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Tag 1 der Maskenpflicht in der Trierer City: Verständnis, Pflichterfüllung und weiter Existenzangst.

Einzelhandel : „Ob’s Sinn macht oder nicht“ - So gehen die Trierer mit der Maskenpflicht um

Tag 1 der Maskenpflicht in der Trierer City: Verständnis, Pflichterfüllung und weiter Existenzangst.

Die strikten Zugangsbeschränkungen zu den Geschäften, die vielen Menschen mit Masken, die Ausweichmanöver beim aneinander Vorbeigehen: So absurd einem all dies noch vor kurzem erschienen wäre, so beinahe normal wirkt es am ersten Tag der Maskenpflicht in der Trierer City. Scheinbar selbstverständlich haben die Passanten ihre Atemmasken dabei, viele tragen sie locker um den Hals, um sie vor den Ladentüren dann über Mund und Nase zu ziehen.

Selbst die, die Medienberichten, dem Robert-Koch-Institut und anderen Virologen nicht uneingeschränkt trauen, akzeptieren die Maskenpflicht: „Ich habe Zweifel, dass die Zahlen, die veröffentlicht werden, die Realität abbilden“, sagt etwa Gunnar, der seinen Nachnamen nur ungern in der Zeitung lesen will. „Aber der Staat hat nun mal die Maskenpflicht erlassen – die jetzt auch eingehalten werden muss, ob’s Sinn macht oder nicht.“

Die Triererin Annelie Böhm hat sich gerade in einem Bistro ihr Mittagessen abgeholt. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, die Maske zu tragen. Es ist stickig und feucht – und dadurch vielleicht gesundheitsschädlicher als ohne“, meint sie. Die Sinnfrage stellt auch sie, allerdings aus anderem Grund: „Vorige Woche hat mir vor einem Supermarkt eine ältere Frau angeboten, dass ich ihre Maske für den Einkauf ausleihen könnte“, erzählt Böhm. So lange es noch so wenig Wissen über Infektionsschutz gebe, käme es auf Mund-Nase-Masken auch nicht an.

Im WMF-Fachgeschäft in der Simeonstraße herrscht kaum Betrieb. „Die Leute, die kommen, kaufen ganz gezielt – zum Bummeln ist offenbar niemand unterwegs“, berichtet Verkäuferin Marina Konrad. Darüber, dass sie Masken tragen müssen, wenn sie das Geschäft betreten, wüssten nahezu alle Bescheid. „Kritik gab es deswegen bislang nicht.“

An der Ecke Simeon-/Glockenstraße verkauft Michael Alvanos in seinem Imbiss Schlemmerland Bratwurst-, Fleischkäse- und sonstige Imbiss-Brötchen. „Erst hat es geheißen, die Masken bringen überhaupt nichts, jetzt herrscht auf einmal Maskenpflicht – das verunsichert doch nur“, sagt er. Dass die Geschäfte in Trier wieder geöffnet hätten, sei richtig – bringe ohne die weiter fehlenden Touristen allerdings wenig. Sein Umsatz sei um 80 Prozent zurückgegangen. „Die 7000 Euro Miete für den Laden hier kann ich so nicht erwirtschaften“, sagt Alvanos.

Die vergleichsweise wenigen Leute, die durch die Straßen laufen, scheinen tatsächlich nicht in Geldausgebe-Laune zu sein. Das Ehepaar Beer ist jedenfalls nur in der Innenstadt, weil Bruno Beer dringend Passbilder für den abgelaufenen Personalausweis braucht. „Gut, dass wir in Deutschland so früh und konsequent gehandelt haben, nur deshalb sind unsere Infektions- und Todeszahlen so niedrig“, sagt er.

Andreas Brell hat der Shutdown derweil in Existenznot gebracht – und zwar gleich zweifach. „Unser Hotel war bis in den Herbst ausgebucht – binnen fünf Tagen wurde alles storniert“, sagt der Inhaber des Schweicher Hofs in Schweich. Dem Unternehmer gehört auch das Tattoo-Studio Mechanical World in der Trierer Nagelstraße. Seit Wochen muss er den Laden geschlossen lassen. „Dabei arbeiten Tätowierer und Piercer schon immer unter höchsten Hygienestandards“, betont Brell. Mund-Nase-Masken, Schutzanzüge, Handschuhe gehörten zum Arbeitsalltag. „Wir könnten Kunden und uns definitiv schützen und zum Beispiel hinter einer Spuckwand nur Arme und Beine tätowieren, dürfen es aber nicht.“ Die Miete für das Tattoo-Studio bekommt er nicht mehr zusammen. Aufgegeben hat er aber noch nicht: Zwei Mitarbeiterinnen verkaufen vor dem Laden nun Mund-Nase-Masken: 6,50 Euro für genähte aus Stoff, 2 Euro für Einweg-Papiermasken. „Übrig bleiben da nur ein paar Cent – aber immer noch besser als gar nix zu machen in dieser beschissenen Situation“, sagt Brell.