Technische Führungskräfte gesucht

TRIER. Die Situation ist paradox: Deutschlands Mittelständler, Konzernbosse und Personaler rufen laut nach Ingenieuren und staatlich geprüften Technikern – doch die größte Techniker-Schule in Rheinland-Pfalz, das Balthasar-Neumann-Technikum in der Trierer Paulinstraße, meldet rückläufige Schülerzahlen.

Laut einer aktuellen Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) sind derzeit deutschlandweit 15 000 Stellen unbesetzt - mangels Masse. "Genau in diese Nische könnten unsere Leute, die wir als mittlere Führungskräfte für Handwerk, Industrie und Handel ausgebilden, stoßen", sagt der Schulleiter der Fachschule für Technik, Franz J. Egner. "Aber im gewerblich-technischen Bereich fehlen zum einen Ausbildungsplätze, zum anderen Ausbildungswillige. Die staatlichen Voraussetzungen für Ausbildungsbetriebe sind dieser Entwicklung nicht gerade förderlich, und viele junge Leute tendieren mehr zu den Weißkragen-Berufen." Am Balthasar-Neumann-Technikum wird jedoch nur der aufgenommen, der die Berufsschule beendet hat, eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf vorweisen kann und mindestens ein Jahr in seinem Beruf gearbeitet hat. Derzeit werden 449 Schüler unterrichtet, 203 in Vollzeit über zwei Jahre (von 8 bis 13 Uhr und zusätzlich an bis zu drei Nachmittagen), 246 in vierjähriger Teilzeitform (dienstags und freitags von 17.15 bis 21.15 Uhr und alle 14 Tage samstags von 7.30 Uhr bis 15 Uhr). Die Tendenz zum Teilzeit-Bildungsgang ist steigend, weil die berufliche Weiterbildung zum "staatlich geprüften Techniker" parallel zum Job läuft, der Arbeitsplatz behalten wird. Das Technikum, seit 1997 mit dem Technischen Gymnasium unter einem Dach, bietet folgende Fachrichtungen an: Automatisierungstechnik mit dem Schwerpunkt Prozessautomatisierung, Bautechnik mit den Schwerpunkten Hochbau und Tiefbau sowie Bausanierung (ganz neu eingerichtet, um mit politischem Rückenwind für die Zukunft am Bau gerüstet zu sein), Elektrotechnik mit den Schwerpunkten Informationstechnik und Energieelektronik, Maschinentechnik mit dem Schwerpunkt Maschinenbau, Technische Betriebswirtschaft und Technische Gebäudeausrüstung. 40 Lehrer, allesamt gestandene Leute aus der Praxis, die wissen, wovon sie im Unterricht reden und worauf es draußen ankommt, vermitteln nicht nur Wissen, sondern setzen auf Teamfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, fördern eigenständiges, vernetztes Denken, das dazu befähigt, Betriebsabläufe aktiv mitzugestalten und Initiative zu ergreifen. Anschauliches Beispiel: das Abschluss-Projekt. So hatten Schüler für die Hochwald-Milchwerke eine Maschine entwickelt, die es ermöglicht, auch halbe (statt wie bisher nur ganze) Paletten zu bestücken und zu verpacken. "Wer sich am Balthasar-Neumann-Technikum weiterbildet, der ist meist auch bereit, dem beruflichen Ruf wohinauchimmer zu folgen. Mirjam Gerlach, 27, aus Speicher ist gelernte Bauzeichnerin und hat nach zweieinhalb Jahren Architekturstudium nach Trier gewechselt, um Hochbautechnikerin zu werden. "Schlimmstenfalls mache ich mich selbständig oder gehe ins Ausland." Markus Knop, 33, aus Kastellaun ist gelernter Zimmermann und hat mehr als zehn Jahre in seinem Beruf gearbeitet. Aus gesundheitlichen Gründen musste er umschulen und wird im Sommer seinen Bautechniker-Abschluss machen. "Ich bin bereit, überall zu arbeiten, aber Holzhausfirmen gibt es in der Umgebung von Simmern und Koblenz ja einige." Michael Berscheid, 27, Werkzeugmechaniker/Formenbauer aus Niederkail, hat viereinhalb Jahre in seinem Beruf gearbeitet und will sich jetzt weiterbilden, um sich im heimischen Betrieb weiterentwickeln zu können. Marco Bottler, Energieelektroniker/Betriebstechnik, 31, aus Mühlheim, hat nach der Lehre bei der Bundeswehr als Fernmeldesystemfeldwebel gearbeitet, ist nach zehn Jahren abgegangen und qualifiziert sich im Rahmen der Berufsförderung. Wer mehr über die Weiterbildung am Balthasar-Neumann-Technikum, Trier, Paulinstraße, erfahren möchte, der hat am Freitag, 31. März, 17 Uhr, beim Informations-Abend Gelegenheit dazu. Eingeladen sind nicht nur Schüler, sondern auch Betriebe, die Personal suchen.

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