Theater Trier: CDU und Grüne bringen Kulturdezernent Egger in Bedrängnis

Theater Trier: CDU und Grüne bringen Kulturdezernent Egger in Bedrängnis

„Situation am Theater Trier“ haben die Trierer Stadtratsfraktionen von CDU und Grünen ihren Fragenkatalog überschrieben, den sie am heutigen Dienstag Kulturdezernent Thomas Egger und der Presse haben zukommen lassen. Viele der Fragen wirken nicht so, als erwarte das schwarz-grüne Bündnis eine nachvollziehbare Antwort. Vielmehr wirkt der Fragenkatalog wie ein einziger, großer Vorwurf an Egger.

Grund: Das jüngste Debakel rund um Theaterintendanten Karl Sibelius, der ohne Bevollmächtigung die Stadt bei einer Verhandlung des Bühnenschiedsgerichts in Frankfurt vertreten hat.

Schon der Einstieg in die Anfrage, deren Beantwortung Schwarz-Grün für die Sitzung des Kulturausschusses am 15. September fordert, klingt unheilschwanger: "Wie wir der lokalen Presseberichterstattung entnehmen mussten, fand in der ,Kündigungsangelegenheit`Frötzschners (Anm. der Red.: gemeint ist Ulf Frötzschner, fristlos entlassener Schauspieldirektor des Trierer Stadttheaters) eine Verhandlung vor dem Bühnenschiedsgericht in Frankfurt a.M. statt", formulieren CDU-Fraktionschef Udo Köhler und Grünen-Chefin Petra Kewes ihren gemeinsamen Brief.

Dann folgen in Fragen verpackte Vorwürfe: "Warum wurden die Gremien des Rates im Vorfeld nicht zumindest über den Termin der Verhandlung vom zuständigen Dezernenten informiert? Warum hat der Dezernent es nicht für nötig befunden, die Ratsmitglieder, zumindest die Mitglieder des Kulturausschusses, umgehend nach der Verhandlung über den Verlauf und das Ergebnis zu informieren? Hält der Dezernent es für korrekt, die Gremien zukünftig über die lokale Presse informieren zu lassen? Ist der Dezernent der Auffassung, dass er die ihm obliegende Verantwortung gegenüber den Ratsgremien in diesem Fall ausreichend wahrgenommen hat? Wenn ja: Wie kommt der Dezernent zu dieser Auffassung?"

Der Ärger von CDU und Grünen über den Alleingang des Intendanten Karl Sibelius und Dezernent Egger spricht aus jeder der insgesamt 17 Fragen.

Sibelius hatte Egger erst am Morgen des Gerichtstermins in Frankfurt per Telefon informiert . Egger hatte ihn daraufhin gewähren lassen und auch nicht Oberbürgermeister Wolfram Leibe über den wichtigen Termin in Kenntnis gesetzt. Vor Gericht hatte Sibelius am vergangenen Dienstag das Angebot Frötzschners, für ein Jahr ans Theater zurückzukehren und anschließend gegen eine Abfindung von 50.000 Euro die Vertragsablösung zu akzeptieren, abgelehnt und dem Schauspieldirektor stattdessen 100.000 Euro Abfindung angeboten, sofern dieser auf eine Wiedereinstellung verzichte.
Am gestrigen Montag erklärte Oberbürgermeister Leibe, dass die Stadt nicht hinter dem von Sibelius gemachten Vergleichsangebot stehe , die fristlose Kündigung von Frötzschner aufgehoben werden und Frötzschner ans Theater zurückkehren soll.

Bei einem Pressegespräch hatte Egger am Montag eingeräumt, dass seine "Alarmleuchten" nicht angegangen seien, als Sibelius ihn am Morgen des Gerichtstermins über diesen in Kenntnis gesetzt habe. Aber auch "der Gegenseite" hätte vor Gericht auffallen müssen, dass Sibelius keine Verhandlungsbevollmächtigung habe, sagte Egger. Der Stadtrat hatte Sibelius auf Vorschlag des Stadtvorstandes im Juli die Entscheidungsgewalt über die Theaterfinanzen entzogen . "Dieses Stoppschild wurde einfach nicht beachtet", kritisierte Oberbürgermeister Leibe am Montag.

Der Trierer AfD-Chef Michael Frisch forderte am heutigen Dienstag den sofortigen Rücktritt von Sibelius: "Was wir hier erleben, ist eine Schmierenkomödie ersten Ranges, allerdings ohne Aussicht auf ein Happyend. Sowohl das vertragswidrige Verhalten des Intendanten als auch die Pflichtversäumnisse des zuständigen Dezernenten sind völlig inakzeptabel."

Die SPD hatte Egger bereits am Sonntag scharf kritisiert: "Stadtratsbeschlüsse sind keine Leitlinie, sie sind Maßgaben!", schimpfte Fraktions- und Parteichef Sven Teuber.

Egger schilderte am heutigen Dienstag gegenüber dem Trierischen Volksfreund, wie er nach dem Gerichtstermin gehandelt habe. "Die Verhandlung war am Nachmittag des 30. August, am 31. habe ich unseren Rechtsanwalt um eine Stellungnahme gebeten, die ich am 1. September erhalten und durchgesehen habe. Am 2. und 3. September habe ich die Sache mit meinen Kollegen im Stadtvorstand während unserer Klausurtagung besprochen, und am Sonntag, 4. September, dann die ersten Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden geführt." Die Kommunikation sei nicht optimal gelaufen, räumt Egger ein. "Ich hätte schneller reagieren und die Fraktionen zumindest über die Grundzüge informieren sollen."

Den Stadtrat vor der Verhandlung über den Termin in Kenntnis zu setzen, sei ihm nicht möglich gewesen, weil er selbst über den Termin nicht informiert gewesen sei. Die Vorladung des Gerichts sei an den Intendanten Sibelius verschickt worden - und der habe das Schreiben nicht an ihn weitergeleitet.

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