1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Tarforster Eltern fordern Zebrastreifen

Tarforster Eltern fordern Zebrastreifen

Grundschulkinder aus dem Neubaugebiet Zum Wingertsberg in Tarforst müssen die Kohlenstraße überqueren, um ihre Schule zu erreichen. Doch der Kreisverkehr bereitet den Eltern große Sorgen. Sie wollen, dass sich etwas ändert.

Trier. Es ist viel los auf der Kohlenstraße am frühen Morgen. Eine scheinbar unendliche lange Autokolonne rollt über die Straße. Am Kreisverkehr beim Neubaugebiet Zum Wingertsberg steht wie jeden Morgen eine Schar Jungen und Mädchen. Ungefähr 30 Kinder sind auf dem Weg zur Grundschule. Sie warten und warten in ihren gut sichtbaren Warnwesten am Straßenrand. "Die Autos halten einfach nicht an", sagt eine besorgte und nun auch verärgerte Mutter, "langsam staut sich die Wut." Sie und andere Eltern begleiten die Kinder zur Schule. Es sei Teil des pädagogischen Konzeptes der Grundschule, dass die Kinder den Weg zur Schule kennenlernen, um unabhängig zu werden. "Mit dieser irren Verkehrslage können sie aber nicht allein gehen", sagt die Mutter und bezieht sich auf den Kreisverkehr.Kein Zebrastreifen

Sie erzählt, wie neulich ein Auto zuerst gezögert habe, um dann noch schnell Gas zu geben, als der Fahrer die Kinder gesehen hatte. "Vermutlich wollte er schnell weiterfahren, um keine Zeit zu verlieren", sagt sie, "einige Kinder standen aber schon mit einem Fuß auf der Straße". Auch Beschimpfungen sind keine Seltenheit. Einer Mutter wurde gesagt, sie soll lieber schneller gehen. Einer anderen, sie solle auf dem Zebrastreifen die Straße überqueren. Den gibt es aber nicht. "Das wünschen wir uns zum Beispiel, einfach Zebrastreifen am Kreisel oder mehr Kontrolle", sagt die Mutter in Namen vieler Eltern.Bis jetzt wurden zwei Achtung-Kinder-Schilder aufgestellt. "Seitdem hat sich die Situation verbessert, doch haben Zebrastreifen eine höhere Signalwirkung", sagt ein betroffener Vater. "Soll man wirklich solange warten, bis jemand totgefahren wird?", fragt er. Dabei erinnert er sich an die Ereignisse in den 1990er-Jahren in der Franz-Georg-Straße in Trier-Nord. Dort wurde Tempo 30 eingeführt, erst nachdem es zwei Verkehrstote gegeben hatte.Fußgängerüberwege zu markieren, bedeutet aber mehr, als weiße Streifen auf die Straße zu malen. Sie müssen beleuchtet und ausgeschildert sein. Dafür und für die Markierung würden Kosten anfallen, "die nicht im Haushaltsplan abgebildet und bei der derzeitigen finanziellen Lage der Stadt nicht vertretbar sind", so sagt Ralf Frühauf, Pressevertreter der Stadt Trier. Die Schule und die Stadt haben eine klare Position: Es gibt sichere Alternativen. "Der sicherste Schulweg aus dem Neubaugebiet verläuft entweder über den Gehweg An der Pferdsweide oder auf dem breiten Gehweg entlang der Kohlenstraße", sagt Ralf Frühauf. An der Kreuzung zwischen der Kohlenstraße und Am Trimmelter Hof gibt es eine Ampel für die Überquerung der Straße (siehe Grafik). "Dieser Weg ist gar nicht sicher", kommentiert die Mutter. "Die Kinder spielen miteinander auf dem Weg, sie schubsen sich, und das kann gefährlich werden, wenn sie entlang der dicht befahrenen Kohlenstraße gehen." Durch das Neubaugebiet zu laufen sei auch keine Lösung. "Die engen Straßen sind zugeparkt".Herausforderung auch für Ältere

Sicherer Schulweg oder nicht: Der Kreisel bliebe gefährlich. "Es gibt dort eine Bushaltestelle, da steigen auch viele Schüler aus und ein und müssen den Kreisel auch überqueren", sagt die Mutter. Den großen Kreisel zu passieren sei auch für viele ältere Menschen, die zum Einkaufen gehen wollen, eine Herausforderung. "Es gibt Querungshilfen als Verkehrsinsel mitten in der Straße", sagt die Stadt. "Zudem können auch sie die Straße an der Ampel überqueren." "Wenn man aber zum Beispiel zur Apotheke will, ist das für ältere Bürger ein unbequemer Umweg", antwortet die Mutter dazu."Für mich steht fest, ich begleite mein Kind zur Schule", sagt sie. "Das zerrt aber an den Nerven, da jeder von uns eine Mitverantwortung für die anderen Kinder trägt."Meinung

Es geht nicht nur um den Schulweg Es ist klar, dass die Stadt kein Geld mehr hat. Und Zebrastreifen sind offenbar teurer als man denkt. Gewiss gibt es vernünftige Autofahrer am Steuer, die den wartenden Fußgängern den Vortritt lassen, doch reich gesät ist diese Spezies Mensch nicht. Im Gegenteil: in der Kohlenstraße wird ziemlich gerast. Hier aber geht es um Bürger, die sich nicht sicher fühlen. Es sieht so aus, als sei ein Neubaugebiet entstanden, ohne die Verkehrslage zu beachten. Denn auch wenn die Eltern den empfohlenen Schulweg benutzen würden, würde das Problem bleiben. Eine Apotheke, ein Supermarkt, eine Bank befinden sich zum Beispiel westlich der Kohlenstraße. Auch ohne die Grundschule wäre es also vernünftig, Zebrastreifen anzubringen. Wenn es kracht, ist es zu spät. b.cunietti@volksfreund.de