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Tierische Schönheiten in den Weinbergsbrachen über Ensch

Tierische Schönheiten in den Weinbergsbrachen über Ensch

Von der Bundesstraße 53 aus nicht zu sehen, tummeln sich Pfauenziegen in den Weinbergsbrachen über Ensch. Die Tiere sind elegant in ihren Bewegungen, sehr schön gezeichnet und in Deutschland relativ selten. Für sein Hobby, die Zucht dieser Ziegenart, bekam Joachim Wiese von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz die Kammerpreismünze in Bronze.

Ensch. Einen Pfau kennt sicher jeder. Aber was stelle ich mir unter einer Pfauenziege vor? Die Erklärung ist simpel. Die seltsame Bezeichnung Pfauenziege beruht vermutlich auf einem Schreibfehler. Ursprünglich war die Schreibweise wohl "Pfavenziege". Als Pfaven (Flecken) werden die charakteristischen dunklen Streifen bezeichnet, die sich von der Basis der Hörner über die Augen bis zur Nase der Tiere hinziehen. Joachim Wiese (65) züchtet seit 2011 diese Schweizer Gebirgsziegenrasse. In diesem Jahr wurde er von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Ziegenzucht mit der Kammerpreismünze in Bronze ausgezeichnet.
Wiese sagt: "Im Ruhestand wollte ich nicht untätig sein, und eine Beschäftigung an der frischen Luft war für mich perfekt. Mein Schwiegersohn Herbert Kuhnen brachte mich auf die Idee, Pfauenziegen aus Graubünden in die Steillagen an der Mosel zu holen."
Inzwischen ist eine stattliche Herde herangewachsen (der TV berichtete). Seine Böcke Sam und Merlin sorgen mit zehn Muttertieren jedes Jahr für Nachwuchs. Im September wird die Herde geteilt, und jeder Bock bekommt fünf Ziegen. Würden sie zusammen auf einer Weide bleiben, gäbe es Rivalenkämpfe. Ihre bis zu 50 Zentimeter langen spitzen Hörner könnten schnell zu gefährlichen Verletzungen führen. Von Ende Februar bis Anfang März werden dann die Zicklein, meist Zwillinge, nach 151 Tagen Tragezeit geboren. Mit 25 bis 30 Tieren kann der Züchter dann für vier Monate die Brachflächen in den Steillagen beweiden.
Der Nutzen für ein ausgewogenes Gleichgewicht in der Natur ist unverkennbar. Die Pfauenziegen, als perfekte Kletterer, ernähren sich in den Brachen der Steilflächen, wo sonst aufgrund von Wildwuchs kaum jemand hinkommt, von Blättern, Gras und Kräutern. Greifvögel finden somit bei kurzem Bewuchs einen reich mit Mäusen gedeckten Tisch und halten diese Population in Grenzen.
Joachim Wiese freut sich über seinen Erfolg. Er ist inzwischen anerkannter Züchter, hat in Bad Sobernheim bei der Landesziegen- und Jungziegenschau zweimal den ersten und zweimal den zweiten Platz mit seinen Tieren belegt. Die bronzene Kammerpreismünze sieht er als besondere Würdigung. Im Winter zieht die Herde in einen Offenstall um, wo die Tiere mit Rauhfutter (Heu) versorgt werden. Ziegenfleisch und -wurst wird übrigens als besondere Delikatesse geschätzt und ist sehr gesund. pitz