Teilnehmer der Flüchtlingskonferenz im Bistum Trier fordern Familienzusammenführung.

Flüchtlinge : Konferenz in Trier: Teilnehmer fordern Familienzusammenführung

Professor Dieter Filsinger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands bringt die Thematik der 5. Trierer Flüchtlingskonferenz in der Richterakademie auf den Punkt: „Flucht ist ein Familienprojekt.“

(red) Eingeladen hat das von Caritas und Bistum gemeinsam getragene „Willkommensnetz“ der Flüchtlingshilfe. Thematisch geht es um Familie und ihre Bedeutung für die Integration. Weihbischof Franz Josef Gebert, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Trier, bekräftigt die Forderung, den Familiennachzug für sogenannte subsidiär Geschützte (ohne Flüchtlingsstatus im Sinn der Genfer Flüchtlingskonvention) wieder zu ermöglichen. Er ist zurzeit noch bis März 2018 ausgesetzt. „Wir brauchen eine vernünftige Regelung des Familiennachzuges, um Menschen aus unerträglichen Spannungen herauszuholen“ sagt Gebert.
Professor Filsinger lenkt den Blick auf die hohe Solidarität in Migrantenfamilien, die als großes Potenzial gesehen werden könne. Er weist aber auch darauf hin, dass Generationenkonflikte entstehen können, wenn Jugendliche mit ihrer Familie nach Deutschland nachziehen. Deshalb sei es eine wichtige Aufgabe, Familien auch nach ihrer Zusammenführung gut zu begleiten und zu beraten.

Unterstützung für Familien ist auch nach Ansicht von Andreas Zimmer, Abteilungsleiter Beratung und Prävention im Generalvikariat, entscheidend für eine gelungene Integration. Oft gebe es in den Familien traumatische Erlebnisse, die vor oder während der Flucht entstanden sind. Hier sei das Angebot einer behutsamen Trauer- und Erinnerungsarbeit eine Möglichkeit, den Migranten zu helfen und sie psychisch zu stabilisieren.

Im zweiten Teil der Konferenz geben Geflüchtete und Ehrenamtliche Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen. Für Familie Alhajji-Hamwi war die Flucht aus ihrer Heimatstadt Damaskus in Syrien nach ihrer Darstellung eine Zerreißprobe: Alle Ersparnisse und bei Freunden geliehenes Geld ermöglichten Maisaa Hamwi und ihren damals zehn- und fünfjährigen Söhnen gemeinsam mit der Großmutter und einem ihrer Brüder die Flucht, während Ehemann Raed in dem größtenteils zerstörten Haus in Damaskus bleiben musste: Als
Regierungsbeamter waren ihm wegen der Fluchtgefahr seine Ausweispapiere weggenommen worden. Über Umwege kamen die Familie und weitere Verwandte nach Kell, wo sie auf den Ehrenamtlichen Dittmar Lauer trafen, der sich mit seiner Ehefrau Lilli in der Flüchtlingshilfe einsetzt.

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