Sturz vom Kinodach war ein Unfall

Trier/Treis-Karden · Ein 27-Jähriger aus Trier will nachts auf das Dach des Cinemaxx-Kinos klettern und stürzt dabei ab, seine Leiche wird erst am nächsten Morgen gefunden. Dieser Fall löste im Juni große Betroffenheit aus, noch heute stehen manchmal Kerzen an der Absturzstelle. Jetzt meldet sich der Vater des Opfers zu Wort - mit einem bewegenden Appell.

 Bis heute stellen Unbekannte Kerzen am Unfallort neben dem Cinemaxx auf. Das Foto entstand am Freitag. TV-Foto: Friedemann Vetter

Bis heute stellen Unbekannte Kerzen am Unfallort neben dem Cinemaxx auf. Das Foto entstand am Freitag. TV-Foto: Friedemann Vetter

Trier/Treis-Karden. Hans-Josef Leuer führt ein Möbelhaus in Treis-Karden im Landkreis Cochem-Zell. Er ist der Vater des jungen Mannes, der im Juni auf tragische Weise ums Leben kam (der TV berichtete). Mit einem Appell wendet er sich an den TV. "Ich will wissen und verstehen, was genau in dieser Nacht im Juni geschehen ist", sagt der Vater des Unfallopfers. "Die Ungewissheit ist unerträglich."
Das Kino in der Trierer Innenstadt hatte in der Nacht des Unfalls bereits geschlossen, die letzte Vorführung war vorbei. Durch ein offenes Tor neben dem Haupteingang erreichte der junge Mann eine Treppe zum verschlossenen Notausgang im zweiten Stock des Cinemaxx-Gebäudes, von dem aus eine Wendeltreppe aufs Dach führt. Dort wollte er hin, glauben die Ermittler der Staatsanwaltschaft.
Doch eine verschlossene Drahtgittertür versperrte dem 27-Jährigen den direkten Zugang zur aufs Dach führenden Wendeltreppe. Deshalb versuchte er offenbar, über das Balkongeländer außen herum zu klettern, um die Treppe zu erreichen. Dabei stürzte er zehn Meter tief. Ob er abgerutscht ist oder seine Kräfte einfach überschätzt hat, wird niemand mehr klären können. Erst am Morgen des 5. Juni fand eine Zeugin den leblosen Körper.
"Ich bin davon überzeugt, dass mein Sohn in dieser Nacht nicht allein unterwegs war", sagt Hans-Josef Leuer. Doch bis heute haben sich keine Augenzeugen gemeldet, niemand hat in der Nacht des Sturzes einen Notruf abgesetzt. "Ich wende mich an die Leute, die dabei waren und alles gesehen haben", sagt Leuer. "Ich bitte euch inständig: Meldet euch."
Der 27-Jährige hat in Trier gelebt, er hatte laut Aussage seines Vaters einen guten Job und einen großen Freundeskreis. Was wollte er auf dem Dach des Cinemaxx? Es gibt bis heute nur eine Theorie, die Polizei Trier hat sie sofort nach dem Unfall genannt: Jugendliche und junge Erwachsene haben den Weg auf das Kinodach, den auch das Unfallopfer gewählt hat, schon oft genutzt. Entspannen, feiern, chillen auf dem Dach - ein Trend in vielen Städten. Die Polizei warnt immer wieder vor gefährlichen nächtlichen Kletteraktionen.
Hans-Josef Leuer kommt oft nach Trier und nimmt den schmerzhaften Weg zur Unfallstelle auf sich. "Ich sehe, dass dort immer noch Menschen hingehen, um Blumen oder Kerzen hinzustellen", sagt er. "Deshalb habe ich dort auch einen Brief vor Ort hinterlegt. Ich hoffe inständig, dass die Augenzeugen ihn lesen, meiner Bitte folgen und sich melden."
Der Vater des Opfers macht eine kurze Pause. "Ich will niemanden anklagen oder verurteilen", sagt er leise. "Ich will nur verstehen können, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte."
Peter Fritzen, der Leiter der Staatsanwaltschaft Trier, stellt auf Anfrage des TV die Ermittlungsergebnisse vor. "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Straftat", sagt er. Der Sturz des 27-Jährigen sei ein Unfall gewesen. "Die im Rahmen der Obduktion festgestellten Verletzungen des Verstorbenen stehen mit einem Sturz in Einklang. Auch sonst haben sich keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden ergeben." Zeugen, die das Geschehen beobachtet haben, konnten nicht ermittelt werden. "Ein Zeugenaufruf blieb ohne Resonanz."
Fritzen bestätigt die bisherige Theorie, mit der die Ermittler den Unfall rekonstruiert haben. "Aufgrund des Verletzungsbildes und der Lage der Spuren ist anzunehmen, dass der Verstorbene versucht hat, die verschlossene Tür zu umklettern, die den Zugang zu der auf das Kinodach führenden Wendeltreppe versperrte." Doch in einem Punkt kann der Chef der Staatsanwaltschaft die Überzeugung des Vaters nicht teilen. "Im Rahmen der Ermittlungen wurden bislang keine Hinweise gefunden, die darauf hindeuten, dass der Verstorbene in Begleitung weiterer Personen war", sagt Peter Fritzen.