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Musik: Theo gegen den Rest der Platten-Welt

Musik : Theo gegen den Rest der Platten-Welt

TRIER. Theo Schend lässt es knistern : Bei "Phono Radio Döge", Triers letztem Inhaber-geführten Schallplattengeschäft der alten Sorte, finden die Freunde von Vinyl-Scheiben fast alles, was ihr Herz begehrt. Auch Nostalgiker aus Luxemburg und dem Saarland pilgern zu dem 40-Jährigen in die Fleischstraße.

Theo gegen den Rest der Welt? "Ganz so schlimm ist es nicht. Aber irgendwie bin ich tatsächlich eine Art Auslaufmodell", lacht Theo Schend. Als einziger Händler weit und breit setzt er noch auf die "gute alte Schallplatte", jene im digitalen Zeitalter ziemlich prähistorisch anmutenden Scheiben aus dem Kunststoff Vinyl, denen man nicht mit Fernbedienungen beikommt und die man auch noch per Hand umdrehen muss, um in den Genuss aller Titel zu kommen. Und dann sind die Dinger aus den Hoch-Zeiten von Elvis, den Beatles und den Stones auch noch hochgradig empfindlich: einmal verkratzt, immer verkratzt."Schallplatten sind wie Bilderbücher"

Echte Fans stören sich nicht daran und ebenso wenig am Knistern und Rauschen aus dem Lautsprecher. Sie sehen sich auch nicht als Fortschrittsverweigerer, sondern lassen für sich die "gute alte Zeit der Popmusik" weiterleben. Theo Schend, kürzlich 40 geworden, zählt aus Überzeugung selbst zu diesen Fans: "Schallplatten sind mehr als nur Tonträger. Sie sind - nicht nur wegen der vielfach kunstvoll gestalteten Hüllen - wie Bilderbücher. Mit ihnen verbinden sich Erinnerungen." Der aus Föhren stammende Wahl-Trierer hat jede Menge eigene "vinylige" Erinnerungen. Als Disc-Jockey legte er im Twen-Alter in vielen der damals beliebten Discotheken wie im Hermeskeiler "Bogart" oder im "Flair" (Luxemburger Straße) auf und machte sich mit seinem Alternativ-Programm ("Lieber David Bowie, Depeche Mode und Sisters of Mercy als den üblichen Charts-Kram") einen guten Namen: "Da konnte ich meine eigene Freude an Musik mit anderen Leuten teilen." Für diese Freude hängte der gelernte Industriebuchbinder schließlich den Job an den Nagel und widmete sich seinem 25 Quadratmeter kleinen Second-Hand-Plattenladen in der Zuckerbergstraße. Und als die heute 76-jährige Rosemarie Döge 1994 einen geeigneten Nachfolger für ihren Familienbetrieb in der Fleischstraße 44 suchte, wurde sie sich mit Theo Schend schnell einig. Fünf Jahre lang arbeiteten beide zusammen, dann übernahm Schend die alleinige Regie. Das Konzept behielt er ebenso bei wie den Namen: "Ich hatte das Glück, eine echte Institution übernehmen zu dürfen. Zu mir kommen noch heute Leute, die schon bei der Geschäftsgründung 1953 Döge-Kunden waren." Entsprechend breit bestückt ist das Sortiment an CDs: "Wir haben die ganze Palette. Von Märschen, Volksmusik und Schlager über Rock bis hin zu HipHop. Selbstverständlich bieten wir auch Tonträgern von Musikern aus der Region an." Schends Leib- und Magen-Spezialität sind freilich die Vinyl-LPs. Je 1500 gebrauchte und neuwertige hat der Chef eines Festangestellten und von vier Teilzeitkräften auf Lager. Das beschert ihm Kundschaft, sogar aus Luxemburg und dem Saarland, darunter etliche Disc-Jockeys. Was er nicht führt, wird auf Wunsch besorgt: "Ich habe gute Kontakte zu Händlern in den USA. Die haben mir schon oft geholfen, auch ganz ausgefallene Wünsche zu erfüllen." Jüngstes Erfolgserlebnis: Ein Kundin suchte schon seit Jahren den Schmachtfetzen "She believes in me" von Wayne Newton - als Single. Sie bekam ihn schließlich, von Döge in New York aufgetrieben. Aber auch wenn die echte Langrille wieder im Kommen ist und Künstler wie Paul McCartney, Robbie Williams, Iron Maiden, Pink Floyd und die Rolling Stones ihre Alben selbstverständlich auch als Vinyl-Version veröffentlichen - "Ich würde keine Wette darauf abschließen, wie viele Jahre ich den Laden halten kann. Je geiler Geiz wird, um so schwieriger wird es für unsereins, dem Billig-Trend zu trotzen", sinniert Theo Schend. Ernsthaft ans Aufgeben denkt der 40-Jährige "derzeit aber nicht. Dafür macht das Ganze viel zu sehr Spaß. Den Kunden, meinem Team und natürlich auch mir."