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Studenten setzen Geschichte in Szene

Studenten setzen Geschichte in Szene

Dass man als Student eine komplette Ausstellung in öffentlichen Museen plant und auch aufbaut, kommt selten vor. Bei "Armut" - der umfangreichen und experimentellen Sonderausstellung - hatten die jungen Akademiker die Gelegenheit dazu.

Trier. Mit größter Vorsicht schieben die Mitarbeiter des Rheinischen Landesmuseums die alte, hässliche Frau durch die Gänge des ´ Museumsbaus. Die Figur aus Kunststein ist eine Kopie einer Marmorskulptur aus dem Hellenismus — der Zeit, als die Statuen auf einmal realistischer wurden. Hier, im ersten Stock des Gebäudes, findet "Die trunkene Alte", so der Name der Figur, ihren neuen Platz. Inmitten der Sonderausstellung "Armut", einem museumsübergreifenden Projekt, das an mehreren Stätten in Trier thematisiert wird - und das den ganzen Sommer lang.

Das Besondere an der Ausstellung im Landesmuseum ist, dass den Löwenanteil der Arbeit nicht etwa Museumsmitarbeiter erledigt haben. "Wir haben ganz eng mit Studenten der Universität und der Fachhochschule Trier zusammengearbeitet", erklärt Stephan Seiler, wissenschaftlicher Volontär im Landesmuseum. "Drei Semester lang haben sie das Konzept für die Ausstellung erarbeitet." Andere Studierende aus den Bereichen Intermediales Design und Innenarchitektur an der Fachhochschule haben sich um die Umsetzung gekümmert. "Wir vom Museum haben uns vor allem die Exponate beschafft."

104 Objekte aus der griechischen und römischen Antike sind in den acht Räumen im ersten Stock ausgestellt. Viele sind Leihgaben anderer Museen, beispielsweise aus Mainz oder Berlin. Einige stammen jedoch aus dem Fundus der Trierer - nur haben sie in der Dauerausstellung noch nie einen Platz gefunden.

Während die Museumsmitarbeiter die "trunkene Alte" behutsam in Position bringen, werkeln wenige Schritte weiter die beiden Studenten Rebekka Thies (23) und Jeong Ho Park (42) von der Fachhochschule an ihrem Laptop herum. Sie sind für die intermediale Umsetzung in zwei Räumen verantwortlich. So soll der Raum, in dem sich die "Alte" befindet, mit antiker Musik und anderen Geräuschen bespielt werden. Auf Tücher werden tanzende Schatten projiziert, die dem Raum Lebendigkeit verleihen sollen. "Wir möchten, dass der Museumsbesucher sich wirklich vorkommt, als ob er in eine andere Zeit versetzt würde", erklärt Rebekka Thies.

Das Gleiche versuchen die Studenten bei der Inszenierung an einem antiken Sarkophag, bei dem, ähnlich zum Raumtheater "Im Reich der Schatten", das Exponat selbst angestrahlt und durch Animationen zum Leben erweckt wird. Rebekka Thies erklärt die besondere Funktion, die dem Sarkophag in der Ausstellung zukommt: "Während man in der Antike kein Mitleid mit der armen Bevölkerung hatte, gab es seit Beginn des Christentums so etwas wie Hilfsbereitschaft." Szenen auf dem Sarkophag sollen das verdeutlichen. Damit bildet der Sarkophag auch gleichzeitig die Verbindung zur Hauptausstellung im Stadtmuseum. Hier werden Exponate aus dem Mittelalter, der Barockzeit und der Gegenwart gezeigt. Auch hier wurde im Vorfeld eng mit der Uni zusammengearbeitet.

Während Thies und Park am Laptop sitzen, gestalten andere Studenten mit zerbrochenen Spiegeln die Einsetzkisten für sogenannte Grotesken, Figuren mit überzeichneten Gliedmaßen und Fratzen. Die kaputten Spiegel sollen die Reflexionen der Besucher so verzerren, dass auch sie ein wenig grotesk aussehen.

"Das ist mit Sicherheit eine der experimentellsten Ausstellungen, die wir bisher hatten", sagt Eckhart Köhne, Direktor des Rheinischen Landesmuseums. "Es ist spannend zu sehen, was sich die jungen Leute haben einfallen lassen!"

EXTRA DIE SONDERAUSSTELLUNG ARMUT



Die Sonderausstellung "Armut" läuft vom 10. April bis 31. Juli im Rheinischen Landesmuseum und zum Großteil im Stadtmuseum Simeonstift. Allein das Landesmuseum hat rund 50 000 Euroin die Sonderausstellung investiert. Wichtiges Element der Ausstellung im Landesmuseum ist nach Aussage von Museumsdirektor Eckart Köhne die intermediale Gestaltung mit visuellen Effekten und Geräuschen. So soll den Besuchern der Bezug zu den Exponaten einfacher gemacht werden. Weitere Informationen, auch zur Ausstellung im Stadtmuseum und zum Rahmenprogramm, gibt es im Internet unter www.armut-ausstellung.de slg