Theater und Exhaus Trier: keine Konkurrenten, wenn es ums Geld geht?

Bauproblem : Theater und Exhaus Trier: Keine Konkurrenten, wenn es ums Geld geht?

Trier muss in den nächsten Jahren die Großprojekte Theater und Exhaus stemmen. Die Verwaltung warnt davor, beide gegeneinander auszuspielen.

Wäre Trier keine Stadt, sondern ein Schiff im Nordatlantik, dann würde der Ausguck gerade nicht nur einen, sondern zwei riesige Eisberge melden, und zwar direkt voraus. Der erste Eisberg ist die 49 Millionen Euro teure Theatersanierung, die der Stadtrat mit der Mehrheit von 45 gegen drei Stimmen beschlossen hat. Der Zweite ist die ebenfalls anstehende Generalsanierung des Jugend- und Kulturzentrums Exhaus, die nach ersten Schätzungen ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag kosten wird.

Es stellt sich die Frage, welcher der beiden Eisberge zuerst in Sicht kam. Hat die Stadtverwaltung das Exhaus-Drama schon kommen sehen, bevor sie dem Stadtrat das Theater zum Beschluss vorlegte? Hat sie die Hiobsbotschaft ein paar Tage lang zurückgehalten, um die Köpfe der Stadträte frei zu halten für die Theatersanierung?

„Diese Theorie verweisen wir ganz klar ins Reich der Legenden“, sagt Stadt-Sprecher Michael Schmitz. Natürlich sei der Stadtvorstand zwischenzeitlich über das Exhaus informiert worden – beispielsweise über die ersten Befunde der Holzuntersuchungen und der daraus resultierenden Sperrung des Mittelteils des Gebäudes im September. „Aber die Entscheidung zur vollständigen Schließung ist nach mehreren Krisentreffen und Gesprächen mit den Fachämtern in der vergangenen Woche getroffen und dann sehr schnell an Mitarbeiter und die Öffentlichkeit kommuniziert worden.“

Zum genauen Vergleich: Der Stadtrat beschloss die Sanierung des Theaters am Dienstag, 29. Januar. Laut Darstellung der Stadt gab es die Warnung des Statikers (der TV berichtete), die für die komplette Schließung des Exhauses mit entscheidend war, nicht vor Montag, 4. Februar.

Der Stadtrat hat die Sanierung des Theaters Trier beschlossen (das Foto zeigt ein Sinfoniekonzert). Nun droht neuer Investitionsbedarf in Millionenhöhe für das Exhaus. Foto: Theater Trier

Trier hat mit dem Theater und dem Exhaus in den kommenden Jahren zwei riesige Projekte auf dem Plan. Zählt man den Neubau der Feuerwache in der Südallee dazu, sind es sogar drei. Machen sich diese Millioneninvestitionen gegenseitig Konkurrenz, kann es zu einer Entweder-Oder-Entscheidung kommen?

„Die Fragestellung ist zuerst einmal nachvollziehbar, denn man kann Geld schließlich nur einmal ausgeben“, sagt Triers Baudezernent Andreas Ludwig (CDU). Dennoch sehe er hier keine Konkurrenz, sondern drei enorm wichtige Projekte. „Es wäre völlig falsch und destruktiv, eine Investition gegen die andere auszuspielen“, betont er.

Bei der Generalsanierung des Theaters geht es um ein großes Kulturprojekt mit Ausstrahlung in die gesamte Region Trier hinein, erklärt Stadt-Sprecher Schmitz. Das Land habe bereits seine Unterstützung sig­nalisiert.

„Das Exhaus ist einerseits Ort alternativer Konzertveranstaltungen und damit Teil der Trierer Stadtkultur für junge Menschen, andererseits aber auch vor allem ein Projekt  der Jugendsozialarbeit in Trier-Nord“, ergänzt er. „Deshalb sieht der Stadtvorstand die beiden Projekte nicht in einer direkten inhaltlichen Konkurrenz, wenn es um die Verteilung des Geldes in Trier geht.“  Aus Sicht des Stadtvorstandes sei es für eine Stadt wie Trier wichtig, der alternativen Jugendkultur Raum zu geben.

Wie kann die Finanzierung funktionieren? „Eine mögliche Generalsanierung des Exhauses wird abschnittsweise über mehrere Jahre laufen“, sagt Schmitz. „Die Finanzierung verteilt sich also voraussichtlich über fünf bis sechs Haushaltsjahre und ist nach Meinung des Stadtvorstandes finanziell zu schultern.“

Zu einem so frühen Zeitpunkt sei noch nicht seriös absehbar, ob es eine Fördermöglichkeit gibt, so der Sprecher der Stadt. „Aber natürlich werden die Fachämter alle Möglichkeiten dazu ausloten und versuchen, Unterstützung von Land oder Bund zu bekommen.“

Ob das Exhaus generalsaniert und die dafür nötigen Mittel im Haushalt bereitgestellt werden sollen, entscheidet der Stadtrat.

Parallel zu den Diskussionen um die Finanzierung einer Generalsanierung bieten Institutionen wie das Jugendzentrum Mergener Hof dem Exhaus ihre Hilfe an. „Wir haben bereits einige Veranstaltungen übernommen, die im Exhaus geplant waren“, sagt Meike Mertes, die Finanzreferentin des Jugendzentrums.

Anfang 2015 hat die Stadt erhebliche Brandschutzmängel im Exhaus festgestellt: zu enge Fluchtwege, Mängel der Feuermeldeanlage, schlechte Sicherheitsbeleuchtung. Im März 2016 beschloss der Stadtrat die Brandschutzsanierung und die Barrierefreiheit. Die Arbeiten begannen im Mai 2018, doch  die Notwendigkeit einer Generalsanierung erkannte die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben erst im Februar 2019.

Stadt-Sprecher Schmitz erklärt diese Situation: „Bei einer Planung und Durchführung von Brandschutz und Barrierefreiheit wird normalerweise nicht die komplette Statik eines Gebäudes in Frage gestellt.“ Es müsse zwar gelegentlich eine Mauer entfernt werden oder eine Tür neu gesetzt, aber es werde nicht umfassend ein komplettes Gebäude durchleuchtet.

Mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten 2018 habe die Stadt dann immer mehr Schäden gefunden, die auch größer als erwartet waren. Projektleiter Jürgen Eckstein nennt ein Beispiel: „Man nimmt abgehängte Decken herunter, und sieht dann die Holzbalkenkonstruktion. Auf den ersten Blick scheint die selbst für den Fachmann in Ordnung zu sein. Dann kommt die Holzexpertin und ermittelt, dass der Balken durch und durch feucht und zu 100 Prozent überlastet ist.“

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