Tiefe Einblicke ins Terroir
Longuich · Weinliebhaber können sich schon mal den 1. Juni vormerken. An der römischen Villa in Longuich gibt es eine Terroir-Weinprobe, die einzigartig an der Mosel ist. Außerdem wird der Premium-Wanderweg "Seitensprung" eröffnet.
Longuich. Die Longuicher Winzer sind den Geheimnissen des Bodens ("Terroir") auf der Spur - sie gewinnen immer tiefer gehende Einblicke. Wie berichtet, hatte das Landesamt für Geologie und Bergbau im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend Grabungen in Weinlagen gemacht, die von Longuicher Winzern bewirtschaftet werden.
Ziel war es, ein präzises Bild der Bodenzusammensetzung zu bekommen, um so die unverwechselbare Charakteristik der Longuicher Weine zu entschlüsseln. Mit Hilfe eines speziellen Präparationsverfahrens sind die freigelegten Bodenschichten konserviert worden.
Verkostung zum Bodenprofil
Kürzlich hatten die Winzer im Bürgerhaus Gelegenheit, aus den Grabungsgebieten geerntete Weine verschiedener Jahrgänge zu verkosten. Jeder Probe konnte nicht nur ein Bodenprofil zugeordnet werden, Ernst-Dieter Spies präsentierte auch die Analysedaten der Böden. Spies ist Abteilungsleiter Boden und Wasser des geologischen Landesamts und hat die Bodenbeschaffenheit von Herrenberg, Annaberg, Hirschlay und Co. untersucht. Die Erkenntnis, dass es keine scharfen geologischen Grenzen im Raum Schweich/Longuich gibt und die Übergänge vom eher sauren Hunsrückschiefer über die kalkhaltigen Devonschiefern bis hin zu sandigen und lehmigen Untergründen fließend sind, ist nicht neu. Doch die Analysen ergaben auch eine "kleine Sensation": So weit im Westen habe er keine Schwarzerde erwartet, meinte Spies. Die kenne er eher von Hessen. Die Mosel habe diese mächtige Lehmschicht in Jahrtausenden in der Aue abgelagert.
Marketingkonzept geplant
Die dunkle Farbe hat freilich schon die alten Longuicher dazu animiert, die betreffenden Flächen mit dem Katasternamen "Schwarzerde" zu versehen. Mit "Terroir Longuich" wolle man Bewegung in den Weinabsatz bringen und einen Kontrast zu Massen- und Verschnittweinen herstellen, begründete Mitinitiator Franz-Rudolf Schlöder die Initiative. Er kündigte an, die Bezeichnung im EU-Register schützen zu lassen. Diese gelte dann weltweit. Mit Hilfe von Studenten der Uni Trier soll ein Marketingkonzept für die Terroir-Weine entwickelt werden.
"Das ist für uns Winzer eine große Hilfe, wir können jetzt dem Terroir ein Gesicht geben", sagt Markus Thul. Christopher Jung, Sprecher der Longuicher Jungwinzer, ist ebenfalls Feuer und Flamme fürs Terroir: "Wir können als Moselwinzer nur durch Profilierung überleben."
Noch "bodenreiner" als die kürzliche Terroir-Weinprobe im Bürgerhaus soll die Verkostung werden, die am 1. Juni anlässlich der Eröffnung des Premium-Wanderweges "Seitensprung" an der römischen Villa stattfindet. Dann soll nämlich nicht mehr die Handschrift des einzelnen Winzers erkennbar sein, sondern die des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues. Ins dortige Steillagenzentrum waren im Herbst vergangenen Jahres 50 Liter Most von jedem Longuicher Bodenprofil-Standort geliefert worden. Weine aus standardisiertem Anbau treten am 1. Juni also gegen Weine aus Longuicher Kellern an - sicherlich eine spannende Angelegenheit mit vielen neuen Terroir-Erkenntnissen …