Täglich Trier

Ein junger, nicht einmal volljähriger afghanischer Flüchtling ist dringend tatverdächtig, eine Studentin in Freiburg vergewaltigt und umgebracht zu haben. Am Freitag wurde das bekannt.

Flüchtling vergewaltigt und tötet eine Frau - der Fall, wenn er sich denn so abgespielt hat, ist natürlich Wasser auf die Mühlen all derer, die einfache Gleichungen mögen. Flüchtlinge = Kriminelle = Raus mit ihnen, Aufnahmestopp! Es gibt nichts auf der Welt, das eine so schreckliche Tat rechtfertigt. Der 17-Jährige muss sich wie jeder andere vor Gericht und vor dem Gesetz verantworten. Aus dem Fall aber ein Pauschalurteil über alle Flüchtlinge abzuleiten, ist ebenso unzulässig wie den Mordfall politisch zu instrumentalisieren. Weil ein Flüchtling zum Mörder wird, sind nicht alle Flüchtlinge potentielle Schwerverbrecher. Dass ausgerechnet jetzt in Trier eine Aktion fortgesetzt wird, die "Flüchtlinge willkommen" heißt, und bei der viele Trierer mit dieser Botschaft auf Bildern zu sehen sein werden (Vernissage heute um 12.45 Uhr auf dem Viehmarkt-Platz) mag den Vereinfachern zynisch vorkommen. Wer sich aber die Berichte aus der syrischen Stadt Aleppo ansieht, in der ein Diktator sein eigenes Volk bekriegt, der weiß, dass es immer noch gute Gründe gibt, als offene Gesellschaft Kriegsflüchtlingen eine neue Heimat zu geben.