Strompreis: Aufsichtsrat bleibt im Dunkeln

Strompreis: Aufsichtsrat bleibt im Dunkeln

Die Stadtwerke Trier (SWT) haben am Wochenende eine Strompreiserhöhung angekündigt. Während dies viele Kunden schlicht ärgert, sorgt das Vorgehen im SWT-Aufsichtsrat für heftigen Protest und glühende Drähte. Die Erhöhung war nämlich nicht mit dem Aufsichtsgremium abgestimmt.

Trier. Im Aufsichtsrat der Stadtwerke Trier schlagen derzeit die Wellen hoch. Nachdem der TV am Samstag über die vorgesehene Strompreiserhöhung der SWT berichtet hat, gingen bei einigen Aufsichtsräten die Alarmleuchten an. Denn das Kontrollgremium wurde zuvor nicht von dieser Preiserhöhung informiert. Für Aufsichtsratsmitglied Gerd Dahm von den Grünen ein Unding: "So etwas darf nicht sein. Aber das zeigt einmal mehr, wie bei den Stadtwerken Entscheidungen gefällt werden", sagt Dahm. Friedel Jaeger, Vertreter der SPD-Stadtratsfraktion im Aufsichtsrat: "Ich bin von der angekündigten Preiserhöhung völlig überrascht worden. Dabei war doch im Vorfeld genügend Zeit, uns zu informieren." Über die Einschätzung der Aufsichtsratsmitglieder Bertrand Adams (CDU) und Hans-Alwin Schmitz (UBM) darf indes nur spekuliert werden. "Aus dem SWT-Aufsichtsrat keine Auskunft", gaben sowohl der Trierer CDU-Frontmann Adams als auch Schmitz zu Protokoll.Die Erklärungsversuche von Stadtwerke-Vorstand Olaf Hornfeck werden die aufgebrachten Aufsichtsräte wohl kaum besänftigen: "Wir haben das in der Vergangenheit immer so gemacht." Die Stadtwerke könnten seit jeher den Grundpreis ohne Zustimmung des Gremiums verändern. Damit könne das Unternehmen auf die schnellen Preisschwankungen im Energiemarkt reagieren. Die Erhöhung beim allgemeinen (Strom-)Tarif, also der Preis für die Kilowattstunde, sei dagegen zustimmungspflichtig. In der Vergangenheit seien diese Erhöhungen immer in der Aufsichtsratssitzung Ende November besprochen worden. Diese Preiserhöhung wolle man am 23. November besprechen, sagt der SWT-Chef. Die jetzige Ankündigung sei notwendig geworden, weil der Gesetzgeber erstmals in diesem Jahr es vorschreibe, dass Preiserhöhungen sechs Wochen vor Quartalsende angekündigt werden müssen. Die Anteilseigner der Versorgungs-GmbH der Stadtwerke, die Stadt Trier (56,5 Prozent) RWE (18,6) und Saarferngas (24,9), seien aber zeitgleich vergangene Woche informiert worden. In der Aufsichtsratssitzung wird Hornfeck die Frage beantworten müssen, "warum die Preiserhöhung dann nicht angekündigt wurde mit dem Vermerk, ,vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrates'", wie ein Mitglied missmutig äußert. Zumindest räumt SWT-Vorstands-Chef Hornfeck ein, dass es "ein Kommunikationsproblem" gegeben habe. "Wir müssen das im nächsten Jahr verbessern", sagte er dem TV. Ernsthafte Konsequenzen erwartet der SWT-Chef nicht. "Sollte der Aufsichtsrat nicht zustimmen, ist das kein Problem. Wir haben die Erhöhung angekündigt, wie es das Gesetz erfordert, wir könnten sie aber auch zurückziehen." Der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Oberbürgermeister Klaus Jensen, sieht in diesem Fall "kein glückliches Prozedere". "Die zeitliche Abfolge und die Kommunikation wird optimiert. In Zukunft muss eine Preiserhöhung vorher im Aufsichtsrat besprochen werden", kündigte Jensen an. Meinung Blackout bei den Stadtwerken Bei der Ankündigung der Strompreiserhöhung müssen die Verantwortlichen bei den Stadtwerken Trier ziemlich im Dunkeln hantiert haben. Anders lässt es sich nicht nachvollziehen, dass man den Preis anhebt, ohne das Kontrollgremium zu informieren. So wirken alle Erklärungsversuche im Nachhinein wie halbherzige Entschuldigungen. Wie man die Sache auch dreht, die Verantwortlichen geben kein gutes Bild ab: Entweder die Stadtwerke haben die Frist aus den Augen verloren und mussten nun ganz schnell handeln, um ihre Preise noch rechtzeitig anzukündigen. Oder sie haben den Aufsichtsrat schlicht vergessen oder gar übergangen. Dilettantismus oder Hochmut? Kommt beides nicht gut. h.waschbuesch@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund