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Technische Neuerungen gegen den Gestank in Trier-Pfalzel

Technische Neuerungen gegen den Gestank in Trier-Pfalzel

Um sich der Kritik zu stellen und die Bemühungen der Firma gegen die an einigen Tagen immer noch entweichenden Gestanksschwaden zu erläutern, hat die Pfalzeler Recyclingfirma Eu-Rec zum Gespräch geladen.

Trier. Ein Glas Wasser aus einer Pfütze am havarierten Kernkraftwerk Fukushima ließ sich 2011 der japanische Politiker Yasuhiro Sonoda schmecken. Ein Jahr zuvor war US-Präsident Obama nur mit Badehose bekleidet nach einer Ölpest in den Golf von Mexiko gesprungen. Und der deutsche Ex-Umweltminister Manfred Töpfer schwamm 1988 durch den Rhein. Alles, um - vermeintliche - Unbedenklichkeit zu beweisen.Entspannte Atmosphäre

"Wären Sie Töpfer, würden Sie jetzt trinken", fordert denn auch - augenzwinkernd - Hans-Jürgen Wirtz vom Pfalzeler Bürgerverein beim Betriebsrundgang durch die Eu-Rec Firmenchef Willi Streit auf. "Naja, Gerolsteiner ist das noch nicht, was bei unserer neuen Wasseraufbereitungsanlage hinten rauskommt", räumt Firmenchef Willi Streit ein. An der glasklaren Flüssigkeit in dem Glas, das er in der Hand hält, lässt er alle schnuppern. Tatsächlich riecht es nur ganz schwach.

Neben Wirtz sind auch Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel, Horst Görgen von der Bürgerinitiative Pro Pfalzel, Jörg Elsen als Vertreter der Ortsvereine zur Betriebsbesichtigung mit anschließendem Gespräch gekommen. Auch Jan Glockauer und Heinz Schwind von der Industrie- und Handelskammer, zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung - in Vertretung für Dezernent Andreas Ludwig - und Joachim Gerke, Abteilungsleiter bei der Aufsichtsbehörde SGD Nord, hat Streit eingeladen. Es ist ein Schritt hin zu mehr Transparenz, mehr Verständnis für die Produktionsabläufe. Und das Unternehmerehepaar Streit will zeigen, was es tut, um möglichst gestankfrei zu produzieren. Tatsächlich ist die Atmosphäre bei dem Termin auf dem Firmengelände wesentlich entspannter als bei der Bürgerversammlung Ende April . Auf der neuen Wasseraufbereitungsanlage, die in den nächsten Monaten in Betrieb genommen werden soll, ruhen die Hoffnungen der von Gestank geplagten Pfalzeler. Den Genehmigungsantrag mit allen nötigen Unterlagen und Nachweisen wollen Willi und Simone Streit Ende des Monats bei der SGD Nord einreichen. Statt wie bislang täglich fünf Kubikmeter kontaminiertes und stinkendes Wasser aus der Folienwaschanlage in ein Bassin abzupumpen, das alle fünf Tage von einer Spezialfirma abgepumpt wird, soll der Wasserkreislauf der Firma künftig in einem geschlossenen System stattfinden - ohne stinkende Schnittstellen zur Außenluft. Andere technische Neuerungen hat die Eu-Rec seit der Bürgerversammlung Ende April bereits in Betrieb genommen (siehe Extra).
Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel ist trotzdem weiter skeptisch: "Uns wurde in den vergangenen drei Jahren viel versprochen - trotzdem stinkt es immer noch regelmäßig." An bestimmten Tagen seien in den vergangenen Wochen weiterhin Beschwerden bei der Eu-Rec eingegangen, bestätigte SGD-Vertreter Gerke.
Nächster Termin der Runde zur Weiterverfolgung des Sachstandes ist Mittwoch, 3. August.Extra

Nach den neuen Filteranlagen, die die Eu-Rec 2015 eingebaut hat, geht die technische Aufrüstung weiter: Drei neue Filter wurden in den vergangenen Wochen eingebaut: einer saugt die Luft an der Schredderanlage ab, die die Abfallfolien zerkleinert. Zwei Filter reinigen die Luft an der Stelle, an der das fertige, hochwertige Recyclingprodukt fertiggestellt wird. Geplant ist ein weiterer Filter direkt im Kamin. Vorgesehen ist außerdem, eine luftdichte Kabine um das Förderband zu bauen, auf dem die Abfälle anfangs sortiert werden, so dass auch dort weniger Gerüche in die Umgebung entweichen können. Auf ihrer Homepage hat die SGD Nord die Infos über die laufenden Eu-Rec-Untersuchungen aktualisiert und eine eigene Mailadresse für Beschwerden eingerichtet: geruchsmeldung-eu-rec @sgdnord.rlp.de woc