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Tauziehen um 200 Jahre altes Wegekreuz

Tauziehen um 200 Jahre altes Wegekreuz

Etwa 170 Jahre hat ein Wegekreuz, das zum Gedenken an einen Ertrunkenen errichtet wurde, an der Löwener Mühle bei Wasserbilligerbrück gestanden. Dann kam es vor etwa 30 Jahren als Leihgabe zum Freilichtmuseum Roscheiderhof. Nun möchte die Gemeinde Langsur das Denkmal an seinem angestammten Platz aufstellen. Die Eigentümer sind dagegen.

Langsur/Konz. Langsurs Beigeordneter Reinhold Thiel muss sich vorgekommen sein wie Sherlock Holmes: Jahrelang suchte er nach einem verschwundenen Wegekreuz, das einst zwischen Wasserbilligerbrück und Igel stand, gleich neben einem Gasthof an der Löwener Mühle. Vermutlich im Jahr 1818 von Bürgern aus Wasserbillig zum Gedenken an einen in der Mosel Ertrunkenen aufgestellt, war der knapp zwei Meter hohe Sandstein mit Kreuzigungsszene und dem heiligen Petrus über viele Jahre Ziel von Bittprozessionen aus der Luxemburger Grenzgemeinde. Vor rund 30 Jahren war das Kulturgut plötzlich verschwunden - widerrechtlich entwendet, wie Thiel glaubte. Er begann, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Hoffnung, das alte Wegekreuz zu finden, hatte der Beigeordnete schon aufgegeben, doch dann bekam er vor gut zwei Jahren einen Hinweis: Das Denkmal könnte sich im Freilichtmuseum Roscheiderhof befinden. Und so war es auch. Dort steht es, etwas abseits am Wegesrand, halb von Büschen bedeckt.
Besitzer ist Familie Reinert

 Ulrich Haas, Leiter des Freilichtmuseums Roscheiderhof, mit dem Wegekreuz von der Löwener Mühle, das als verschollen galt. TV-Foto: Albert Follmann
Ulrich Haas, Leiter des Freilichtmuseums Roscheiderhof, mit dem Wegekreuz von der Löwener Mühle, das als verschollen galt. TV-Foto: Albert Follmann


Bei einem Treffen teilte der Leiter des Freilichtmuseums, Ulrich Haas, dem Beigeordneten mit, dass das Wegekreuz bereits Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre nach Roscheid gekommen sein müsste. 27 Jahre ist Haas Leiter - und das Denkmal wurde noch unter seinem Vorgänger aufgenommen.
Die Hoffnung Thiels und der Gemeinde Langsur, dass das wiedergefundene Denkmal nun bald zu seinem angestammten Platz an der Löwener Mühle zurückgebracht werden kann, bekam bald einen Dämpfer. Wie sich herausgestellt habe, sei eine Familie Reinert aus Konz nach wie vor Eigentümerin des Kreuzes, informierte der Museumsleiter die Gemeinde Langsur. Und die Familie wolle, dass die Leihgabe weiterhin im Freilichtmuseum bleibe. "Unser Museum ist zwar nach wie vor der Meinung, dass dem ursprünglichen Standort eines Bauwerks in jedem Falle der Vorzug zu geben ist", schrieb Haas, "aber mit den rechtlichen Gegebenheiten müssen wir uns wohl abfinden". Heute auf das Tauziehen um das Denkmal angesprochen, gibt sich Haas diplomatisch: "Wir halten uns da raus."
Wer von ihren Vorfahren das Wegekreuz vor knapp zwei Jahrhunderten aufgestellt hat, wissen auch die Eigentümer Erika und Hans Reinert aus Konz nicht mehr. Dem Großvater seiner Frau habe mal die Löwener Mühle gehört, meint Hans Reinert, aber zwischenzeitlich habe es mehrere Eigentümerwechsel gegeben.
Die Umsetzung des Kreuzes zum Roscheiderhof geschah auf Veranlassung der Reinerts und hatte die Ursache in einem Kaufangebot: 3000 Mark habe ihm ein Mann - Reinert vermutet ein Sammler - für das Wegekreuz geboten, um es einem Freund zu schenken. Daraufhin habe er das Landesmuseum Trier um Rat gefragt. "Die haben mir empfohlen, ein Duplikat anfertigen zu lassen und das zu verkaufen, aber der Mann wollte nur das Original." Obwohl der Kaufinteressent sein Angebot auf 4500 Mark erhöhte, lehnten die Reinerts ab.
Der Vorfall habe ihnen jedoch gezeigt, dass das Wegekreuz möglicherweise an dieser Stelle nicht sicher sei. Hans Reinert: "Wenn so viel dafür geboten wird, dann besteht auch die Gefahr, dass es bei Nacht und Nebel gestohlen wird." Schließlich habe er sich dann dafür entschieden, es heimatnaher zu seinem Wohnort Konz aufstellen zu lassen, und zwar im Freilichtmuseum Roscheiderhof. Publik gemacht haben die Reinerts den Umzug nicht. Auch Bewohner der Löwener Mühle hatten nichts davon mitbekommen. "Die haben mich angerufen und gesagt, das Kreuz ist weg", erinnert sich Hans Reinert.
Und wie es aussieht, wird das 200 Jahre alte Kulturgut auch nie wieder an seinem ursprünglichen Platz stehen. Neben Langsurs Beigeordnetem Reinhold Thiel macht sich auch der örtliche Kulturverein Longasura für eine Rückkehr des "schönsten Kreuzes der Gemeinde" stark. Eine rechtliche Handhabe gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist der Wunsch der Eigentümer, und die haben sich festgelegt: "Es soll im Museum auf Roscheid bleiben."