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Symbiose aus Eiche, Schiefer und Handwerk

Symbiose aus Eiche, Schiefer und Handwerk

Das Weingut Geltz-Zilliken in Saarburg hat vor sechs Jahren das alte Kelterhaus abgerissen. Stattdessen ist dort jetzt ein großzügiger Probenraum entstanden, den das Weingut nutzt, um sich und seinen Wein zu präsentieren.

Saarburg. Von der Terrasse hat der Besucher einen traumhaften Blick auf den gegenüberliegenden Höhenrücken. Dort weiden im Sommer die Pferde, und im Winter springen die Rehe zwischen den Büschen herum. "Wir sind einerseits zentrumsnah und verkehrstechnisch gut erreichbar. Andererseits haben wir trotzdem die Natur im Blick", schwärmt Ruth Zilliken, während sie ihren Wein im Glas im Sonnenlicht kreisen lässt.
Wenn man etwas um die Ecke blickt, sieht man auch auf die Lage Saarburger Rausch.
TV-Serie Wein und Architektur



Die Terrasse ist für die Familie ein Rückzugsraum. Hier sitzt die Winzerfamilie, wenn sie vom Arbeitsalltag abschalten will. Eine Etage tiefer, im Verkostungsraum, wird mit den Weinhändlern der Wein probiert und verhandelt.
Nebenan steht das neue Kelterhaus, welches das alte Kelterhaus ersetzt, in dem bis vor fünf Jahren der Wein gemacht wurde. Geplant hat das Ganze der Trierer Architekt Gerd Kintzinger. Der Boden im Anbau ist mit schwarzen Hartsteinfliesen belegt. "Wir hatten erst überlegt, Schiefer zu verlegen. Der wäre aber zu empfindlich gewesen. Mit dem Schiefer, auf dem ja auch unsere Weinstöcke wachsen, haben wir dann einen Teil der Fassade verkleidet", erklärt Zilliken.
Die Tische im Probenraum und alle Fensterrahmen sind aus geölter Eiche. "Denn in alten Eichenfässern werden alle unsere Weine ausgebaut", sagt Zilliken. "Die Individualität unseres Weines sollte sich im Neubau wiederfinden." Deshalb habe die Suche nach dem passenden Architekten lange gebraucht. "Das war ein langer Prozess. Denn wir wollten keinen modischen Schnickschnack, sondern ein Arbeits- und Wohnumfeld, in dem wir uns wohl fühlen."
Mit dem Umbau des Weinguts wurde 2008 begonnen, nachdem klar war, dass die Tochter Dorothee mit ins Weingut, das elf Hektar in den beiden Lagen Saarburger Rausch und Ockfener Bockstein bewirtschaftet, einsteigen würde. Als erstes wurde dafür das alte Kelterhaus abgerissen.
Für das Weingut und die Handwerker war das eine große Herausforderung, denn innerhalb von sechs Monaten musste das neue Kelterhaus soweit fertiggestellt sein, dass der im Herbst geerntete Wein im Frühjahr wieder abgefüllt werden konnte.
"Wir konnten so zahlreiche Arbeitsabläufe optimieren, die in den alten Räumen weitaus schwieriger zu bewerkstelligen waren", erklärt Zilliken.
Der Probenraum ist aber auch eine Imagefrage. "Viele unserer internationalen Kunden wollen uns inzwischen persönlich kennenlernen. Da ist es wichtig, dass man ein Topprodukt in einem dementsprechenden Rahmen anbietet." Für die Zukunft ist das Weingut, das sich seit elf Generationen in Familienbesitz befindet, aufgestellt. Anfang 2014 ist auch Philipp Zilliken, der Mann von Dorothee, in den Familienbetrieb eingestiegen.
Extra

Sie bauen aus, sie bauen um, sie bauen an: Viele Traditionsweingüter an Mosel, Saar und Ruwer wandeln sich. Eine neue Generation von Winzern stellt sich den Herausforderungen der Zukunft, indem sie auch architektonisch neue Wege geht. In einer sechsteiligen Serie berichtet der TV über Winzerbetriebe, die dabei ihre Vorstellungen ganz unterschiedlich umgesetzt haben. vkExtra

Die Geschichte des Weinguts Forstmeister Geltz-Zilliken lässt sich bis ins Jahr 1742 zurückverfolgen. Damals verkauften die Herren von Warsberg Weinberge in der heutigen Lage Saarburger Rausch an die Familie Geltz. Den Grundstein für den Erfolg dieses Betriebs legte der königlich-preußische Forstmeister Ferdinand Geltz (1851 - 1925), der auch Mitbegründer des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter ist. Inzwischen wird der Betrieb in der elften Generation fortgeführt. Die beiden Wappen auf den Etiketten stehen seit Ende des Zweiten Weltkriegs für die beiden Familien, die mit dem Weingut verbunden sind. Das rote Wappen mit dem Löwen steht für die Familie Zilliken, das blaue mit dem Jagdfalken für die Familie Geltz. Der heutige Weinkeller war von dem Saarburger Weinhändler Schrimps in den 1920er Jahren in den Berg getrieben, aber nie fertig ausgebaut worden. "Ihm ist das Kapital ausgegangen, weil er den legendären 1921er Jahrgang nicht vermarkten konnte. Mit der Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen, waren die vor dem Ersten Weltkrieg gewachsenen Handelsbeziehungen unterbrochen", erzählt Hanno Zilliken. Sein Großvater hat das Gelände Anfang der 1950er Jahre dann von der Stadt Saarburg gekauft. itz