Tarforst: Antrag auf Ganztagsschule läuft

Trier · Die Stadtverwaltung will in den nächsten Tagen beim Mainzer Ministerium beantragen, dass die Tarforster Grundschule zur Ganztagsschule (GTS) wird - obwohl das Elterninteresse gering ist.

Trier. Die erste Hürde hat Schuldezernentin Angelika Birk genommen: 38 Eltern der rund 200 Kinder, die die Tarforster Grundschule zurzeit besuchen und der 55 ABC-Schützen, die fürs nächste Jahr angemeldet sind, haben bei einer Erhebung der Stadtverwaltung Interesse an einem Ganztagsbetrieb bekundet. Die Quote reicht aus, um beim Schulministerium die Einrichtung einer Ganztagsschule zu beantragen (der TV berichtete). Und genau das will Schuldezernentin Birk in den nächsten Tagen tun - obwohl sich bei einer Konkurrenz umfrage des Schulelternbeirats 90 Prozent der Familien explizit gegen einen Ganztagsbetrieb ausgesprochen haben.
Birk will Platzproblem lösen


Aber die aktuelle Bedarfslage der Eltern gibt ohnehin nicht den Ausschlag für den erklärten Willen der Stadtverwaltung, auf dem Tarforster Plateau - nur wenige Kilometer Luftlinie zur Ganztagsgrundschule Keune - eine weitere Ganztagsschule einzurichten. Vielmehr will Birk durch den Ganztagsbetrieb das Platzproblem der Schule lösen: Denn bei Ganztagsbetrieb finanziert das Land Erweiterungsbauten zu 70 Prozent mit. Bliebe es beim regulären Halbtagsbetrieb, müsste Trier einen Ausbau dagegen alleine finanzieren - was nicht zu stemmen wäre.
Denn nur, weil der Musikraum als Klassenzimmer genutzt wird, können zum nächsten Schuljahr noch einmal drei statt zwei erste Klassen aufgenommen werden. Im Schuljahr darauf müsste nach den jetzigen Plänen ein Teil der ABC-Schützen mit dem Bus zur Grundschule im Nachbarstadtteil Olewig fahren - wogegen die Eltern protestieren.
Die Stadtverwaltung wolle die Ganztagsschule "von oben durchdrücken", kritisiert Marc-Oliver Rieger, einer der Sprecher der Elterninitiative. "Es scheint politische Gründe dafür zu geben, dass die Ganztagsschule gegen den Willen der Elternmehrheit durchgesetzt werden soll", erklärt der Uni-Professor.
Doch dazu muss Birk noch weitere notwendige Hürden nehmen: Mit ihrem Dezernatsausschuss hat sie die Schulbauerweiterung über den Umweg Ganztagsschule noch nicht besprochen. Und auch der Stadtrat muss noch zustimmen.
Die endgültige Entscheidung trifft dann das Landesschulministerium. "Jährlich können nur rund 50 bis 60 Prozent aller landesweiten Anträge auf Ganztagsschulen bewilligt werden", klärt Ministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle über die Chancen auf. Die Entscheidung, welche Schule Geld aus dem Gesamtschultopf erhält für zusätzliche Räume und Lehrer, fällt nach mehreren Kriterien: "Grundsätzlich werden Anträge von Schulen, in deren Umfeld es noch keine andere Ganztagsschule gibt, bevorzugt." Da die nahe zu Tarforst gelegene Keune-Grundschule bereits Ganztagsschule ist, werde der Tarforster Antrag "wohl nicht ganz oben auf der Bewilligungsliste stehen", sagt Karle. "Die Mehrheit der Eltern hier oben hofft, dass Mainz keinen Ganztagsbetrieb für Tarforst genehmigt - auch wegen des geringen Elterninteresses daran", sagt Rieger. Zurzeit bietet die Schule montags bis freitags von 12 bis 15 Uhr eine flexible Nachmittagsbetreuung - ohne Unterricht - an. Etwa 90 Kinder sind zu den Betreuungsstunden angemeldet.