Studium international: Viele Trierer Studenten zieht es ins Ausland

Istanbul/Trier · Mehr als 200 Studenten der Universität Trier verbringen pro Jahr dank des Erasmus-Programms ein oder mehrere Semester an anderen Hochschulen Europas. Das EU-Programm fördert die Studienaufenthalte. Besonders beliebt ist derzeit Istanbul. Auch die Trierer Rico Herzog und Warin Jaeger zog es in die Stadt auf zwei Kontinenten.

Istanbul/Trier. Bei dem Wort Europäische Union (EU) denken Menschen oft an Verordnungen aus Brüssel. Dabei ist Europa viel mehr. Wie viel mehr, das haben zwei Trierer Studenten, Rico Herzog und Warin Jaeger, in den vergangenen Monaten erlebt: Sie leben und studieren in Istanbul.
Rund 15 Millionen Einwohner zählt die Stadt am Bosporus offiziell. Herzog und Jaeger sind zwei von ihnen. Vergangenes Jahr sind sie ins Land gekommen, mit einem Stipendium der EU. Solche Stipendien werden durch das Erasmus-Programm vergeben, das den Austausch europäischer Studenten fördert. Ein knappes Jahr haben die Trierer Politikwissenschaftler in Istanbul bereits verbracht, ein paar Wochen haben sie noch vor sich.
Eine Bilanz fällt ihnen aber schon heute nicht schwer. "Nach Istanbul zu gehen, war mit Abstand eine der besten Entscheidungen meines Lebens", platzt es aus Herzog heraus. Beide scheinen etwas wehmütig. "Wir hatten eine großartige Zeit. Ganz besonders wegen der Gastfreundschaft der Türken und unserer türkischen Uni haben wir uns vom ersten Tag an willkommen gefühlt." Die Istanbul-Kültür-Universitesi ist eine von 29 Hochschulen der Stadt, 60 Minuten vom Zentrum entfernt. "Die Kurse sind kleiner als in Trier, die Betreuung erstklassig", berichtet Herzog. "Und meistens sitzt man nach den Vorlesungen mit den Professoren zusammen auf der Dachterrasse der Uni, schaut auf das Marmara-Meer, trinkt Tee und unterhält sich über die Seminarthemen." "Istanbul die mit Abstand vielseitigste Stadt Europas", erklärt Jaeger seine Wahl.
Die Altstadt, das historische Byzanz und die Bauten der osmanischen Sultane auf der einen Seite; das Kreative, Bunte und Moderne auf der anderen. Und in wiederum anderen Stadtteilen dominiert das traditionelle, religiös geprägte Leben: Die Vielfalt Istanbuls zieht viele Menschen an. 2007 kamen beinahe 6,5 Millionen Touristen, im vergangenen Jahr wurde sie zur Kulturhauptstadt Europas gekürt.
"An vieles mussten wir uns erst einmal gewöhnen: Istanbul wird von einem Chaos beherrscht, das man erst einmal verstehen lernen muss. Die Lautstärke, die vielen Eindrücke, die Strecken, die man täglich zurücklegt: Manchmal wechselst du mehrfach am Tag den Kontinent", berichtet Jaeger. Beide Studenten betonen immer wieder die Aufgeschlossenheit, mir der die Istanbuler ihnen begegnet sind. "In Deutschland haben viele Menschen Vorurteile gegenüber Türken, und das ist schade. Ich habe hier die freundlichsten Menschen überhaupt kennengelernt", erzählt Herzog.
"Wenn es nun in ein paar Wochen zurück nach Deutschland geht, habe ich überall in Europa eine Bleibe." Jaeger spielt auf das Netzwerk an, das er sich geknüpft hat: "Ein Jahr gemeinsam im Ausland zu verbringen, verbindet. Allein in meinem Haus lebten Belgier, Letten, Tschechen, Briten, Spanier, Griechen, Slowaken und Polen. Für mich ist Europa durch dieses Jahr kleiner geworden." Herzog bestätigt das: "Länder, mit denen ich früher nur bestimmte Bilder verband, stehen heute für Gesichter und Namen von Freunden." Europaweit kooperiert die Uni Trier mit 180 Hochschulen in 27 Ländern. Jedes Jahr gehen zwischen 220 und 240 Studenten aus Trier mit dem Erasmus-Programm ins Ausland. Im Gegenzug kommen jährlich rund 150 Studenten aus verschiedenen Ländern an die Mosel. gsc