Tabus aufbrechen

TRIER. Die Wechseljahre sind eine von Legenden umrankte Lebensphase. Was Frauen in dieser oft schwierigen Zeit gut tut und Mut macht, beschäftigte die Teilnehmer der 13. Trierer Gesundheitsförderungskonferenz.

Hitzewallungen, Schlaflosigkeit und innere Lehre kennzeichnen das "Klimakterium". Es betrifft jede Frau in der Mitte ihres Lebens und ist doch ein Tabu. Das mit dem Begriff "Wechseljahre" verbundene Klischee zeichnet das stereotype Bild einer Mittvierzigerin: die Kinder sind flügge, der Mann beruflich erfolgreich, die Frau langweilt sich und belegt diverse Mal- und Töpferkurse. Die Realität sieht für viele Frauen anders aus. Zu den unangenehmen physischen und psychischen Auswirkungen des hormonellen Wandels gesellen sich besonders in dieser Lebensphase weitere Sorgen und Belastungen. Angehörige müssen gepflegt werden, Beziehungen geraten in eine Krise, die berufliche Zukunft ist in Frage gestellt. Tiefe Traurigkeit bis hin zur Depression kann die Folge sein. Wie Frauen diese Zeit des Wandels positiv nutzen können, war das zentrale Thema der 13. Trierer Gesundheitskonferenz, zu der das "Haus der Gesundheit", die Bezirksärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung einluden. Rund einhundert Besucherinnen nutzten die Möglichkeit, an Informationsständen und in Form der Referate medizinischer Experten Wissen zu sammeln. "Das Thema wurde äußerst kontrovers diskutiert", fasst Professor Bernd Krönig, Vorsitzender des "Haus der Gesundheit", zusammen. In einer Podiumsdiskussion kristallisierte sich das Thema "Hormontherapie" als strittigster Punkt heraus.Symptome als Botschaften begreifen

"Frauen haben den Hang, einfach zu funktionieren und ihre Probleme nicht ernst zu nehmen", hat Soziologin Dr. Sabine Hamm beobachtet. Sie rät, geduldig gegen sich selbst zu sein, die Symptome als Botschaften zu begreifen. Durch viel Bewegung und gesunde Ernährung lassen sich die Beschwerden deutlich verringern, ist Hamm überzeugt. "Die Wechseljahre sind doch keine Krankheit", erklärt sie und kritisiert die aus ihrer Sicht oft zu leichtfertig verordnete Hormontherapie. Wenn aber keine andere Behandlung helfe, könne er diese Methode nach einer individuellen Beratung guten Gewissens anbieten, ist Gynäkologe Dr. Heinrich Hackenberg überzeugt, schließlich gehörten Klimakterium und Hormone von Natur aus zusammen. "Wer ist heute schon bereit und in der Lage, starke Wechseljahres-Symptome einfach hinzunehmen?", fragt der Vorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte in der Region Trier. "Früher haben die Frauen diese Zeit doch auch bewältigt", widerspricht Dr. Ursula Meyer, Fachärztin für Gynäkologie und Naturheilverfahren. Sie selbst habe sich den Anspruch "es muss auch ohne Hormone machbar sein" gesetzt. Problem: Informationsdefizit

Das sieht der Heilpraktiker Werner Seifermann anders. "Diese Beschwerden sind nicht normal, die Natur hat sie nicht vorgesehen." Er rate dazu, wenn erforderlich, einen Schulmediziner zu konsultieren, der Hormone verordnet. "Die Wechseljahre sind eine normale Lebenssituation", beruhigt schließlich Elisabeth Rinawi die Gemüter. Die Krankenschwester und Pflegesachverständige im Gesundheitswesen plädiert dafür, "Wechseljahresberaterinnen" als Gesprächspartnerinnen auszubilden. Das Problem sei das allgemeine Informationsdefizit. Frauen sollten lernen, ihr Wissen generationsübergreifend weiterzugeben, lautet das Fazit, dem alle Experten zustimmen. So falle es leichter, die Wechseljahre als normale Lebensphase anzunehmen.

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