Superhelden für die Welt

Was macht einen Superhelden aus? Diese Frage stellt der luxemburgische Choreograph Bernard Baumgarten in seinem zeitgenössischen Tanzstück "Super Héros", das in der Tufa aufgeführt wird

Trier. Es ist nach 20 Uhr. Das Publikum wird durch den Hintereingang hereingelassen. Im Raum ist es dunkel. Stühle stehen im Kreis um die Tanzfläche. Im Hintergrund hören die Gäste einfahrende Züge. Nur ganz leise rattern sie. Vor dem Mikrofon sitzt ein Mann in gelber Unterhose, rotem Pullover und einem blauen Cape. Er ist ein Superheld.
Aber wer ist noch einer? Der britische Tenor Paul Potts? Oder Mao Zedong, ein chinesischer Kommunist; vielleicht auch der kürzlich verstorbene Steve Jobs, Mitbegründer des Unternehmens Apple?
Mit seinem zeitgenössischen Tanzstück "Super Héros" übt der luxemburgische Choreograph Bernard Baumgarten Kritik an der Gesellschaft. "Viele Menschen in Politik und Wirtschaft hören einfach auf. Sie beschließen, keine Helden mehr zu sein." Die Tänzer Gianfranco Celestino und Thierry Duirat-Elia zeigen in "Super Héros" in 45 Minuten auf der Bühne der Trierer Tuchfabrik eine Mischung aus Schauspiel und Tanz. Die französischen Dialoge werden von Carolane Jupsin übersetzt.
"Mit meiner Frau schaue ich oft Ballett an. Die Mischung aus Text, Musik und Tanz macht dieses Stück zu etwas Besonderem", sagt Besucher Bernd Hölz, 56, aus Hermeskeil.
Am Anfang des Stücks steht die Definition eines Superhelden: Er sei das Superwaschmittel des Guten. "Helden gibt es immer nur in den Augen der Betrachter", erklärt Baumgarten.
Das Publikum sitzt im Kreis um die Tanzfläche. "Wir alle teilen etwas. Wir alle kannten in unserer Kindheit Superhelden", sagt Baumgarten. Das Publikum mit seinen Erinnerungen gehöre zum Stück.
Am Ende bekennen die Superhelden, dass sie keine mehr sind. Sie wechseln ihr Kostüm, tragen jetzt Jeans und T-Shirt. Die Welt brauche sie nicht mehr. Auf einem Zelt flimmert ein Film, er zeigt ein Kind im Superheldenkostüm.
Baumgarten kritisiert die Schnelligkeit des heutigen Lebens. "Viele Menschen beschließen deswegen, keine Ziele mehr zu haben. Sie wollen einfach im Moment leben."