Talentschmiede

TRIER. Ein beeindruckendes Niveau und große Spielfreude zeichneten das Konzert des Jugendjazzorchesters des Saarlandes in der Reihe "Jazz im Brunnenhof" aus. Unter Leitung des aus Trier stammenden Jazz-Professors Georg Ruby begeisterten die jungen Musiker mit einer großen Bandbreite anspruchsvoller Bigband-Musik.

Schon der Konzert-Auftakt fällt ungewöhnlich aus. Statt swingendem Bigband-Sound gibt es ein getragenes, fast orchestral klingendes Stück, in dem eine Vokalistin die Hauptrolle spielt. In der Suite von Kenny Wheeler mit dem bezeichnenden Namen "Opening" übernimmt Elisabeth Nick mit ihrer Stimme die Rolle eines melodietragenden Instrumentes. Während man noch über das Talent der jungen Sängerin staunt, leitet Georg Ruby in eine fetzige Swingnummer aus dem Count- Basie-Repertoire über, die Maßstab für den weiteren Verlauf des Abends ist. Denn im hier unter Beweis gestellten Drive der Band zeigte sich, dass es dem Jazz-Professor gelungen ist, mit seinen Begeisterungsfunken ein leidenschaftliches Feuer bei den knapp zwanzig Nachwuchsmusikern im Alter von 17 bis 24 Jahren zu entfachen. Das knistert nicht nur bei der Swingmusik, wie etwa bei Sammy Nesticos "This Way", sondern auch bei anderen anspruchsvollen und komplizierten Rhythmen sowie ausgefallenen Arrangements. Einige davon sind von Kenny Wheeler und bescheren dem Publikum nicht nur musikalischen, sondern auch anekdotischen Genuss. Denn Ruby erzählt, wie er sich in London mit Wheeler verabredet und sich auf den Besuch bei ihm gefreut, dann aber die Partituren in einer Plastiktüte an der Paddington-Station überreicht bekommen habe. Weniger skurril, aber nicht minder komisch fällt Rubys Überleitung zu anderer Musik aus, die er von einem Komponisten und Arrangeur des Berliner Rias-Orchesters erhalten hat: "Mambo Nr. 5". Hier beichtet der Musikprofessor, dass er dieses Stück bis heute nicht in der Hitversion kenne. Das ist vielleicht auch gut so, denn die Rias-Fassung mit dem Jugendjazzorchester des Saarlandes kann deshalb ganz unbefangen mit einer Originalität glänzen, die das Publikum mit Rufen: "Besser als das Original!" honoriert. Messerscharfe Bläsersätze eröffnen, dann folgt lateinamerikanischer Tanzbeinschwung, begleitet vom furiosen Schlagzeug Andreas Kleins.Groove und Funk

Nach und nach versammeln sich fünf Bläsersolisten um das Frontmikrofon, um mitreißend zu improvisieren, dann verebben die Instrumente und die Band beginnt zu singen. Spätestens dieser Knüller bestätigt Rubys Worte, dass hier ein Elite-Ensemble der Talentiertesten versammelt ist. Viele von ihnen zeigen an diesem Abend ihr solistisches Können, zum Beispiel Christian Pabst (Piano), Thomas Wainer (Gitarre), David Andres (Bass), Hanna Rabe (Altsaxofon) und die drei Trierer Thomas Berg (Posaune), Anette Brittner (Flügelhorn) und Katharina Reinholz (Schlagzeug). Begeisternd ist das Zusammenspiel, das dem überwiegend swingenden, aber auch groovigen und funkigen Programm die richtige Würze gibt.

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