Sturmholz bringt unerwartete Gewinne

Was der Sturm Xynthia Ende Februar letzten Jahres angerichtet hat, schlägt sich jetzt in den Wirtschaftsplänen der Forstämter nieder. Trotz des Überangebotes stiegen dank Wirtschaftsaufschwung die Verkaufspreise. Doch die potenzielle Gefahr für den gesunden Fortbestand des Waldes ist die Kehrseite der Medaille.

 Inzwischen ist das Sturmholz fast überall aufgearbeitet. Forstleute wie Andreas Annen (vorne) und Michael Maximini können wieder Bäume fällen, die auch tatsächlich dafür vorgesehen sind. TV- Foto: Herbert Thormeyer

Inzwischen ist das Sturmholz fast überall aufgearbeitet. Forstleute wie Andreas Annen (vorne) und Michael Maximini können wieder Bäume fällen, die auch tatsächlich dafür vorgesehen sind. TV- Foto: Herbert Thormeyer

Trier/Hermeskeil. Sturm Xyn-thia raste am 28. Februar über das Land und warf an einem einzigen Sonntagmittag in den zehn Revieren des Forstamtes Trier 44 000 Festmeter um. Das Forstamt Hochwald war mit 25 000 Festmetern Sturmholz betroffen. Die Erlöse, die sich nach einem Jahr in den Forstwirtschaftsplänen niederschlagen, fallen höchst unterschiedlich aus.

Verkaufspreise steigen um bis zu 20 Prozent



Zum Erstaunen der Forstleute sind die Verkaufspreise bei diesem Überangebot an Holz damals nicht etwa gefallen, sondern um bis zu 20 Prozent gestiegen, denn der Sturm hatte sich hauptsächlich in Rheinland-Pfalz ausgetobt, und gerade sprang nach der Wirtschaftskrise die Konjunktur wieder an.

"Alle unsere 31 Gemeinden mit Waldbesitz waren betroffen", erklärt der Trierer Forstamtsleiter Gundolf Bartmann. Die gute Seite des Sturms sei, dass Xynthia so früh im Jahr kam, denn: "Da kann man den geplanten Einschlag noch stoppen."

Einige Beispiele: Im Trierer Staatswald fielen 5000 Festmeter mehr um als geplant, was eine Steigerung des Gewinns um 100 000 Euro bedeutete. Für Zemmer hatte das Forstamt einen Einschlag von 2200 Festmetern geplant. Xynthia übernahm davon 1000 Festmeter. Aus 13 000 Euro errechnetem Gewinn wurden tatsächliche 30 000 Euro. Für Newel sagte der Forst sogar einen Verlust von 1300 Euro voraus. Von 700 geplanten Festmetern legte Xynthia allein 500 flach. Heraus kam ein Gewinn von 2000 Euro.

Bartmanns Amtskollege Bernhard Buss vom Forstamt Hochwald in Hermeskeil verzeichnete ebenfalls zum Teil starke Gewinne: "Ein Schwerpunkt waren bei uns die Tal- und Hanglagen der Verbandsgemeinde Ruwer. So wurden in Kasel aus einem geplanten Erlös von 8991 plötzlich 24 574 Euro. In Mertesdorf stieg der Gewinn von vorausberechneten 10 212 Euro auf 17 876 Euro. In Ollmuth schnellte der Überschuss von 4481 Euro sogar auf 22 870 Euro. Diese "zufälligen Nutzungen", wie es im Fachjargon heißt, können laut Bernhard Buss gerade im Nadelholzbereich bis zu 30 Prozent der Ernte ausmachen.

"Wir mussten zugunsten von Revieren mit viel Sturmholz den Ertrag in anderen Gebieten zurückfahren", erklärt der Forstmann, wie im ersten Schritt die Nachhaltigkeit gesichert wird. Die Brennholzpreise zogen überall nur moderat an, denn die Preisempfehlungen von Landesforsten werden von Ortsgemeinderäten meist übernommen.

Die Forstleute sehen angesichts des Klimawandels die Zukunft mit Sorge. Stürme kommen in immer kürzeren Abständen. Hitzewellen wie 2003 mit Käferbefall, die Bäume über Jahre hinaus schädigen, sowie schäl- und verbisswütiges Wild sind weitere Gegner ihrer Planung. "Unser Ziel ist ein gesunder Mischwald", sagt Bernhard Buss. Seine 30 kommunalen Waldbesitzer haben vor einem Jahr noch einmal Glück gehabt. Verschieden hohe Laub- und Nadelbäume mischen, das bringe mehr Stabilität, und: "Das ist planbar." Doch diese Struktur muss erst einmal wachsen.

ExtraDer Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Trier umfasst die Stadt Trier, die Verbandsgemeinde Trier-Land ohne die Gemeinden Hockweiler und Franzenheim, die Verbandsgemeinde Schweich ohne die Gemeinde Detzem und aus der Verbandsgemeinde Ruwer die Gemeinde Thomm sowie aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land die Gemeinde Hetzerath. Auf einer Fläche von rund 18 500 Hektar werden 33 Forstbetriebe in derzeit zehn Forstrevieren betreut, die ein Gesamtfinanzvolumen von jährlich zirka drei Millionen Euro bewirtschaften. Im Forstamt werden rund 50 Personen beschäftigt. Quelle: Landesforsten

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