Tanzen als Therapie
Trier · Integrativer Tanz nennt sich das Projekt, das Maja Hehlen seit 1999 in der Tufa leitet. Dabei üben 13 Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderte Choreographien ein. Ihre Gruppe trägt den Namen Beweggrund. Getanzt wird nach dem Prinzip der Danceability.
Trier. Ein großer Raum mit hellorangen Wänden. Vorhänge flattern am Fenster. In der Spiegelfront des Raumes sieht man Bewegungen. 13 Tänzer der Danceability-Gruppe Beweggrund tanzen mit kreisenden Armbewegungen durch den Raum. Metallicas "Nothing Else Matters" füllt den Workshopsaal. Unter der Leitung von Tanzlehrerin Maja Hehlen tanzen Menschen mit und ohne körperliche Behinderung zusammen. "Die Grenzen sind hier fließend. Beim Tanzen merkt man gar nicht mehr, wer eine Behinderung hat", erklärt die Trainerin.
Unterstützung von Tufa Tanz
Seit 1997 leitet Hehlen Danceability-Kurse. In den USA hat sie bei Alito Alessi eine Ausbildung zur Danceability-Trainerin gemacht. Ein Jahr später gründete sie in ihrer Heimat, der Schweiz, die Gruppe Beweggrund. 1999 brachte sie den integrativen Tanz nach Deutschland. Unter dem Dachverband Tufa Tanz leitet sie den Kurs mit Jugendlichen und Erwachsenen ab einem Alter von zwölf Jahren in Trier.
Tufa Tanz unterstützt die Gruppe mit Raum und Geld. "Menschen mit Behinderung haben keine Lobby. Deswegen ist diese Förderung so wichtig", erklärt die Expertin.
Unter dem Thema "Stadt" bereiten sich die 13 Tänzer derzeit auf ihre Aufführung im Herbst vor. "Es gibt ein klares Programm, aber es gibt auch Raum für die Ideen der Teilnehmer", erklärt Hehlen.
So hat einer der Tänzer sein Lieblingslied von der Metallband Metallica mitgebracht. Das Performancestück heißt "Intra-Cities". "Wir haben dazu Videos in Trier gedreht", erklärt Hehlen. So performte einmal ein Duo vor einem Geiger vor der Porta Nigra. Der Film werde am Abend der Aufführung im Hintergrund des Tanzes laufen. "Tanz und Video interagieren miteinander." Diese Aufführung sei die Dritte ihrer Art. "Immer waren wir ausverkauft." Die Leute seien neugierig auf die zeitgenössischen Tänze. "Ziel ist es, das Publikum zu berühren."
Der Name Beweggrund sei doppeldeutig. Einerseits handle es sich um den Grund als Boden, als Untergrund, auf dem man tanzt. Andererseits gehe es um den Grund als Ursache des Tanzens. Tanz habe therapeutische Effekte und sei teilweise wirkungsvoller als eine Gesprächsgruppe. "Tanzen kann jeder", sagt Hehlen. Am Beispiel einer Frau, die mit den Augen getanzt hat, verdeutlicht Hehlen dieses Motto des Vereins Tufa Tanz. Menschen mit unterschiedlichen Bewegungsmöglichkeiten sind in der Gruppe Beweggrund. "Tanzen ist sehr demokratisch. Es bietet Raum für Gleichberechtigung. Die Tänzer sind gleichwertig, obwohl sie nicht die gleichen Bewegungsmöglichkeiten haben." Zwei der 13 Tänzer sitzen im Rollstuhl. Sie sind voll integriert in die Gruppe. Sie drücke ihre Bewegungen mit Armen und Händen aus. Einen normalen Tanzverein findet Hehlen langweilig. "Alles ist gleichförmig. In meiner Gruppe Beweggrund ist Vielfalt." Verschiedene Potenziale würden in die Gruppe gebracht. "Das bringt Spannung."
Aufführungen zum Thema integrativer Tanz in der Tufa: Beweggrund-Tanzstück "Intra-cities", 9. und 10. September, 20 Uhr; "logozoo" von Jean-Guillaume Weis, 28. September, 20 Uhr; Superheroes von Bernard Baumgarten, 19. November, 20 Uhr.
Der Begriff Danceability ist eine Neuschöpfung und leitet sich von dem Englischen Disability (Behinderung, Unfähigkeit) ab, wird hier aber positiv als Möglichkeit und Fähigkeit des Tanzens verwendet. Danceability ist eine integrierende Tanzmethode, die Menschen mit und ohne Behinderung zusammenbringt. Danceability ist Tanzkonversation in der Gruppe oder mit dem Partner. Dabei wird keine feste Choreographie vorgegeben, sondern frei improvisiert. Begründer der Dancability ist der US-Amerikaner Alito Alessi. ass