wird.

"In der Wache eins liegt der Sollzustand bei zwölf Kräften, der Istzustand aber nur bei zehn", erläuterte Dezernent Egger. In der Wache zwei, den als Provisorium angemieteten Räumen im Trierer Hafen, sollten zehn Kräfte sitzen, tatsächlich sind es aber nur sechs. Egger: "Wenn möglich, wird das Einsatzpersonal durch Kräfte der freiwilligen Feuerwehr ergänzt."

Allein im Monat Oktober musste die Berufsfeuerwehr laut Eggers Darstellung 374 Fehlstunden ausgleichen. "35 Funktionen waren nicht besetzt", sagte der Dezernent vor dem Stadtrat.

Diese Ausgangslage provoziert die Frage nach der Welle an Überstunden, die das Amt für Brand- und Katastrophenschutz vor sich herschiebt. Thomas Egger beantwortet auch sie. "Bisher haben die Feuerwehrbeamten im Jahr 2015 insgesamt mehr als 7300 Überstunden angesammelt. Das sind grob gerechnet vier volle Personalstellen."

Die Piratin Darja Henseler schob eine zweite Anfrage hinterher und wollte wissen, wieviele Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze im Oktober gefahren wurden. Eggers Antworten: Die Feuerwehr rückte im Oktober 125 Mal aus, das ist ein Rekordwert für diesen Monat im Vergleich der letzten zehn Jahre. Dazu kommen 857 Rettungs- und Krankenfahrten, ebenfalls ein Rekord für Oktober.

Eine Lösung dieses Problems konnte Egger am Dienstagabend nicht anbieten. Eine Debatte im Rat war unmöglich, denn die Geschäftsordnung lässt breite Diskussionen über Anfragen nicht zu.Extra

Spätestens acht Minuten nach dem Alarm soll die Feuerwehr am Brand- oder Unfallort sein - so steht es in der Feuerwehrverordnung Rheinland-Pfalz. Doch in Trier sieht die Situation anders aus. 25 000 Menschen in den Höhenstadtteilen und an den Stadträndern leben zu weit weg von der alten Hauptwache am Barbara-Ufer. Sie können nicht innerhalb von acht Minuten erreicht werden. Ein Neubau am Trierer Hafen soll diese Situation ändern. Auf dem Gelände des ehemaligen Wasserwerks in Ehrang entsteht das seit vielen Jahren größte öffentliche Bauprojekt der Stadt Trier. 12,6 Millionen Euro wird das Brand- und Katastrophenschutzzentrum mit einer zweiten Wache für die Berufsfeuerwehr kosten. Mitte 2016 soll es fertig sein. jp