Stressreaktionen, aber keine toxische Wirkung: Bei Eu-Rec in Trier-Pfalzel "keine Giftstoffe im Gestank"

Stressreaktionen, aber keine toxische Wirkung: Bei Eu-Rec in Trier-Pfalzel "keine Giftstoffe im Gestank"

Die Geruchsbelästigung durch den Recyclingbetrieb Eu-Rec könne bei sensiblen Menschen dazu führen, dass der Körper Stresshormone ausschüttet, sagt Dr. Harald Michels. Der Chef des Gesundheitsamts Trier-Saarburg betont aber auch, dass durch den Gestank "definitiv keine Giftstoffe in den Körper gelangen".

Trier. Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Stress: Das sind die Symptome, die etliche Pfalzeler bei sich festgestellt haben - ausgelöst durch den Gestank, der mal mehr, mal weniger stark vom Recyclingbetrieb Eu-Rec in die umliegenden Ortschaften wabert.
Bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend (der TV berichtete) äußerten die Bürger, dass sie Angst hätten vor langfristigen, schlimmeren Auswirkungen auf ihre Gesundheit. "Niemand weiß, was da tatsächlich in der Luft liegt und welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat", sagte einer der rund 500 Anwohner, die zu dem Informationsabend gekommen waren. "Kinder reagieren viel intensiver auf Gerüche", betonte auch Thomas Schwinden, Vorsitzender des Fördervereins der Pfalzeler Kita St. Adula.

Dr. Harald Michels, Chef des Gesundheitsamts Trier-Saarburg, erklärte dazu am Mittwoch auf Nachfrage des TV, dass Gestank tatsächlich gesundheitliche Folgeschäden verursachen kann: "Geruchsbelästigung kann bei sensiblen Personen biologische Reaktionen mit Ausschüttung von Stresshormonen verursachen." Seien Menschen längerfristig Gestank ausgesetzt, seien "gesundheitliche Folgeschäden denkbar", erklärt Michels. Die von den Bürgern beschriebenen Reaktionen mit Übelkeit und Erbrechen seien dabei als "Gesundheitsschädigung anzusehen". Zumindest, wenn man zugrunde legt, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO den Begriff Gesundheit definiert. Nämlich als "völliges psychisches, körperliches und soziales Wohlbefinden".

Das Gesundheitsamt hatte im Sommer 2015 getestet, ob mit dem Gestank auch Giftstoffe in die Abluft ausgestoßen werden. In den Teströhrchen mit speziellen Filtern, die in Pfalzel aufgehängt waren, fanden sich allerdings keine toxischen Stoffe. "Wir können damit definitiv ausschließen, dass über den Gestank und die Atemluft Gifte in den Körper gelangen", betont Michels. Die Reaktion des Körpers auf den Gestank sei daher "stressbedingt, aufgrund individueller Empfindlichkeiten", erklärt Michels. Chemisch-toxische Reaktionen, wie Giftstoffe sie auslösen könnten, seien nicht zu befürchten.

Die allgemein auf Gestank bezogenen Aussagen Michels bildeten keine juristisch haltbare Grundlage, um ein Betriebsverbot gegen die Eu-Rec aussprechen zu können, hatte Joachim Gerke von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend betont.
Alle Untersuchungen und Gutachten zeigten zudem, dass die Eu-Rec alle technischen Voraussetzungen aufweisen würde, um alle behördlichen Auflagen zu erfüllen. Es komme nun darauf an, dass die Anlage vorschriftsmäßig betrieben werde. Voraussetzung dafür sei eine vernünftige "Überwachung, der frühzeitige Austausch von Verschleißteilen und die Wartung der Filteranlage", betonte Gerke.

Zuletzt war die Anlage am 25. April im Auftrag der SGD Nord durch eine Messtechnik-Firma überprüft worden. Die Produktion sei dabei seit dem 19. April "mit beiden Waschanlagen und ungewaschenem Folienmaterial" gelaufen, heißt es in dem Messbericht, der dem TV vorliegt. Wie bereits bei den beiden vorhergehenden Messterminen vom 21. März und 6. April sei "bereits im Rohgas nur eine geringe TOC-Beladung" gemessen worden. Als Rohgas wird dabei die Luft bezeichnet, bevor sie in die Filteranlage zur Reinigung eingespeist wird. Die Abkürzung "TOC" bezieht sich auf die Menge der in der Luft gelösten organischen Kohlenstoffe. "Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass bei ordnungsgemäßem Betrieb der Folienwasch- und aufbereitungsanlage und ohne Leckagen im Abluftsystem eine ausreichende Funktion der Abluftbehandlungsanlage gegeben ist", heißt es in dem Messbericht, der an die Aufsichtsbehörde SGD Nord gegangen ist.

Die SGD Nord hat Zwischenergebnisse der noch laufenden Immissionsuntersuchung und weitere Daten aus der Akte Eu-Rec am Mittwoch ins Internet gestellt: www.sgdnord.rlp.de , Kasten "Abfallanlagen" auf der Startseite.Extra

Dietmar Mattes, stellvertretender Ortsvorsteher Trier-Pfalzel: "Moderator Andreas Ludwig war gut. Die Eu-Rec versteht nicht, um was es geht. 3600 Menschen werden durch Gestank in Geiselhaft genommen. Die Anlage müsste wie bei ähnlichen Betrieben ein geschlossenes System sein, damit draußen nichts zu riechen ist." Gretel Thiel: "Wir haben zweieinhalb Stunden aufmerksam zugehört. Ich habe das Gefühl, dass die Eu-Rec etwas anderes ausprobieren wird. Die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord hat ja einiges vorgeschlagen. Der Firmenchef Willi Streit selbst scheint ratlos zu sein." Ute Romann: "Die Firma Eu-Rec weiß jetzt, dass sie weiter kontrolliert wird. Wir werden schreien, wenn das nicht geschieht. Die SGD Nord hat Angst vor Schadenersatzforderungen und will deshalb rechtssicher vorgehen. Es sollte mal untersucht werden, was genau in dem Abwasser ist." (cus)/TV-Fotos (3): marcus hormes

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