Tiere wissen oft mehr

Murmeltiere im Rampenlicht: Am Murmeltiertag schauen die Amerikaner den Nagern auf die Füße. Am Verhalten der Tiere können sie erkennen, wie lange der Winter noch dauert. Nichts Ungewöhnliches: Auch in unseren Breiten wissen Tiere oft mehr als Menschen.

Trier. (jer) Der Murmeltiertag am 2. Februar ist ein Volksfest in den USA und Kanada. In Punxsutawney (Pennsylvania) versammeln sich Hunderte, um ein Murmeltier beim Verlassen seines Baus zu beobachten. Sieht das Tier dabei seinen Schatten - also wenn das Wetter klar ist -, macht es auf der Stelle kehrt. Dann soll der Winter noch sechs Wochen dauern. Ist der Tag hingegen bewölkt, zeichnet sich der Schatten nicht ab, und das Tier verlässt den Bau. Das Wetter soll dann gemäßigter werden.

Besonders in Sachen Wettervorhersage lohnt sich auch hierzulande ein Blick auf die Tiere. So beobachtete der Eifeler Schäfer Günther Czerkus ein erstaunliches Phänomen: Entgegen dem üblichen Termin begannen seine Schafe vergangenes Jahr erst etwa fünf Wochen nach der Sommersonnenwende mit der Paarung. Die Folge: Fünf Monate später kamen die Lämmer, anders als sonst, erst nach Weihnachten zur Welt. Der schwere Teil des Winters mit Schnee und Eis war da schon vorbei. "Die Tiere scheinen im Sommer den Winterverlauf zu spüren", sagt der Schäfer aus Wallendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Kühe wissen, wann es länger regnet



Tierverhalten als Wetterprognose? Nichts Ungewöhnliches. Tiere spüren Wetterumschwünge vor dem Menschen. Fliegen etwa die Schwalben tief, ist mit Regen zu rechnen. Stehen Schafe eng an eng und stecken die Köpfe zusammen, zieht ein Gewitter auf.

Auch über die Regendauer wissen Tiere Bescheid: "Handelt es sich nur um einen Regenschauer, so stellen sich Weidetiere häufig unter. Wird es aber länger regnen, bleibe sie einfach auf der Weide stehen", erklärt Günther Czerkus. Auch bei Gefahr reagieren Tiere oft sensibel. Besonders Pferde. Als Fluchttiere registrieren sie kleinste Umweltveränderungen. Und das blitzschnell: "Ich habe schon oft beobachtet, dass Pferde gleichzeitig mit einem Knall zusammenschrecken und nicht etwa kurz danach", sagt Reitlehrer Johannes Knopp. Das Pferd scheine die Gefahr früher wahrzunehmen.

Dass Tiere früh merken, wenn es ihnen nicht gutgeht, versteht sich angesichts dieser Intuition fast von selbst.

Milchbauer Clemens Bisenius aus Ralingen (Kreis Trier-Saarburg) etwa merkt beim Melken sofort, wenn eine Kuh krank ist: "Dann trottet sie schleppend in den Melkstand und lässt Kopf und Ohren hängen", erklärt der 46-Jährige. Schon oft hat er daraufhin eine Kuh untersuchen lassen - und der Tierarzt wurde fündig. Auch im Greifvogelpark Saarburg schauen die Pfleger genauer hin. Steht ein Vogel auf beiden Füßen, verengt er die Augen zu Schlitzen und plustert sein Gefieder, weiß Parkleiter Wolfgang Klotzbücher Bescheid: "Dann fühlt er sich nicht wohl oder ist krank."

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