T-Shirt statt Zylinder

TRIER. Früher trug er Zylinder, musste schwindelfrei sein und klapperte die Kundschaft mit dem Fahrrad ab. Heute trägt er T-Shirt, klettert nur in Ausnahmefällen aufs Dach und fährt im weißen Firmenwagen vor. Bringt der Schornsteinfeger auch ohne schwarzen Händedruck noch Glück?

"Vorbeugender Brandschutz ist unsere wichtigste Aufgabe", erklärt der Trierer Bezirksschornsteinfegermeister Elmar Filz. "Ruß verhält sich wie minderwertiges Brikett. Er brennt richtig gut." Im Nu steht so der Kamin in Flammen. "Deshalb hieß es früher: Wo der Schornsteinfeger war, brennt es nicht", ergänzt Mitarbeiter und Schornsteinfegermeister Alexander Poetsch. So erklärt sich auch der Ruf der "schwarzen Männer" als Glücksbringer. Und der gilt noch heute. "Bis zu hundert Liter Ruß pro Haus kamen einst nach dem Winter zusammen", erinnert sich Filz, der seit 1970 tätig ist. Schon sein Großvater zog als Schornsteinfeger durch die Eifel. Damals wurde mit Kohle geheizt. Räucherkammer im Kamin

Vier Mal pro Jahr mussten die Kaminkehrer anrücken, um einen Schlot sauber zu halten. "Die Schornsteine waren früher höher und viel breiter", beschreibt Poetsch, der seit 19 Jahren mit Filz arbeitet. Oft sei es üblich gewesen, eine Räucherkammer in den Kamin einzubauen. Dieser war dann so breit, dass der Schornsteinfeger zur Reinigung innen hindurchklettern konnte. "Platzangst durfte man natürlich keine haben." Für moderne Öl- und Gasheizungen, die viel weniger Ruß erzeugen, genügen handbreite Abgasleitungen aus Edelstahl oder Kunststoff, die nur ein Mal pro Jahr gereinigt werden müssen. Hinzu kommt eine Abgasuntersuchung des Kohlenmonoxidgehalts mit elektronischen Messgeräten. Außerdem ermitteln Elmar Filz und Alexander Poetsch den Energieverlust der Heizungsanlagen und geben Tipps zu dessen Minimierung. Mit den immer beliebter werdenden Holz- und Pellets-Heizsystemen - sie würden relativ viel Ruß erzeugen - werde es dagegen in den kommenden Jahren für die Schornsteinfeger wieder mehr zu putzen geben. Ihre "Kehrbezirke" legt die Aufsichts- und Dienstleitungsdirektion fest. Die Schornsteinfeger unterliegen einer landesweiten Gebührenordnung (etwa 25 Euro pro Reinigung) und dokumentieren ihre Arbeit in einem "Kehrbuch" - mittlerweile natürlich auf digitaler Basis. In den vergangenen Jahren verzeichneten Filz und Poetsch eine Renaissance der Kaminöfen, vor allem in Neubaugebieten. Allerdings: "Wer sich heute einen Kamin anschafft, weiß oft gar nicht, wie man richtig heizt", stellt Filz fest. Auch da gibt er gern Hilfestellung. "Wir beraten immer kostenlos und neutral, aber das wird noch zu wenig genutzt. Die Leute müssen lernen, viel mehr zu fragen!" Trotz Schornsteinfeger ist also doch jeder seines eigenen Glückes Schmied.