Technik, die begeistern soll

TRIER. Mädchen für eine Ausbildung in einem technischen Beruf zu interessieren – das ist das Ziel des bundesweiten Girls’ day, der gestern zum fünften Mal statt fand. Auch die Werkstätten der Bundeswehr-Fahrzeug-Teststelle in Trier standen dem potenziellen weiblichen Nachwuchs offen.

Trotz Girls day, Gleichberechtigungsbeauftragten und Frauenförderprojekte: So richtig hat sich der emanzipatorische Gedanke noch nicht durchgesetzt. Technische Berufe sind immer noch eine Männerdomäne. "Dafür sind wir ja auch nicht gut genug in Mathe", sagt Miri, Neuntklässlerin der Realschule Speicher. "Wir haben halt andere Interessen, Büro, Kinder, Kleider", begründet Klassenkameradin Laura, warum eine Ausbildung zur Mechatronikerin oder Elektronikerin für sie nicht in Frage kommt. Nur Christine könnte es sich zumindest vorstellen, einen solchen Beruf zu erlernen. Schließlich hat sie ja auch eine Zwei in Physik. Zusammen mit knapp 70 weiteren Mädchen schnuppern die Speicherer Realschülerinnen beim Girls day in die Ausbildungswerkstätten der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) der Bundeswehr hinein. Zwei Mechatroniker- und zwei Elektroniker-Azubis stellt die WTD pro Jahr ein. "Vor zehn oder 15 Jahren war mal ein Mädchen dabei und im September kommt wieder eine", sagt Angelika Jonas, Gleichstellungsbeauftragte der WTD. Zum dritten Mal organisiert sie den Girls day. "Es ist schwierig, die Frauenquote zu erhöhen, aber wir strengen uns an." In der Elektronik-Werkstatt probieren sich Schülerinnen der Theodor-Heuss-Hauptschule Trier an Lötgeräten aus. Geschickt lassen sie den erhitzten Lötdraht auf eine Platte tropfen, mit Begeisterung formen die Acht- und Neuntklässlerinnen kleine Schriftzüge. "Keine Frage, das Technik-Talent schlummert in vielen Mädchen, nur wird es schon im Elternhaus häufig nicht geweckt", sagt ihre Lehrerin Ingrid Reinemann. Kollegin Hildegunde Franzen ist seit 30 Jahren im Beruf. "In dieser langen Zeit haben nur zwei meiner Schülerinnen technische Berufe ergriffen", sagt sie. Dabei seien weibliche Auszubildende mindestens genauso gut, wenn nicht im theoretischen Bereich sogar besser als Jungs, sagt KFZ-Meister und Ausbilder Arnold Meyer. Rund zwanzig Mädchen des Angela-Merici-Gymnasiums und der Cusanus-Hauptschule Trier verfolgen seine Erklärungen. "Umgangston unter Männern ist rauer"

"Acht Stunden arbeiten ist anfangs hart, aber dafür bekommt ihr eine gute Fachausbildung", sagt er. Tatsächlich legen die Azubis des WTD häufig die besten Gesellenprüfungen im Kammerbezirk ab. "Ihr könnt euch jederzeit um ein Praktikum bei uns bewerben, um den Beruf der Mechatronikerin oder der Elektronikerin besser kennen zu lernen", ermuntert Gleichstellungsbeauftragte Jonas die Mädchen. Tanja Schäfer hat sich vor Jahren für die Männerdomäne entschieden. Die KFZ-Mechanikerin aus Baumholder ist bei der WTD als technische Beamte beschäftigt. "Man muss schon ein dickes Fell haben, der Umgangston ist unter Männern rauer, empfindlich darf man da nicht sein", sagt die 32-Jährige. An "normalen" Tagen testet Schäfer Panzer, heute führt sie die Schülerinnen durch die Werkstatt. "Das ist das Triebwerk eines Leopard II Kampfpanzers", erklärt sie, "der hat 1500 PS Leistung." Tatsächliches Interesse an dem Motorblock zeigen die wenigsten der Mädchen. "Und mit so einem dürfen wir gleich mitfahren", freut sich eine auf den Höhepunkt des Tages - die Fahrt mit einem Kettenfahrzeug oder Panzer. Die Begeisterung für die Technikwunder ist groß - vielleicht ja sogar groß genug, dass die ein oder andere sich doch noch für eine Ausbildung in einem "typisch männlichen" Beruf entscheidet.

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