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Tod einer 16-jährigen Schülerin in Trier: Ohnmächtige Trauer, Wut und wilde Anschuldigungen

Tod einer 16-jährigen Schülerin in Trier: Ohnmächtige Trauer, Wut und wilde Anschuldigungen

Erst wurde sie erstochen und dann neben einem Berg von Müll im Gebüsch verbrannt. Trier trauert um die 16-Jährige, die am Freitag Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist.

Zwischen Brombeerranken liegen Altreifen, Zigarettenschachteln und Wodkaflaschen. Vor dem Gebüsch stehen Menschen. Sprachlos. Mit gesenkten Köpfen und Tränen in den Augen. Sie starren auf die Grabkerzen, deren Flackern im Sonnenlicht kaum zu sehen ist, auf die Rosen und auf den schwarzen Fleck, der sich im Schotter vor ihnen abzeichnet. Welche schrecklichen Szenen haben sich an diesem Ort abgespielt?

Irgendwo hier - am Rande des von Müll gesäumten Fußwegs zwischen der Metternichstraße und der Kürenzer Straße - wurde eine 16-jährige Schülerin aus Trier-Nord am späten Freitagabend gegen 23 Uhr mit mehreren Messerstichen getötet. Am Samstag kehrte der Täter dann zurück, um die Leiche zu verbrennen. Gefunden wurden ihre Überreste am Samstagabend. Und zwar nicht dort, wo die Kerzen stehen, sondern an einem noch würdeloseren Ort: hinter einem Berg aus Müll, zwischen dem Bahndamm und einer leerstehenden, nach Urin stinkenden Halle.

"Das ist wirklich schrecklich", sagt Marcel Frankreiter, der das Mädchen vom Sehen kannte. "Furchtbar", sagt auch eine junge Frau, die im nahegelegenen Umsonstladen arbeitet. Sie habe Angst um ihre Kinder. Zu diesem Zeitpunkt weiß die Öffentlichkeit noch nicht, dass der mutmaßliche Täter bereits festgenommen worden ist.

Und so wird am Tatort wild spekuliert: Die einen glauben, es seien "Obdachlose und Junkies" gewesen, die sich öfter auf dem Gelände aufhalten. Andere beschuldigen "Rumänen, die in der Nähe hausen". Und dann sind da ja noch "die ganzen Asylanten", die den unbeleuchteten Schotterweg als Abkürzung Richtung Innenstadt nutzen. "Früher konnte man hier einwandfrei durchgehen. Aber jetzt: lauter Ausländer", schimpft eine Frau in ihrer Wut über den gewaltsamen Tod des Mädchens, das doch sein ganzes Leben noch vor sich gehabt habe.

Marcel Frankreiter hingegen ahnt schon, dass diese Menschen mit all ihren Anschuldigungen falsch liegen. Denn er ist dem Täter womöglich begegnet. Als er die Abkürzung am Freitagabend - so gegen Viertel nach elf - Richtung Bahnhof genommen habe, sei ihm ein Mann entgegengekommen: Mitte 20, groß, schlank, blond. "Der ist schnell gelaufen und wirkte aufgewühlt", sagt der 20-Jährige am Montagvormittag.

Etwa eine Stunde später gibt die Staatsanwaltschaft bekannt, dass ein 24-jähriger Trierer verhaftet worden ist und die Tat gestanden hat. Ein Nachbar des Mädchens. Er war am Freitagabend ihr Begleiter. Offenbar gerieten die beiden auf dem Weg von Trier-Nord Richtung Bahnhof in Streit, woraufhin er sie mit einem Klappmesser niederstach, ihre Leiche im Gebüsch versteckte und davonlief.

Im Wohnviertel, wo die beiden Tür an Tür wohnten und jeder jeden kennt, können die Menschen all das noch nicht fassen. Nicht, dass das von allen als lieb beschriebene Mädchen tot ist. Nicht, dass der 24-jährige Metallmaler schuld sein soll. "Das war immer ein feiner Kerl. Ich hätte dem meine Tochter auch mitgegeben", sagt ein Mann, der auf der Straße vor dem kasernenartigen Gebäude steht. Nachbarn verfolgen das Gespräch von geöffneten Fenstern aus. "Ich hätte ihm das echt nicht zugetraut", sagt eine Frau. "Gestern war er noch auf dem Sportplatz", ruft ein junger Mann aus dem zweiten Stock.

In der Ferne taucht Carlo Lambert in seiner blauen Polizeiuniform auf - der Kontaktbeamte des Stadtteils will sehen, wie die Stimmung vor Ort ist. Sein Fazit: "Es herrscht Betroffenheit und es gibt viele willkürliche Annahmen". Der Name des Opfers, der Name des festgenommenen Mannes, wahre wie falsche Informationen, Trauer, Mitleidsbekundungen, Schuldzuweisungen und Todeswünsche verbreiten sich nach dem Verbrechen in kürzester Zeit über Facebook. Selbst zum Mord wird aufgerufen. Daher ermittelt die Polizei nun gegen einzelne Internetnutzer.

Eine Gedenkgruppe für das Mädchen, das sich online den Spitznamen Melodie gegeben hatte, hat innerhalb weniger Stunden 3500 Mitglieder. Trier fühlt mit der Familie. Auch der Stadtvorstand hat der Schülerin am Montagmorgen in Stille gedacht. "Wir sind tief erschüttert", sagte Oberbürgermeister Klaus Jensen. Die Menschen in der Stadt seien schockiert über die Brutalität der Tat.

"Ich versteh' es einfach nicht, sie war so jung und so hübsch und lieb. Sie hat niemandem was gemacht. Ich werde dich niemals vergessen und dich immer lieben", schreibt ein trauernder Verwandter bei Facebook. Ihm und vielen anderen fällt es immer noch schwer, zu glauben, was geschehen ist.

Extra Trauermarsch

Eine Gruppe von Trierern organisiert einen Trauermarsch für die getötete Schülerin. Er startet am Mittwoch, 18. März um 18 Uhr am Dom. Nach einer Kundgebung geht es durch die Stadt zur Fundstelle in Trier-Nord. Die Organisatoren bitten darum, Kerzen mitzubringen.