Tanzfee aus Leidenschaft

TRIER. Salzburger-Gastspiel: Zeitgenössisches Ballett bekamen die Zuschauer in der Tuchfabrik geboten. Die angehenden Trierer Ballerinen boten eine reife Leistung.

Einmal so tanzen wie die Großen es vormachen, das wünschen sich die jungen Tänzerinnen der Trierer Ballettschule Birgit Müller. Vorbild der Mädels sind die Studentinnen der "Salzburg Experimental Academy of Dance" (Sead), die im Großen Saal der Trierer Tufa eine glanzvolle Vorstellung von Modern Dance gaben. Staunend verfolgen die Nachwuchstänzerinnen, was sich auf der Bühne abspielt. Nur vereinzelte Laute sind anfangs zu hören, Ton-Fragmente. Diese sind bereits ein Teil des Eröffnungsparts von "Newton's Apple". Das Spiel der Geige wird lauter, das dumpfe Trommeln markanter. Und dann schweben auf beiden Seiten der Bühne dunkle Gestalten in erdfarbenen Kostümen von einer Ecke in die andere. Die Formation trifft sich in der Bühnen-Mitte: Die Tänzerinnen sinken nieder, rollen ihre schlanken Körper athletisch über den Boden, steigen empor und setzen an zu kraftvollen Sprüngen. Choreografin verzichtet auf Grazie und Anmut

Auf Grazie und Anmut setzt Choreografin Caroline Calouche bewusst nicht. Es scheint so, als wolle sie die physikalischen Gesetze überwinden. Unterschiedliche Kräfte prallen aufeinander. Die Musik erklingt spärlich aus dem Hintergrund. Die Laute der Tänzerinnen formen sich in einen Gleichklang: experimenteller Tanz pur. Das Publikum belohnt die Darbietung mit frenetischem Beifall. Mit dem kurzen, aber eindrucksvollen Gastspiel der Tänzerinnen aus Salzburg ist Ballettschul-Chefin Birgit Müller ein großer Wurf gelungen. Ein glücklicher Umstand kam ihr dabei zu Hilfe: An der Sead arbeitet eine gebürtige Triererin als Tanz-Pädagogin. Natascha Schmitz aus Filsch verschlug es nach Musical-Gastspielen unter anderem in Stuttgart (Miss Saigon, Die Schöne und das Biest) in die Alpenrepublik. Da sich die beiden Frauen kennen, kam das Gastspiel zustande. "Ich wollte schon immer unterrichten", sagt Natascha Schmitz, die Bühnentanz und Tanz-Pädagogik studiert hat. Ihre Studenten internationaler Herkunft seien hoch motiviert und sehr experimentierfreudig. Das mache die Arbeit so schön und interessant. "In Salzburg fühle ich mich wohl, aber nach Trier komme ich immer wieder gerne", sagt sie. Charme und Esprit versprühen auch die 40 Nachwuchs-Tänzerinnen der Ballettschule Birgit Müller bei ihren Darbietungen, ob Anfänger-Übungen oder Elemente mit höchstem Schwierigkeitsgrad. Anklang findet die Choreografie in Anlehnung an Goethes Gedicht "Der Zauber-Lehrling". Zu Johann Sebastian Bachs Violinkonzert E-Dur zeigen sechs hoffnungsvolle Talente zeitgenössisches Ballett: Lisa Ludes, Christina Reusch und Felizia Roth (alle 18 Jahre) haben vor vielen Jahren ihre Liebe zum Ballett entdeckt. Es sei "die Leidenschaft", die sie so fasziniere, sagen die drei Tänzerinnen.