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Theater Trier: Experten fordern mehr Mut für die Sanierung

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur : Theater Trier - Experten fordern mehr Mut für die Sanierung

Denkmalschutz würde die Sanierung des Theaters deutlich verzögern. Das befürchten Experten von Hochschule, Trier Forum und dem Verein „baukulturtrier“. Noch kritischer sehen sie allerdings Empfehlungen des Landesrechnungshofs.

Nach der Weihnachtspause nehmen die kommunalpolitischen Diskussionen wieder Fahrt auf. In der ersten Kulturausschuss-Sitzung am Mittwoch wird auch der aktuelle Sachstand der Theatersanierung ein wichtiges Thema sein. Bündnis 90/Die Grünen haben bei der Oberen Denkmalpflegebehörde beantragt, den nach Plänen des Architekten Gerhard Graubner errichteten Bau unter Schutz zu stellen. Hauptinitiator Dominik Heinrich glaubt, damit neue Argumente für einen Architektenwettbewerb schaffen zu können, von dem der Landesrechnungshof aus Kostengründen abgeraten hatte.

Das Trier Forum und der Verein „baukulturtrier“ warnen die Verwaltung und den Stadtrat in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Campus Gestaltung an der Hochschule Trier davor, sich der Empfehlung des Rechnungshofes anzuschließen. „Der Rechnungshof hat keine Weisungsbefugnis, kann Ratschläge geben“, heißt es in dem Positionspapier. „Die Entscheider in unserer parlamentarischen Demokratie sind die Parlamente. Und deren Wähler sind die Bürger.“

Den Denkmalschutz-Antrag der Grünen haben die Unterzeichner, zu ihnen gehört auch der ehemalige Diözesanarchitekt Alois Peitz, mit Überraschung zur Kenntnis genommen. Denn bereits in dem von den beiden Vereinen initiierten Workshop zur Theatersanierung im November 2018 sei klar gewesen, dass sich die Oberste Denkmalpflege im Land dagegen entschieden habe, das Gebäude unter Schutz zu stellen. „Der Denkmalschutz für das Theater wird nicht kommen“, ist Alois Peitz überzeugt. „Das zu entscheiden, ist eine sehr subjektive Sache. Es gibt dafür keine objektiven Maßstäbe oder Parameter.“

Das letzte Wort wird Thomas Metz haben, Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, der sich bereits in der Öffentlichkeit kritisch zu Theaterarchitekt Gerhard Graubner und dessen Nähe zum Dritten Reich geäußert hat. Gegen Denkmalschutz spricht auch eine erste Überprüfung im Jahr 2015, als es noch um die Frage ging, ob das Theater abgerissen werden könnte. Die GDKE sah schon damals keine Notwendigkeit für Denkmalschutz.

Mit dem Altbau vernünftig umzugehen, sei dennoch die Pflicht aller Beteiligter, sagt Alois Peitz, der als Bistumsarchitekt unter anderem die Sanierung des Trierer Doms sowie den Umbau von St. Maximin und Angela-Merici-Gymnasium maßgeblich bestimmt hat. Unverzichtbar für die beste Lösung sei ein Architektenwettbewerb. Genau davon hatte im Oktober der Landesrechnungshof aus Kostengründen abgeraten.

Wesentliches Ergebnis des Theater-Workshops war hingegen ein solcher Wettbewerb, um eine intelligenten und verbesserte Verknüpfung des Theaters mit seinem Umfeld zu erreichen. „Die Sache des Rechnungshofes ist das Geld, die Ordnungsmäßigkeit seines Einsatzes und die Prüfung seiner Verwendung“, formulieren nun die Initiatoren in ihrer gemeinsamen Erklärung. „Beim Theater geht es aber um mehr: um Rücksicht auf die Entwicklung eines Stadtviertels, um die architektonisch-ästhetische Prägung ihrer Bauten, um Klärung der Funktionsabläufe zum Umfeld. Das ist nicht mehr Sache des Rechnungshofs. Der Verzicht auf einen Architektenwettbewerb wäre ein Tiefschlag und eine ungeheure Nichtbeachtung der Bürgerbeteiligung.“

Eckdaten zur Theatersanierung Trier

Anzunehmen, die Sanierung des Theaters sei ohne Wettbewerb preisgünstiger, nennen die Vertreter von Trier Forum, baukulturtrier und Hochschule „irreführend“ und „völlig unlogisch“. Dieser Meinung ist auch Alois Peitz, der für einen nicht offenen Wettbewerb plädiert. Die Kosten dafür schätzt der 87-Jährige aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung auf rund 100 000 Euro, bei einer Bausumme von 50 Millionen Euro.

Die vollständige Erklärung von Trier Forum, dem Verein baukulturtrier und dem Campus Gestaltung an der Hochschule Trier lesen Sie hier