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Studenten forschen über Trierer Gestapo

Studenten forschen über Trierer Gestapo

Heute wird eine Gedenktafel sowie eine Ausstellung am und im ehemaligen Sitz der Gestapo in der Christophstraße 1 präsentiert. Das Wissen um das lokale Wirken der Trierer Niederlassung der Spitzelpolizei des nationalsozialistischen Deutschlands ist zu einem guten Teil Trierer Studenten zu verdanken.

Trier. Wenn heute eine Gedenktafel sowie eine Ausstellung am und im ehemaligen Sitz der Gestapo in der Christophstraße 1 präsentiert wird, ist das Wissen um das lokale Wirken der Trierer Abteilung der Spitzelpolizei des nationalsozialistischen Deutschlands zu einem guten Teil der Forschung von Dr. Thomas Grotum zu verdanken - und seinen Studenten, die durch ihre Abschlussarbeiten die Puzzleteile zusammengetragen haben.
Auslöser für die Forschung war der Umzug der Trierer Staatsanwaltschaft Trier in das Gebäude in der Christophstraße. Der damalige Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer, inzwischen Generalstaatsanwalt in Koblenz, äußerte 2011 der Universität gegenüber den Wunsch, die Geschichte des Hauses und der Gestapo zu dokumentieren. Dabei, so Thomas Grotum vom Fachbereich Neuere und Neueste Geschichte, sei schnell klar geworden: "Will man Substanzielles zur Trierer Gestapo veröffentlichen, muss man erst mal forschen." Einzelne Aspekte seien zwar beleuchtet worden, eine umfassende Darstellung habe aber gefehlt - auch, weil es keine geschlossenen Aktenbestände gibt: "Es gibt amerikanische Verhörprotokolle, nach denen diese wohl 1945 vernichtet wurden."14 Puzzleteile erforscht


Grotum und seine Studenten haben aber in bisher 14 Arbeiten genügend Puzzleteile zusammengetragen, die ein recht klares Bild erkennen lassen. Statt eine zwar thematisch erschöpfende, aber langwierige Doktorarbeit verfassen zu lassen, beschloss man nämlich, den Studenten anzubieten, zu Teilbereichen Abschlussarbeiten zu schreiben - also Bachelor-, Master- und Staatsexamensarbeiten.
Im Landeshauptarchiv in Koblenz fand sich geradezu ein Schatz: 270 Tagesberichte der Trierer Gestapo aus den Jahren 1939 bis 1942, die alle Festnahmen im Zeitraum dokumentieren und so aufzeigen, welche Personenkreise die Gestapo besonders im Visier hatte und welche Delikte alltäglich verfolgt wurden. Der auswertende Student Martin Spira war zunächst überrascht, dass vieles auf den ersten Blick nichts mit der Verfolgung politischer Gegner zu tun gehabt habe: "Im Jahr 1940 gab es beispielsweise 213 Festnahmen, überwiegend aufgrund von Arbeitsverweigerung dienstpflichtiger Personen, oder es wurden Leute verhaftet, die betrunken zur Arbeit erschienen sind." Letztlich sei aber auch das ja für den NS-Staat verräterisches Treiben gewesen - nicht nur, weil es als Sabotage an der Kriegsfähigkeit interpretiert werden konnte: "Die Arbeit diente ja auch dazu, Menschen zu disziplinieren und verkörperte NS-Ideale - darum wurden solche Vergehen auch entsprechend bestraft", folgert Spira.
Der Lehramtsstudent Max Heumüller hat sich mit der Verfolgung des kommunistischen Widerstands in Trier befasst. "Dazu habe ich mir monatliche Berichte über die Lage im Regierungsbezirk angesehen, die der örtliche Dienststellenleiter ans Gestapozentrum in Berlin geschickt hat." Heumüller stellte fest, dass das Bild der Gestapo als allwissende, allgegenwärtige Institution in Trier so nicht gültig sei: "Die Berichte enthielten viele interne Beschwerden über die Unterbesetzung der Gestapo und inkompetente Beamte." Von 1934 bis 1936 habe es massive Probleme bei der Gegnerbeobachtung gegeben. "Man war stark auf Denunzianten angewiesen."
Doch auch, wenn eine aktive Gegnerbewachung, wie man sie sich landläufig vorstellt, nicht existiert hat, mündete die Tätigkeit in der Christophstraße doch schließlich in eine große Verhaftungswelle. "Die betraf dann aber oftmals schon bekannte und öffentlich aktive Kommunisten wie Willi und Fritz Torgau oder Hanns Eiden."
Katharina Klasen hat zur Bedeutung der Gestapo für das Sonderlager/KZ Hinzert geforscht. Wobei hier auch die luxemburgische Gestapo involviert war - die beiden Polizeien haben in Hinzert ein "Vernehmungskommando" unterhalten. Um Informationen vor allem von gefangenen Luxemburgern zu bekommen und den Widerstand im besetzten Nachbarland zu brechen, folterte das Kommando regelmäßig. Auch die Verwaltung des Konzentrationslagers lief über die Trierer Gestapo.Strategien nach dem Krieg


Jill Steinmetz hat sich unter dem Titel "Die Wahrheit steht noch über dem Recht?" auch mit der Nachkriegszeit befasst und zum Prozess gegen 16 Gestapo-Mitglieder in Luxemburg geforscht, wo vielfältige personelle Verbindungen nach Trier bestanden. Anders als üblich lagen nicht nur die Gerichtsakten vor, sondern auch die der damaligen Verteidiger. So konnte auch deren Strategie dargestellt werden: Der SS-Mann Fritz Hartmann ist zunächst zum Tode verurteilt worden, nach Umwandlung der Strafe und früher Begnadigung war der ehemalige Leiter der Trierer Gestapo und Führer des Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei in Luxemburg aber schon Ende 1957 wieder zu Hause.
Zur Erinnerung an die Opfer der Gestapo in Trier wird am Mittwoch, 12. November, 16 Uhr, eine Gedenktafel am Gebäude Christophstraße 1 enthüllt. Anschließend wird eine Ausstellung zum Thema im Foyer gezeigt.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.homepage.uni-trier.de/grotum/forschung/projekt-gestapo-trier