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Telefonseelsorge im Bistum Trier mit deutlich mehr Anrufen

Hilfsangebot des Bistums Trier : Wie sich Corona auf die Psyche auswirkt

Die Telefonseelsorge im Bistum Trier verzeichnet deutlich mehr Beratungsanfragen.

Der 10. Oktober gilt weltweit als Tag der psychischen Gesundheit (World Mental Health Day). In diesem Jahr stand er allerdings unter einem besonderen Vorzeichen: Die Corona-Pandemie zwingt zum Schutz der Gemeinschaft Menschen dazu, ihre Gewohnheiten zu ändern. Fast täglich verändert sich die Gefahrenlage, fast täglich müssen sich Männer, Frauen und Kinder auf neue Gegebenheiten einstellen. Die Folgen sind unter anderem Verunsicherung und Gefühle der Ohnmacht. Verlässlichkeit und Planbarkeit kommen derzeit oft zu kurz. Doch gerade dies sind zwei zentrale Faktoren, die sich auf die Zufriedenheit von Menschen auswirken – und damit auch auf die psychische Gesundheit. Vor diesem Hintergrund verzeichnen die Telefon­seelsorge­stellen im Bistum Trier einen Anstieg der Beratungsanfragen.

„Wir beobachten, dass ohnehin schon bestehende Krisen und Belastungen durch die Pandemie und die damit notwendigen Schutzmaßnahmen verstärkt werden. Menschen, die wenig soziale Kontakte haben oder deren soziale Kontakte mit einer stabilen Krisenbegleitung überfordert sind, nutzen verstärkt das telefonische Beratungsangebot der Telefonseelsorge, das rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche erreichbar ist“, berichtet Bernd Steinmetz, Leiter der Telefonseelsorge Trier, stellvertretend für die insgesamt fünf Stellen im Bistum: Bad Neuenahr-Ahrweiler, Mittelrhein, Nahe-Hunsrück, Saar und Trier. Steinmetz sagt: „Mit 8764 Beratungstelefonaten vom Jahresbeginn bis jetzt haben wir durchgehend 8,3 Prozent mehr Beratungsgespräche als im Vorjahr in der Telefonseelsorge Trier.“

Untermauert wird die Beobachtung von einer Studie der Universitäten Basel und Freiburg, die die Datenlage aller Telefon­seelsorge­stellen deutschlandweit untersucht haben. In den ersten Wochen nach Beginn der bundesweiten Kontaktsperren im März hätten die Anrufer verstärkt über finanzielle Sorgen und Ängste gesprochen, berichtet Steinmetz. Mit dem weiteren Anstieg der telefonischen Beratungskontakte seien dann vor allem Gefühle von Einsamkeit und Probleme mit dem seelischen Befinden in den Vordergrund gerückt. Im Einzugsbereich Trier nahmen die Sorgen bei diesen Themen deutlich zu: Erkrankungen/Körperliches Befinden (14 Prozent häufiger als im Vorjahr), Depressive Stimmung (plus 15 Prozent), Ängste (plus zwölf Prozent) und Einsamkeit (plus 20 Prozent). Gestiegen ist allerdings nicht nur die Anzahl der Anrufe, sondern auch die Dauer der Gespräche: Rund zwei Minuten länger sprechen sie im Corona-Jahr mit den Haupt- und Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge. Waren es 2019 noch durchschnittlich 17 Minuten pro Gespräch, sind es nun 19 Minuten.

Ebenfalls gestiegen – um fünf Prozent – ist die Zahl der Menschen, die im Verlauf des Gesprächs eine diagnostizierte psychische Erkrankung nannten. Das deute darauf hin, dass die üblichen Hilfenetze in Corona-Zeiten entweder zeitweise nicht verfügbar oder überlastet seien, gibt Steinmetz zu bedenken. Dass die Problemlage sich verschärft, zeichnet sich auch in einer weiteren Zahl ab: Im Vergleich zu 2019 wurden rund 25 Prozent mehr Ratsuchende auf weiterführende Hilfsangebote aufmerksam gemacht.

Jedes Jahr machen am Welttag der psychischen Gesundheit Organisationen mit Infoständen, Vorträgen und Kampagnen auf die Förderung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung aufmerksam, klären über psychische Krankheiten auf und bringen ihre Solidarität mit psychisch Kranken und deren Angehörigen zum Ausdruck. Den Tag der psychischen Gesundheit hat 1992 der Weltverband für psychische Gesundheit (WFMH) gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen.

Alle Angebote der Telefonseelsorge unter dem Motto „Anonym. Kompetent. Rund um die Uhr“ gibt es online unter www.telefonseelsorge.de Die Telefonnummern sind bundesweit 0800/1110111, 0800/1110222 oder 116123. Der Anruf ist kostenfrei.