Theologe Heinrich Bedford-Strohm nimmt von Nell-Breuning-Preis 2019 in Empfang

Verleihung : Theologe Heinrich Bedford-Strohm nimmt von Nell-Breuning-Preis 2019 in Empfang (Update)

Der streitbare evangelische Theologe Heinrich Bedford-Strohm hat am Donnerstagabend den Oswald von Nell-Breuning-Preis erhalten. In der Laudatio erklärt ZDF-Chefredakteur Peter Frey, was es mit den Initialen des Geehrten auf sich hat.

Heinrich Bedford-Strohm ist ein Mann der klaren Worte. Als er sich für den Oswald von Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier bedankt, sagt er: „Es gibt keine evangelische oder katholische Not, sondern nur menschliche Not. Wir sind da, wenn Menschen uns brauchen, jenseits aller konfessionellen Kategorien.“ Spontaner Applaus brandet auf. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche ist kein bequemer Zeitgenosse. Im Gegenteil. Der Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn er damit bei den Mächtigen und Reichen dieser Welt aneckt. Auch deshalb fand die Jury ihn des Oswald von Nell-Breuning-Preises für würdig.

In der Begründung, die Oberbürgermeister Wolfram Leibe vorliest, heißt es, Bedford-Strohm setze sich vernehmlich und kontinuierlich in der Öffentlichkeit für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland und Europa ein. Er plädiere für eine Wirtschaftspolitik aus christlicher Perspektive ganz im Sinne von Oswald Nell-Breuning, dem großen Trierer Sozialethiker und Nestor der katholischen Soziallehre, in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Über den Menschen und Theologen Bedford-Strohm hatte sich Laudator und ZDF-Chefredakteur Peter Frey bei Weggefährten und Freunden informiert. „HBS hat sich als Abkürzung eingebürgert. H steht dabei für handfest und zupackend“. Im Fußball wie im Gottesdienst, in der Musik wie in der Gastfreundschaft. Sie schätzten seinen Arbeits- und Mitteilungseifer, seine Begeisterungsfähigkeit und nicht zuletzt seinen berühmten Espresso. „HBS glaubt, dass die Zukunft ökumenisch sein muss“, so Frey. Selbstbewusst lebe Bedford-Strohm sie bereits. Etwa in der Freundschaft zu Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der seinen Evangelischen Amtskollegen als „burning person“ beschreibt, also eine Person, die für ihren Beruf brennt.

Dafür steht aber nicht das B in Bedford-Strohm. „B steht für bodenständig“, stellt Frey klar. „Er ist nah an den Menschen, holt sie dort ab, wo sie sind. Er hat ein Gespür für sie, stellt sich auf sie ein.“ Kein Wunder, dass Unternehmer wie Bill Gates und Politiker wie Barack Obama oder Angela Merkel sich mit ihm treffen. Nah dran ist Bedford-Strohm auch an den digitalen Medien. „Die Begeisterung für digitale Technik hat ihm den Spitznamen Padford eingebracht.“ Er kämpfe für ethische Grundwerte in den digitalen Netzwerken, rede dafür mit Programmierern. Eine Tatsache, die Frey zu S wie streitbar führte.

„Die freie Rede ist seine Stärke. Er scheut sich nicht, seine Meinung zu Themen wie Sterbehilfe, Seenotrettung, den Einsatz von Truppen im Kampf gegen den IS oder Flüchtlingen zu äußern.“ Bescheidenheit hätte Frey vielleicht auch noch zu den Eigenschaften des Geehrten zählen können, denn der Evangelische Bischof  präsentierte sich in seiner Dankesrede als Pfarrer, nicht als Kirchenoberer. Er prangert die soziale Ungleichheit in Deutschland bei Einkommen und Vermögen an und gesteht: „Ich bin unendlich dankbar, dass es gelungen ist, sich bei der Grundrente zu einigen. Das ist gerechte Teilhabe.“

Heinrich Bedford-Strohm stiftet das Preisgeld von 10 000 Euro an die Vesperkirchen in Schweinfurt und Nürnberg, die armen Menschen kostengünstige Mahlzeiten in den Wintermonaten anbieten.

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