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Tierfreundin streitet mit Gemeinde um herrenlose Hauskatzen

Tierfreundin streitet mit Gemeinde um herrenlose Hauskatzen

Dutzende Katzen streunen durch den Garten von Sabine Rosen. Seit zwei Jahren kümmert sich die Osburgerin um verwahrloste Tiere, fängt sie ein und lässt sie auf eigene Kosten kastrieren. Weil es immer mehr werden, hat Rosen jetzt Verbands- und Ortsgemeinde um Hilfe gebeten. Die sehen jedoch kein Katzenproblem.

Sabine Rosen ist ratlos. Seit zwei Jahren versorgt sie in Osburg Katzen, die über ihr Grundstück streunen. "Sie hocken im Winter bei Minusgraden draußen, bluten, haben eitrige Augen", klagt Rosen. Sie füttert die herrenlosen Tiere. Fünf hat sie außerdem eingefangen und kastrieren lassen - "damit es nicht mehr werden".

Das Problem: Unterstützt wird Rosen vom Verein Freunde herrenloser Katzen in Saarburg. Mit einer Mitstreiterin sammelte sie außerdem 400 Euro Spenden, um den Tierarzt zu bezahlen. Eine Kastration kostet etwa 100 Euro. Zuletzt tappten sogar zwei Katzenbabys in Rosens Falle, die sie sich vom Verein geliehen hat. Sie brachte die Kätzchen im Gäste-WC unter: "Sie sind noch zu jung zum Kastrieren", erklärt die Osburgerin ihr Dilemma. Der Verein half diesmal nicht. Begründung: kein Geld. Ähnlich reagierte man beim kreisweit einzigen Tierheim in Trier-Zewen. Dort hieß es, die Verbandsgemeinde (VG) Ruwer müsse für Fundtiere aufkommen, erkenne Katzen aber nicht als solche an.

Die Reaktion der VG: Das bestätigt VG-Bürgermeister Bernhard Busch. "Bei Katzen erkennen wir keinen Fundtier-Charakter an." Die Fundbehörden sind per Gesetz verpflichtet, verlorene Tiere zu versorgen. Zudem ist der Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz verankert. Die Bundesländer gehen jedoch sehr unterschiedlich mit Fundtieren um. Für Rheinland-Pfalz verweist Busch auf ein Schreiben des Innenministeriums von 2008: Darin heißt es, Katzen seien in der Regel keine Fundtiere. Ausnahmen: Sie tragen Halsband, Tätowierung oder Mikrochip, sind gepflegt oder zutraulich. "Wenn die Katze eindeutig jemandem zuzuordnen ist, erkennen wir das auch an", erläutert Busch. Für herrenlose Tiere könne die VG nicht aufkommen. Zudem bittet Busch darum, fremde Katzen nicht zu füttern. Dies locke "auch Katzen an, die einer Familie zuzuordnen sind".

Stimmen aus Osburg: Ähnlich sieht dies Hubert Rommelfanger, Ortschef in Osburg. Er schätzt das private Engagement, bezweifelt aber, "dass wir in Osburg ein Katzenproblem in der Schärfe haben". Im ländlichen Gebiet liefen viele Katzen herum. Entscheidend sei, ob diese "tatsächlich herrenlos" seien.
Für Christine Kopper hat Osburg "ganz sicher ein Katzenproblem". Sie wohnt im Gewerbegebiet, wo es viele "verwilderte" Katzen gebe. Dieses Jahr hat Kopper etwa 15 Tiere eingefangen und mit Hilfe des Saarburger Vereins kastrieren lassen - "alle definitiv herrenlos". Kater "Tiger" hat sogar eine Zeit lang bei der Familie gelebt.

Das sagen Tierschützer: Aus Osburg kämen "sehr viele Anfragen", bestätigt Liane Christmann, Vorsitzende des Vereins Freunde herrenloser Katzen. Der Verein habe 2012 kreisweit 400 Katzen kastrieren lassen - "so viele wie noch nie". Das Geld reiche "hinten und vorn nicht". Deshalb sammelt der Verein jetzt Unterschriften für eine Katzenschutzverordnung, wie sie etwa in Paderborn in Nordrhein-Westfalen gilt. Diese ordnet an, dass Katzen mit freiem Auslauf registriert und kastriert werden müssen.

Kastrationspflicht: Für VG-Chef Busch ist eine solche Pflicht "kein geeignetes Mittel". Sie bedeute einen "hohen Kontrollaufwand" und jährliche Kosten von 25 000 Euro. Anja Oberhausen, Leiterin des Trierer Tierheims, hält dies dagegen für "die einzige Lösung". Die "Geldmittel" des Tierheims seien "erschöpft". Zwar zahle die Stadt Trier jährlich einen Zuschuss von etwa 40 000 Euro und die Verbandsgemeinden jeweils 1000 Euro. Bei Katzen zahle das Heim aber stets drauf, etwa 200 Euro pro Tier. Die Fundtier-Regelung, wie sie die VG Ruwer und andere anerkennen (siehe Hintergrund), versteht Oberhausen nicht: "Jedes hilflose Tier sollte als Fundtier anerkannt werden."
Das sieht auch Sabine Rosen so. Sie hat die Katzenbabys mangels Alternative wieder laufen lassen, will sie im Frühjahr erneut einfangen und kastrieren lassen. Die Kosten dafür wird sie weiter tragen. Sie stört etwas anderes: "Dass das Problem ignoriert wird und niemand die Helfer unterstützt, die mit privatem Einsatz das Dorf in Ordnung halten."
Meinung

Auch die Besitzer sind gefordert
Der Tierschutz steht seit 2002 im Grundgesetz. Wie er derzeit umgesetzt wird, lässt aber sehr zu wünschen übrig. In den Bundesländern gibt es einen Wirrwarr an unterschiedlichen rechtlichen Vorgaben, die in der Praxis kaum Bestand haben. Das zeigen auch die Hinweise des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, nach denen die VG Ruwer und andere Fundtiere beurteilen. Nicht jede Katze ist tätowiert, duldet ein Halsband oder ist bei Fremden zutraulich. Daran ablesen zu wollen, ob eine Katze tatsächlich herrenlos ist, ist unmöglich. Und herrenlosen Katzen grundsätzlich keine Hilfe zu gewähren, ist mit dem Tierschutzgesetz wohl kaum vereinbar. Gibt es nicht bald verbindliche, einheitliche Regeln für die Behörden, wird sich an dieser Praxis aber vermutlich wenig ändern. Allerdings sollte auch bedacht werden, ob die VG in Zeiten knapper Kassen diese Aufgabe finanziell stemmen kann. Besser wäre es, die Ursache direkt zu bekämpfen. Und da sind die Katzenbesitzer selbst gefordert: Wer seinem Tier freien Auslauf gewährt, sollte es kastrieren lassen. c.weber@volksfreund.deExtra

Auch die Verbandsgemeinde Trier-Land hat mit dem Trierer Tierheim vereinbart, dass Katzen grundsätzlich keine Fundtiere, sondern herrenlos sind. Ausnahmen gelten laut Johanna Fox von der VG-Verwaltung nur, wenn "konkrete Anhaltspunkte dafür sprechen, dass die Katze einen Eigentümer hat". Dann zahle die VG pro Tag 5 Euro für die Unterbringung des Tiers. Zusätzlich zahle sie wie die VG Ruwer eine jährliche Spende von 1000 Euro. Diese Summe spendet auch die VG Schweich, gibt jedoch einen Teil davon an den Verein Freunde herrenloser Katzen weiter, der auch in Schweich sehr aktiv ist. Die VG Schweich erkennt Katzen ebenfalls nicht als Fundtiere an. cwebExtra

Wer in der Verbandsgemeinde Ruwer eine Katze findet und ins Tierheim bringen möchte, sollte zunächst prüfen, ob es Hinweise auf einen Besitzer gibt: Halsband, Mikrochip, Tätowierung. Fehlen diese Merkmale, kann das Tierheim die Katze nicht aufnehmen. Wer streunende, verwahrloste Tiere etwa auf seinem Grundstück sichtet und diese kastrieren lassen möchte, kann sich gegen ein Pfand von 50 Euro eine Lebendfalle beim Trierer Tierheim oder beim Verein Freunde herrenloser Katzen ausleihen. Weitere Infos gibt es auf den Internetseiten von Verein und Tierheim unter www.freunde-herrenloser-katzen.de und www.tierheim-trier.de cweb