Tiefes Misstrauen: Ortsbeirat Biewer stimmt gegen Radkonzept

Trier-Biewer · Ob Radwege oder Bahnlärm: Der Biewerer Ortsbeirat fühlt sich nicht richtig eingebunden. Trotz Bürgerbeteiligungsverfahren lehnen die Mitglieder das Radverkehrskonzept ab. Der Rat fordert ein Einzelkonzept für Biewer. Am Lärmkonzept wird der fehlende Einbezug des Bahnlärms kritisiert.

Trier-Biewer. "Biewer ist kein Maßnahmenschwerpunkt", stellt Sandra Wintrich vom Stadtplanungsamt zu Beginn der Beratung des Radverkehrskonzeptes der Stadt Trier fest. Ein möglichst lückenloses Routennetz und die Erhöhung des Radverkehrsanteils auf 15 Prozent beinhaltet der Rahmenplan. Für die Ortsbeiratsmitglieder umso unverständlicher, dass sie über unkonkrete Maßnahmen, die Biewer nicht wirklich beträfen, abstimmen sollen.
Verkehrsberuhigungsmaßnahmen für die Ehranger und Biewerer Straße, die Erhöhung der sozialen Sicherheit durch Beleuchtung sowie die Optimierung der Radverbindung zum Nachbarort Pfalzel sind vorgesehen. Ohne genaue Umsetzungsvorschläge und die Budgetierung wolle man jedoch nicht zustimmen, sondern dies allenfalls zur Kenntnis nehmen, meinen mehrere Ortsbeiratsmitglieder.
Das Misstrauen gegenüber dem Stadtplanungsamt rührt jedoch nicht aus dem Radverkehrskonzept. Der Ortsbeirat fühlt sich zum wiederholten Male, trotz vorheriger Bürgerbeteiligung, nicht richtig eingebunden. Zuletzt sei ihnen bei einem Bebauungsplan (der TV berichtete) "eine Abstimmung entlockt worden", meint Otmar Cartarius. In der Ablehnung des Radverkehrskonzepts mit zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen drückten die Mitglieder dieses Misstrauen nun aus. Des Weiteren erschließe sich ihnen nicht, warum der Radverkehr im Konzept vornehmlich über die Hauptverkehrsstraße geleitet werden solle - man sehe hier eine Gefährdung für die Radfahrer.
Bei einem weiteren Reizthema stellt Wintrich vom Stadtplanungsamt fest: "Biewer hat es gut, was den Lärm betrifft." Bei der Lärmberechnung in der zweiten Stufe des Lärmaktionsplans der Stadt gebe es in Biewer keine Betroffenheit über 65 Dezibel.
Dass der Bahnlärm bei der Berechnung nicht mit aufgenommen wurde (hierfür ist nicht die Stadt, sondern das Eisenbahnbundesamt zuständig), sorgte für Unmut. Einige Mitglieder und Anwohner bitten darum, sie einmal zuhause zu besuchen und sich den Lärm anzuhören. Eine Bürgerin meint, die Verkehrsberuhigung auf 30 Kilometer pro Stunde bringe bisher nicht den gewünschten Erfolg. Trotz der Differenzen hat der Ortsbeirat das Konzept mit großer Mehrheit angenommen. sebi
Extra

In der Sitzung vom 2. Juli hat der Ortsbeirat einstimmig beschlossen, die maroden Bänke am "Kapellchen" durch zwei neue für 690 Euro aus dem Ortsteilbudget zu ersetzen. Der ehemalige Ortsvorsteher Gerd Kirsch (CDU) hat aus gesundheitlichen Gründen seinen Sitz im Ortsbeirat abgegeben. Der amtierende Ortsvorsteher, Andreas Kratz (CDU), bedankte sich bei Kirsch für sein jahrelanges Engagement. sebi