Stricken für einen guten Zweck

Stricken für einen guten Zweck

Stricken macht Spaß und regt den Geist an: Das sagen die fünf Frauen des Ruwerer Handarbeitskreises. In 40 Jahren haben sie unzählige Socken, Mützen, Schaals und Handschuhe gestrickt, die sie für einen guten Zweck verkauft haben.

Trier-Ruwer. Bunte Wollknäuel liegen auf dem Tisch des Pfarrheims Ruwer. Die Stricknadeln klirren. Anita Leckel (78) zückt ihr Maßband: "16 Zentimeter, genau die richtige Länge für den Schaft eines Damenstrumpfs." Gestern habe sie angefangen, den beige-schwarzen Strumpf zu stricken, heute ist der Schaft fertig. "Stricken kann zu einer Sucht werden", sagt Annemarie Grobe (79). Alle fünf Frauen im Pfarrheim hat diese Sucht ergriffen - und das seit 40 Jahren. Anneliese Kirsten strickt sogar beim Friseur oder im Wartezimmer beim Arztbesuch.
In den ersten Jahren waren es 20 Frauen, die mittwochsnachmittags ins Pfarrheim Ruwer kamen und zusammen strickten und nähten, jetzt sind es noch fünf. Jedes Jahr am Sonntag vor dem ersten Advent verkaufen sie ihre Handarbeiten auf einem Basar im Pfarrsaal. Der Erlös geht an einen guten Zweck.
Altersbedingt muss der Handarbeitskreis nun aufgelöst werden. "Zu fünft können wir die Organisation nicht mehr stemmen. Manchmal bin ich einfach überfordert", sagt Anneliese Kirsten.
Am beliebtesten seien die selbst gestrickten Pullover. "Einmal standen die Besucher schon vor Öffnung des Basars Schlange, um einen Pullover zu ergattern", erinnert sich Erika Zimmer (76). Heute sind Mützen, Schaals, Loops, Handschuhe und Strümpfe im Trend. 80 bis 100 Besucher kommen jedes Jahr zum Basar. "Die Frauen aus dem Dorf spenden Kuchen, den wir zusätzlich verkaufen", sagt Anneliese Kirsten. Mit dem Erlös haben sie eine neue Küche für das Pfarrheim angeschafft und der Kirche neue Sitzpolster gespendet. Auch Straßenkinder in Ruanda und ein Kinderheim in der Ukraine hat der Ruwerer Handarbeitskreis unterstützt. "Uns war immer wichtig zu wissen, wohin das Geld geht und dass es in unserem Interesse eingesetzt wird", sagt Anneliese Kirsten. Die Resonanz auf den Handarbeitsbasar sei immer gut gewesen. "Handarbeiten sind wertvoll, und so ein Paar Strümpfe hält schon ein paar Jahre", sagt Annemarie Grobe.
Jetzt sind die Frauen traurig, dass eine Ära zu Ende geht. "Das war das einzige Treffen, zu dem man noch hin kann", sagt das älteste Mitglied Anneliese Röhrig (95), die auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Sie nimmt sich fest vor, ihre begonnene Strickerei noch zu Ende zu bringen. Auch Annemarie Grobe wird das Zusammensein vermissen: "Ich habe mich immer gefreut, wenn Mittwoch ist."
Der letzte Weihnachtsbasar der Ruwerer Handarbeitsfrauen ist am Sonntag, 25. November, von 14 bis 18 Uhr im Pfarrheim Ruwer, Rheinstraße.

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