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Theater-Intendant Karl Sibelius signalisiert grundsätzliche Zustimmung zu Doppelspitze

Theater-Intendant Karl Sibelius signalisiert grundsätzliche Zustimmung zu Doppelspitze

Der Steuerungsausschuss – nach dem Stadtrat das wichtigste Gremium – und der Kulturausschuss der Stadt Trier beraten am Mittwoch über die Änderungen des Arbeitsvertrags von Generalintendant Karl Sibelius. Über seinen Anwalt signalisiert Sibelius, grundsätzlich damit einverstanden zu sein, dass künftig ein Verwaltungsdirektor gleichberechtigt mitverantwortlich sein soll für die Theaterfinanzen.

Die Weichen für die Zukunft des Trierer Stadttheaters werden am Mittwoch neu gestellt: Steuerungsausschuss und Kulturausschuss der Stadt kommen um 17 Uhr zu einer gemeinsamen Sondersitzung zusammen. Vorrangig geht es um Änderungen beziehungsweise die Erneuerung des Arbeitsvertrags von Stadttheater-Intendant Karl Sibelius. Nach den Budgetüberschreitungen in Millionenhöhe (der TV berichtete mehrfach) soll Sibelius die finanzielle Verantwortung für den Theaterbetrieb entzogen und ihm ein kaufmännischer Verwaltungsdirektor an die Seite gestellt werden. Der Stadtrat hatte vor zwei Wochen die (Wieder-)Einführung einer solchen Doppelspitze mit großer Mehrheit beschlossen.

Mit Intendant Sibelius muss nun ein neuer Vertrag vereinbart werden, der auf der geänderten Leitungsstruktur des Theaters basiert. Ob der 47-Jährige dem neuen Kontrakt - und damit seiner teilweisen Entmachtung - zustimmt, dazu wollte sich der in Konz lebende Vater zweier Kinder bislang nicht öffentlich äußern. Ob er unterschreiben wird oder nicht, diese Frage wollte sein Rechtsanwalt Andreas Ammer auch am Dienstag noch nicht beantworten. Was Ammer im Gespräch mit dem TV äußert, klingt jedoch eher nach Zustimmung als nach endgültigem Bruch: "Grundsätzlich ist Herr Sibelius mit der Unterstützung durch einen kaufmännischen Verwaltungsdirektor einverstanden und auch damit, dass für die finanziellen Belange des Theaters künftig ein Vier-Augen-Prinzip gelten soll. Bei Uneinigkeiten hätte keiner von beiden die Oberhand, sondern Kulturdezernent Egger oder Oberbürgermeister Leibe müssten entscheiden - so, wie es die vom Stadtrat beschlossene neue Dienstverordnung auch vorsieht. Allerdings kann ich noch nicht sagen, dass Herr Sibelius den neuen Arbeitsvertrag definitiv unterzeichnen wird. Dazu müssen wir erst abwarten, wie die Ausschüsse heute die Vertragsdetails festlegen und wie die Dienstverordnung konkret in den Arbeitsvertrag eingebunden wird", sagt Ammer, und: "Der Generalintendant hat Vertrauen in die städtischen Gremien und er möchte seine Arbeit am Stadttheater sehr gerne fortsetzen."

Sibelius‘ bisherige Zeitvertrag läuft zum 1. August aus. Sein befristeter Vertrag war in den vergangenen Monaten mehrfach verlängert worden. "Aber das bedeutet nicht, dass sich sein Arbeitsvertrag inklusive der bisherigen Rahmenbedingungen automatisch in einen unbefristeten Vertrag verwandelt. Diese Regel gilt im Arbeitsrecht für leitende Angestellte nicht", stellt Jurist Ulrich Dempfle klar, der für die CDU im Kulturausschuss sitzt.
Die genauen Vertragsbedingungen und -änderungen - unter anderem soll nach TV-Informationen Sibelius‘ ursprüngliches monatliches Grundgehalt von etwa 11.000 Euro deutlich gesenkt werden - stehen in der heutigen Sitzung von Steuerungs- und Kulturausschuss noch einmal zur Diskussion. "Das Gehalt, das wir unserem Intendanten zahlen wollen, entspricht dem, was üblicherweise Intendanten an deutschen Bühnen gezahlt wird. Ich finde die Höhe daher absolut in Ordnung", sagt Dempfle dazu.

Die Aufgabe, den geänderten Arbeitsvertrag seitens der Stadt zu beschließen, hatte der Stadtrat an den Steuerungsausschuss delegiert. Für den Beschluss muss daher die gemeinsame Sitzung von Kultur- und Steuerungsausschuss zunächst beendet werden. Der fürs Theater zuständige Kulturausschuss kommt anschließend zu einer eigenen Sondersitzung zusammen, um dem Steuerungsausschuss eine Empfehlung zur Abstimmung über Sibelius‘ neuen Vertrag auszusprechen. Um 18.15 Uhr beginnt dann die Sondersitzung des Steuerungsausschusses, der final über den Kontrakt abstimmt. Alle Sitzungen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Die Leitung der drei Sitzungen liegt in der Hand von Kulturdezernent Thomas Egger (SPD). Jemand anderes kam dafür auch nicht Frage, wie Stadt-Pressesprecher Dieter Jacobs auf TV-Nachfrage erklärt. Sowohl Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne) als auch Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) weilen im Urlaub. Das gilt inzwischen auch für Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD), der seinen Urlaub wegen der Dienstreise zur Tour de France später angetreten hat.Sibelius ist bei den Sitzungen nicht dabei. Ihm soll der Vertrag wohl am Donnerstag, 28. Juli, zur Unterschrift vorgelegt werden. Extra

Auf der Tagesordnung der Sondersitzung von Steuerungs- und Kulturausschuss stehen neben der Diskussion über Sibelius' Vertrag auch die Tagesordnungspunkte "Berichte und Mitteilungen" und "Verschiedenes". Ob Kulturdezernent Egger darunter erste Infos zu den Kostenprognosen für die geplante Theatersanierung und die ins Auge gefassten Erweiterungsbauten (der TV berichtete) gibt, ist allerdings offen.
Egger hatte angekündigt, dass die Kosten für die verschiedenen untersuchten Sanierungs- und Ausbauvarianten Ende Juli vorliegen sollen. Intern sind die vom Planungsbüro Theapro im Auftrag der Stadt ermittelten Bausummen im Rathaus nach TV-Informationen bekannt. Wann sie öffentlich gemacht werden, ist noch offen. woc