Tödlicher Leichtsinn auf dem Bahngleis in Trier-West - Polizei: Lokführer trifft keine Schuld

Tödlicher Leichtsinn auf dem Bahngleis in Trier-West - Polizei: Lokführer trifft keine Schuld

Keiner der Beteiligten hatte eine Chance. Weder die beiden Studenten auf dem Gleis, die das herannahende Unheil nicht bemerkten, noch der Lokführer mit seinem Versuch, per Schnellbremsung seinen 700 Meter langen Zug rechtzeitig zum Stehen zu bringen. So endete eine fröhliche Fete tödlich für die beiden 25 und 22 Jahre alten Männer.

Daniela Kovatchev (38), Mitbetreiberin des Gasthauses Feilen-Wolff in der Kölner Straße, wunderte sich, als sie an Fronleichnam gegen 10.15 Uhr aus dem Fenster schaute: "Hier hat doch noch nie ein Güterzug gehalten. Normalerweise rauschen die doch immer durch." Ihr Mann Robert (55) hatte ein "ganz ungutes Gefühl", das sich gleich bestätigte: "Draußen gab es bald überall Blaulicht - Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen."

Gleis frei zugänglich

Doch zu retten war nichts mehr. Die beiden jungen Männer, die auf den Schienen saßen und noch eine Flasche Wein trinken wollten, hatten keine Chance gehabt. Einer, so Polizeisprecher Uwe Konz, hatte im allerletzten Moment wohl noch wegzuspringen versucht. Zu spät.
Es war das tragische Ende einer fröhlichen Fete, die laut Polizei in der nicht weit entfernten Wohnung des 22-Jährigen begonnen hatte. Er und sein 25 Jahre alter Kumpel aus einem Mittelmoselort seien noch weitergezogen - auf die Trierer Bahn-Weststrecke an der Kölner Straße. Dort, gegenüber der Einmündung Viktoriastraße, hindern kein Zaun und keine Hecke am Betreten der Gleise. Passanten hätten die Zecher noch gewarnt und aufgefordert, den Blödsinn zu lassen. Letztendlich erfolglos.

Der 700 Meter lange, unbeladene Autotransportzug kam aus Richtung Trier-Ehrang und war nach Dillingen/Saar unterwegs. Der Lokführer sah ausgangs einer langen Kurve etwa in Höhe der Kaiser-Wilhelm-Brücke die Menschen auf seinem Gleis. Entfernung: rund 200 Meter. Trotz der laut Polizei "sofort eingeleiteten Schnellbremsung" kam der Zug erst nach gut 400 Metern zum Stillstand - die E-Lok hatte bereits den Bahnübergang Martinerfeld/Kölner Straße passiert.
Wegen des tödlichen Ausgangs ermittelt nicht die Bundespolizei, sondern die Kripo Trier. Ihre Erkenntnis: "Ein ganz tragischer Unfall", so Präsidiums-Pressesprecher Uwe Konz. Den Lokführer treffe keine Schuld; er habe auch akustische Signale gegeben. Darauf hätten die alkoholisierten jungen Männer nicht reagiert.
Um so heftiger fielen einige Reaktionen in sozialen Netzwerken aus. So wurde der Unfall zurückgeführt auf die Wiederbelebung der Bahn-Westtrasse für Güterverkehr vor einigen Jahren, was Bernd Hügle (61), den stellvertretenden Ortsvorsteher von Trier-West/Pallien, empört: "Ich finde es sehr schäbig, das tragische Unglück auf dem Rücken der trauernden Hinterbliebenen politisch ausschlachten zu wollen."