Suche nach dem magischen Moment

Suche nach dem magischen Moment

Seit 20 Jahren gestaltet die Bachband die Jazzmusikszene in Trier mit. In dieser Zeit haben sie musikalisch viel erlebt. Anlässlich des Jubiläums gibt die Band einen Einblick in ihre Probenarbeit und plaudert aus dem Nähkästchen.

Trier. "One, two, one, two, three, four…", zählt Ralf Bach vom Piano aus das Tempo des ersten Stücks an. Die vier Kollegen der Jazzband steigen ein. Im zum Proberaum umfunktionierten Keller erklingt das Thema des ersten Titels "Limbo". "Guckt, dass das mehr ins Thema reinzieht”, sagt "Daisy" Becker, "lasst uns das Intro noch mal machen". Einmal gesagt, wird es gleich korrigiert und noch einmal gespielt. "Ja, passt!", heißt es dann. In der Generalprobe vor dem Jubiläumskonzert am heutigen Donnerstag stimmt die Band die letzten Feinheiten ab bezüglich Tempi und Klangfarbe.
"Beim Spielen verständigen wir uns viel über Blickkontakt", sagt Stefan Reinholz. Durch die unterschiedlichen Instrumentenkombinationen entstehen dann interessante Veränderungen in der Klangfarbe. Stilistisch konzentriert die Band sich hauptsächlich auf Modern-Jazz, mit Einflüssen aus dem Hardbop, Bebop, Rock 'n' Roll oder Soul. Aber, "wir sind da nach allen Seiten offen", so Becker. Es sei überhaupt schwierig, den Stil mit einer Form zu betiteln. Das Wichtigste sei, Spaß an der Musik zu haben und die Zuhörer dadurch zu begeistern, sagt der Namensgeber der Band, Ralf Bach.
Besonders spannend an Jazzmusik sei zudem, dass man nie zweimal das Gleiche spiele. Innerhalb des festgelegten harmonischen Gerüstes gäbe es stets Veränderungen. Denn die Musik und vor allem die Improvisationen entstehen aus dem Moment heraus. Wie das konkret funktioniert demonstriert Reinholz im nächsten Stück. Während die Rhythmusgruppe die Begleitung spielt, improvisiert er dazu passend eine Melodie auf dem Saxofon. Dabei baut er das Weihnachtslied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" so in das Werk ein, dass es in die Harmonik passt.
Seit mehr als 20 Jahren machen Ralf Bach (Klavier), Helmut "Daisy" Becker (Trompete), Stefan Reinholz (Altsax) und Stefan Zawar-Schlegel (Bass) inzwischen in unterschiedlichen Formationen Musik. Unterstützt werden sie dabei seit drei Jahren von Michael Schömer am Schlagzeug. Dass es innerhalb der Band "einfach stimmt", wie Reinholz sagt, merkt man sofort. "Wir haben viel Spaß am gemeinsamen Musizieren und mögen uns untereinander", sagt Zawar-Schlegel. Anders würde das auf die Dauer auch nicht so gut funktionieren.
"Uns reizt das Ungewöhnliche"


In den vergangenen Jahren habe sich die Band stetig weiterentwickelt und einiges ausprobiert. "Wir waren viel auf der experimentellen Spielwiese unterwegs und haben uns oft neu erfunden", erinnert sich Bach. Ihre Werke schreiben die Musiker nämlich größtenteils selbst. Gerade das gemeinsame Knobeln, Basteln und Ausprobieren mache Spaß. Das Material dafür sei frei erfunden. Oder Ralf Bach, das "stilistische Hirn der Band" schleppe es aus dem Urlaub an, frotzelt Reinholz. So kommen Titel wie zum Beispiel "Zortzico", "Oliveto" oder der "Rumänische Volkstanz" zustande. Die Musiker experimentieren hier mit Motiven anderer Kulturen, ungewöhnlichen Rhythmen und nehmen gerne auch mal einen 5/4 Takt als Grundlage, um daraus etws Neues zu gestalten. "Zortzico" beispielsweise basiert auf einem spanischen Tanz. Die Bachband hat das Thema übernommen und daraus ein eigenes Werk gemacht. "Wenn wir mit den Stücken fertig sind, erkennt man die Originale nicht mehr", sagt Becker mit einem Augenzwinkern. Daneben dürfen auch Klassiker aus der "Jazzbibel", dem Real Book, nicht im Programm fehlen.
Für das Konzert wünscht Bach sich für die Band, "den magischen Moment der Musik zu finden". Der sei nicht planbar, aber "wenn er kommt, dann passt alles. Dann ist es egal, ob man vor fünf Zuhörern spielt oder vor 100".
Die Band feiert am heutigen Donnerstag, 20.30 Uhr in der Tufa mit einem Konzert ihr 20-jähriges Bestehen. Sie spielen Stücke ihrer beiden CDs und bekannte Jazzklassiker. Karten gibt es für 12 Euro an der Abendkasse.