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Theater Trier: Drei Bühnen sind eine zu viel

Theater Trier: Drei Bühnen sind eine zu viel

Zumindest eine der schier unzähligen offenen Fragen zur Zukunft des Trierer Stadttheaters soll bis Ende Juli geklärt sein: Wie viel Geld kostet die Generalsanierung? Erneut lässt eine aktuelle Untersuchung des Kulturdezernats einen wichtigen Aspekt außen vor: Ein Zweitstandort als reiner Proben-, Lager- und Werkstättenplatz – ohne Bühne.

Das Stadttheater am Augustinerhof hat eine Nutzfläche von rund 9900 Quadratmetern - und war damit schon beim Bau 1964 zu klein. Vorgesehen war bereits damals ein Anbau, der allerdings nie realisiert wurde.
Die geplante Generalsanierung soll das nun richten: Entweder wird das Theater um zwei Teilgeschosse aufgestockt oder erhält einen großen Anbau entlang der Nordwest-Fassade.

Die Studie, die beide Varianten untersucht hat, berücksichtigt etliche Details - zum Beispiel, dass bei einem Anbau die Terrasse der Gaststätte Astarix zumindest von ihrem bisherigen Platz weichen muss (siehe Text unten). Die Machbarkeitsstudie schlägt auch den Bau eines Kammerspielhauses (rund 280 Plätze) am Augustinerhof vor. Entstehen könnte dieser eigenständige Bau auf einem freien Grundstück zwischen Haupthaus und Hindenburgstraße.

Weil aber trotz Aus-, An- und Neubau auch dann immer noch rund 1500 Quadratmeter Theaterfläche am Augustinerhof fehlen, ist ein Zweitstandort an anderer Stelle vorgesehen. Die bislang in der ganzen Stadt verteilten Probe- und Lagerräume sollen dort zusammengezogen werden. Favorisiertes Areal dafür ist bislang das alte Walzwerkgelände in Kürenz.

Vorgesehen ist für den Zweitstandort auch eine Studiobühne mit 80 bis 100 Sitzplätzen. "Diese Studiobühne kann allerdings wegfallen, wenn wir das Kammerspielhaus statt am Augustinerhof am Zweitstandort errichten", erklärt Egger. Auf die Frage, ob denn die Zahl und Art der Bühnen sich nicht nach dem künstlerischen Bedarf richten muss statt nach dem Standort, erklärt der Kulturdezernent: "Bei der Studiobühne am Zweitstandort geht es mehr um soziodynamische Effekte - die Mitarbeiter dort sollen sich nicht vom Theater abgekoppelt fühlen." Auch Rathausmitarbeiterin Christina Hummel-Bamberg, die vom Amt für Gebäudemanagement die Machbarkeitsstudie begleitet, betont: "Der Zweitstandort soll bespielt werden, damit die Kontakte innerhalb des Hauses nicht verloren gehen." Aus künstlerischer Sicht sei eine Studiobühne nicht unbedingt notwendig.

Daraus folgt, dass - sofern die Kammerbühne am Augustinerhof errichtet wird - am zweiten Theaterstandort lediglich Probebühnen ohne Zuschauerplätze, Werkstätten und Lager notwendig wären. Dieses Szenario - das die Gesamtkosten für die Neukonzeption des Stadttheaters wohl wesentlich senken würde - berücksichtigt die Machbarkeitsstudie allerdings nicht.
Kulturdezernent Egger räumte auf TV-Nachfrage ein, dass ein Zweitstandort ohne Bühne durchaus eine mögliche Alternative sei, die diskutiert werden sollte. In die Studie könne dieses Szenario jetzt allerdings nicht mehr aufgenommen werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Egger eine naheliegende Alternative nicht berücksichtigt. Als vor Jahren die Frage akut wurde, wie es mit dem Stadttheatergebäude weitergehen soll, richtete der Kulturdezernent den Fokus einzig auf einen Neubau. Die auf der Hand liegende Lösung, eine Sanierung im Bestand, wurde gar nicht erst näher untersucht. Erst Triers neuer Oberbürgermeisters Wolfram Leibe stoppte die Neubaupläne, für die die Kostenschätzungen damals nahezu von Monat zu Monat um etliche Millionen explodiert waren.Meinung

Was soll das?
Von Christiane Wolff

Wenn eine dritte Bühne aus künstlerischer Sicht nicht notwendig ist, dann darf diese auch nicht gebaut werden! Der Zweitstandort des Theaters würde dann zwar völlig anders aussehen als bisher ausgemalt. Statt eines Kulturtreffs wäre es ein reiner Probe-, Lager- und Werkstattbetrieb. Dafür hätte man mitten in der City, am angestammten Theaterplatz, dagegen ein vollständiges Haus, inklusive der Chance, dass beide Bühnen - die große und die Kammerspielbühne - tatsächlich ausgelastet wären. Die Gesamtkosten würden zudem extrem sinken. Und zwar nicht nur, weil die Baukosten für die Studiobühne wegfielen. Ohne Publikumsverkehr müsste es am Zweitstandort auch viel weniger Infrastruktur vorgehalten werden: keine Theaterkasse inklusive Personal, viel weniger Parkplätze, keine neue Verkehrserschließung und auch keine Gastronomie etwa. Ob das tatsächlich die beste Lösung wäre? Ich weiß es nicht. Keine Alternative ist es jedenfalls, dass der Dezernent diese Option noch nicht einmal ins Auge gefasst hat. Herr Leibe, übernehmen Sie!

Extra

Ausbau-Ideen für das Stadttheater

Bei Anbau-Variante muss der Brunnen weg, fürs Aufstocken reicht die Statik nicht

Bei einer Infoveranstaltung am Dienstag, 14. Juni, 19 Uhr, in der Tufa werden die Sanierungspläne fürs Theater vorgestellt. Zwei Varianten stehen zur Diskussion.

Beide Ausbauvorschläge fürs Stadttheater haben Vor- und Nachteile:

Variante 1, der Winkel-Anbau: Ein zweigeschossiger Anbau in L-Form. Der kurze Schenkel würde dabei vor der Eingangsfassade des jetzigen Baus am Augustinerhof beginnen, der lange Schenkel sich an der Nordwest-Fassade entlangziehen. Vorteile: Alle im neuen Raumprogramm vorgesehenen Räume könnten sinnvoll untergebracht werden. Außerdem bliebe der Altbau statisch unberührt - was sowohl die Genehmigung als auch den Bau einfacher macht. Nachteil ist, dass ein großer Baukörper vor der Fassade zum Augustinerhof entstünde. Außerdem müsste die Gastro-Terrasse des Astarix zumindest vom jetzigen Standort weichen. Auch die Grünfläche an der Nordwestfassade und der so genannte Vertriebenen-Brunnen am Künstlereingang würden wegfallen.

Variante 2, Anbau und Aufstockung: Der hintere Teil der Nordwestfassade würde um zwei Etagen aufgestockt. Vorteil: Der Ausbau wäre von der Theaterfront beziehungsweise dem Augustinerhof kaum sichtbar. Grünfläche und Brunnen könnten erhalten bleiben. Nachteil: Nicht alle beabsichtigten Räume könnten untergebracht, Funktionen nicht räumlich zusammengefasst werden. Die Statik des Altbaus müsste nachgebessert werden, um die Aufstockung tragen zu können.

Beide Varianten sollen zunächst weiter im Detail geplant und ihre Baukosten ermittelt werden. Anschließend werden diese Kosten mit den Kosten eines immer noch möglichen Komplett-Neubaus verglichen. Diese Analyse soll Ende Juli vorliegen. Danach sollen die zuständigen politischen Gremien ihre Entscheidung fällen.

Das gesamte Zwischenergebnis der Machbarkeitsstudie: www.volksfreund.de/extra