Tausend Füße sind unterwegs

Früh am Morgen herrscht bereits geschäftiges Treiben in den Lebenshilfe-Werkstätten in der Diedenhofener Straße. Dort gibt es viel vorzubereiten, denn Hunderte Wanderer werden dort erwartet. Zum sechsten Mal richtet die Trierer Lebenshilfe-Wandergruppe "Tausendfüßler" eine IVV-Wanderung mit Start und Ziel an den Lebenshilfe-Werkstätten aus.

Die Wanderschuhe sind geschnürt, gleich geht es an die Mosel: die Tausendfüßler Monika Bock, Matthias Peters, Klaus-Dieter Schmitz, Hedwig Reinhard, Dirk Rebitzer, Gerd Thesen starten auf die fünf Kilometer lange Strecke. Foto: privat

Trier. (cofi) "Vorsicht", ruft Dajana Rautenstrauch und schleppt einen Getränkekasten durchs Gedränge. Ihr weinrotes T-Shirt ist das äußere Zeichen, dass sie zur Gruppe "Tausendfüßler" gehört. Aber heute schnürt sie nicht selbst die Wanderstiefel, sondern sorgt für die Bewirtung Hunderter Wanderer, die auf den fünf-, zwölf- oder 20-Kilometer-Strecken an Mosel oder durch den Eurener Wald unterwegs sind. "Es ist selbstverständlich, dass man hilft. Das gehört dazu, wenn man in so einer Gruppe drin ist." Und in 14 Tagen ist sie sowieso wieder selbst bei einer Wanderung dabei. "Dann genieße ich die Natur, höre die Vögel zwitschern und die Bäume rauschen. Das macht Spaß, ist schöner als sonntags in der Bude zu hocken, man bleibt sportlich und beweglich, und es ist gut für die Figur."

So wie Dajana Rautenstrauch halten es auch andere Bewohner von Trierer Lebenshilfe-Wohnheimen. Und das zum Teil schon seit 31 Jahren. Denn 1978 entstand das Freizeitgestaltungs- und Bewegungsangebot, das Betreuer Jürgen Heinzel für die Bewohner der damals zwei Wohnheime initiierte. "Dabei spielte natürlich auch der Integrationsgedanke eine Rolle. Unsere Gruppe ist bei den anderen Ausrichtern von Wanderungen bekannt geworden und wurde schnell akzeptiert." Als die Gruppe auf ihre 100. Wanderung ging, musste ein Name her: Ein Ideenwettbewerb wurde ausgeschrieben. Seither heißen die Lebenshilfe-Wanderfreunde "Tausendfüßler", und mancher, der schon seit 30 Jahren dabei ist, hat bis über 700 Wanderungen in sein Streckenbuch eingetragen oder hat es geschafft, von 1983 bis 1996 von Flensburg bis zum Bodensee einmal durch ganz Deutschland zu laufen.

Dass die Lebenshilfe auch selbst IVV-Wanderungen ausrichtet, jährt sich 2009 zum sechsten Mal. "Das soll eine Veranstaltung von uns für andere sein. Heute wollen wir zeigen, dass wir für die anderen da sind", sagt Heinzel. "Wir wollen Gleiche unter Gleichen sein", sei die Botschaft. Und die kommt bei den Wanderern an: Sie reisen aus der ganzen Region an, sogar aus Luxemburg, holen sich ihr Start-Paket ab und am Ende den Stempel. Bereits drei Stunden nach Beginn haben sich 500 Menschen auf die Wanderschaft begeben. Unterstützt werden die Lebenshilfe-"Tausendfüßler" bei der Organisation von den Wanderfreunden Zewen, die die Startkarten ausgeben, den Streckendienst versehen, Kontrollstellen bewirtschaften, Strecken aussuchen und kennzeichnen. Auch die Saar-Mosel-Wanderer aus Konz der TV Ehrang und die Wanderfreunde aus Wellen sind mit im Boot. "Das ist toll. Man kommt mit vielen Leuten in Kontakt", sagt Dajana Rautenstrauch. Gerade verlangt sie von einem Gast den Preis für eine Flasche Wasser. Auch wenn sie heute die Wanderschuhe nicht selbst schnürt, "das Schöne an der Gruppe, ob beim Laufen oder hier beim Helfen, ist der Zusammenhalt - und dass man sich unterhalten kann".