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Studentenbude verzweifelt gesucht

Studentenbude verzweifelt gesucht

Das Wintersemester an den Trie rer Hochschulen hat begonnen, doch viele Studierende sind noch auf Wohnungssuche. Oberbürgermeister Klaus Jensen ruft dazu auf, freie Wohnungen beim Studierendenwerk zu melden. Der Asta vermittelt mit der Couchbörse kurzfristige Notunterkünfte.

Trier. Wenn im Herbst die Blätter fallen, kann man sie wieder durch die Stadt eilen sehen: Studenten im ersten Semester, verzweifelt auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Knapp 4000 sind es in diesem Jahr an Universität und Fachhochschule. Nur ein Bruchteil von ihnen kommt in den Studentenwohnheimen des Studierendenwerks Trier unter, das 1533 Appartements zur Verfügung stellt. "Wir waren bereits im September voll belegt. "Wer noch keinen Platz hat, steht auf der Warteliste", erläutert An dreas Wagner, Geschäftsführer des Studierendenwerkes.
Ein Platz auf dieser Liste bedeutet eine Wartezeit zwischen zwei und sechs Monaten auf ein freies Zimmer. Deshalb bietet das Studierendenwerk auch in diesem Jahr wieder die Vermittlung von privaten Wohnungen über eine Wohnungsbörse im Internet an. Oberbürgermeister Klaus Jensen appelliert an die Bürger, freie Wohnungen dort anzumelden und explizit für Studenten zur Verfügung zu stellen: "Die Vermietung von Zimmern ist ja nicht nur Einnahmequelle. Es ist auch interessant und belebend, junge Menschen im Haus zu haben", schreibt der OB in seinem Aufruf. Seit Ende August konnten über die Wohnungsbörse 166 Wohnungen vermittelt werden.
Kurzfristige Abhilfe will das Sozialreferat des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) der Uni Trier mit der sogenannten Couchbörse schaffen: "Dies sind reine Notunterkünfte für einige Tage, damit die Studenten zumindest an ihren Einführungsveranstaltungen teilnehmen können", erläutert Enrico Liedtke, Sozialreferent des Asta. In der Couchbörse kann sich melden, wer ein Sofa oder ein Gästebett für ein paar Nächte zur Verfügung stellen kann.
Wenig Angebote für wenig Miete



Der Notstand ist auch in diesem Jahr wieder der Knappheit an Wohnungen geschuldet, die ins studentische Budget passen: "Oft melden sich die Studenten auf Anzeigen, die zwei oder drei Tage alt sind, dann ist die Wohnung schon weg. Oder sie stehen mit 30 Leuten bei der Besichtigung, und keiner weiß, nach welchem Kriterium der Mieter ausgewählt wird", sagt Liedtke. Wohnheime von privaten Investoren seien oft keine Alternative, denn deren Mietniveau passe selten zum studentischen Geldbeutel.
Dabei erleben gerade solche Wohnheime derzeit einen regelrechten Bauboom. Direkt neben dem erst vor zwei Jahren eröffneten The Flag auf dem Petrisberg entsteht derzeit das Großprojekt Augustinus Campus (der TV berichtete). Dort soll neben einem mehrgeschossigen Haus mit Eigentumswohnungen auch ein Studentenwohnheim entstehen. Dieses Wohnheim wird allerdings erst 2013 fertig, in der aktuellen Saison trägt es also noch nicht zur Entspannung bei.
Wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann oder bis jetzt noch nicht fündig geworden ist, kann sich unter www.erste-blei.be oder per E-Mail an astasozi@uni-trier.de über die Wohnraumvermittlung informieren.
Liebe Leserinnen und Leser, wie sehen Sie die jährliche Wohnungsnot der neuen Studenten? Wie kann die Stadt darauf reagieren, was kann sie tun?
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Extra

Eine Betroffene: Alina (19), Jura-Studentin im ersten Semester aus Essen, hat keine schönen Erfahrungen bei der Suche nach einer Bleibe gemacht: "Insgesamt habe ich zehn Wohnungen besichtigt, was schon schwierig für mich war, weil ich eine so lange Anreise hatte." In der Regel wurden diese Wohnungen von Maklern vorgestellt, was keine unbedingt positive Erfahrung gewesen sei: "Größtenteils waren die Makler sehr unfreundlich oder sind gar nicht erst zum Termin erschienen. Abgesehen davon verlangten sie mehr als das Zweifache der Kaltmiete als Provision plus Kaution, das konnte ich nicht bezahlen." Auch die Besichtigungen für WG-Zimmer seien eher unangenehme Termine gewesen: "In einer hat es so gestunken, dass ich rückwärts zur Tür wieder rausgegangen bin." Mittlerweile habe sie ein WG- Zimmer in einer Wohnung in Pfalzel gefunden und sei zufrieden: "Es ist eine richtig schöne Wohnung." lbeExtra

Eine Anfrage: Die FDP- Stadtratsfraktion hat für die heutige Sitzung eine Anfrage zur studentischen Wohnungsnot gestellt. Die Fraktion verweist auf den Hochschulpakt II, der eine von der Landesregierung gewollte Steigerung der Studentenzahlen an beiden Trierer Hochschulen vorsehe. Die FDP fragt, welche Auswirkung diese Erhöhung der Studentenzahlen auf den Trierer Wohnungsmarkt habe, welche Bauprojekte derzeit in Planung sind und wann mit deren Fertigstellung gerechnet werden kann. Eine ähnliche Anfrage stellte die FDP- Fraktion bereits im vergangen Jahr. Damals musste Bürgermeisterin Angelika Birk einräumen, "mangels geeigneter Parameter" keine Zahlen zum Ausmaß der Wohnungsknappheit vorliegen zu haben. red