Tanz um den Tiger

TRIER. Der zweitgrößte Zirkus Deutschlands, Circus Barelli, gastiert für zehn Tage im Trierer Messepark. Im Programm hat Barelli unter anderem spektakuläre Tierdressuren. Tierschützer sind beunruhigt. Der Zirkus selbst weist alle Verdächtigungen zurück.

100 Tiere, 100 Wagen, 100 Menschen - mit diesem vielversprechenden Slogan wirbt Circus Barelli. Er verspricht den Besuchern vom 13. bis 23. Oktober im Messepark in den Moselauen ein kurzweiliges Programm im 3000 Menschen fassenden Zeltpalast. Als weltweit einmalige Attraktion bietet Barelli den "reitenden Tiger". Bei dieser Dressur reitet der Königstiger Rashid auf dem Kaltblüter Diabolo. Gerade diese Nummer hat in der Vergangenheit die Gemüter erregt.Können Tiger und Pferde Freunde sein?

Aber nicht nur das begeisterte Publikum, auch Tierschützer beschäftigen sich mit der Nummer. Andreas Lindig, Vorsitzender des Landesverbandes Rheinland-Pfalz im Deutschen Tierschutzbund und Leiter des Trie-rer Tierheims kritisiert diese Attraktion. "In der normalen Wildnis sind diese Tiere Feinde. Pferde sind Fluchttiere, ich habe Zweifel daran, dass diese Dressur für das Pferd stressfrei ist." Dieser Argumentation hatten sich in der Vergangenheit mehrere Tierschützer angeschlossen. In Bremen kam es im vergangen Jahr sogar zu einer Klage gegen den Zirkus. Das Ermittlungsverfahren wurde allerdings von der Staatsanwaltschaft schnell wieder eingestellt, nachdem die Tierärzte des Bremer Veterinäramtes nicht nur das betroffene Pferd, sondern die Tierhaltung bei Barelli generell überprüft hatten und keine gravierenden Beanstandungen feststellten. Dennoch halten sich die Gerüchte und tauchen fast überall auf, wo der Cirkus Barelli gastiert. In Trier wurden in den vergangenen Tagen einige Zirkusplakate zerstört. "Eine Anzeige in dieser Sache liegt nicht vor", sagte Reinhold Rothgerber vom Polizeipräsidium Trier. Dompteur Karoly Donnert, Spross einer ungarischen Zirkusfamilie, weist Bedenken zurück. Kaum geboren, sei der Tiger schon mit dem Kaltblüter zusammengebracht worden. Die Tiere seien schon von klein auf aneinander gewöhnt und verbrächten täglich Stunden miteinander. Von Stress könne keine Rede sein. Zudem sei das Pferd durch eine dicke Lederdecke und Filzplatte vor den Krallen des Tigers geschützt. Die Pferdedressur hat beim Circus Barelli eine besondere Tradition. Der Zwölferzug Holländischer Friesenhengste, der große Exotenzug und die Araberpferde versprechen in Verbindung mit meisterhafter Reitkunst temperamentvolle Darbietungen. Teil des Programms sind natürlich auch atemberaubende Artistik auf dem Boden und in der Luft sowie Clownnummern. Begleitet werden die Zirkusartisten live von einem zwölfköpfigen Orchester. Direktorin Salima Folco ärgert sich über die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigten Vorwürfe der Tierschützer. Sie verspricht den Besuchern spannende und abwechslungsreiche Unterhaltung. "Die Besucher können sich in der Pause selbst ein Bild von der Unterbringung der Tiere machen." Morgen, Freitag, beginnt um 20 Uhr die Eröffnungsvorstellung. Weitere Vorstellungen: werktags um 15 und 20 Uhr, samstags und sonntags sowie an Feiertagen um 15 und 18 Uhr. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie uns. Ihre Zuschrift sollte maximal 30 Zeilen à 30 Anschläge lang sein und bis morgen, 14 Uhr, vorliegen. E-Mail: echo@volksfreund.de

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