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Tote Hose? Da geht doch noch was! Wie Jugendliche Schweich lebenswert machen wollen

Tote Hose? Da geht doch noch was! Wie Jugendliche Schweich lebenswert machen wollen

Der Volksfreund-Bitte, Ideen zur Steigerung des Lebens- und Freizeitwerts in der Stadt einzureichen, ist auch der Verein "Jugendarbeit in Schweich" nachgekommen. Jugendliche haben sich zusammengesetzt und diskutiert. Herausgekommen ist eine lange Liste mit Verbesserungsvorschlägen.

Schweich. Wir treffen Nathan (12), Mathias (13), Merlin (15) und Sebastian (28) an der Skater-Anlage am Schulzentrum. Dort halten sich die Jugendlichen gerne auf - zum Skaten oder bloß zum Chillen. Sebastian Pauli ist Zweiter Vorsitzender des Vereins "Jugendarbeit in Schweich", in dem etwa 30 Jungen und Mädchen Mitglied sind. Mit der Lebensqualität in Schweich mache der Volksfreund ein Thema öffentlich, das auch den Jugendlichen sehr am Herzen liege, sagt Pauli. Die Stadt biete viel zu wenig Aufenthalts-, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, sagt Pauli.

Um diese These zu untermauern, zeigen die vier Jungs dem TV-Reporter Stellen in Schweich, wo "tote Hose" ist, aber nicht sein müsste. Erste Station: der Stefan-Andres-Brunnen. "Dass hier noch nicht mal Wasser läuft, ist bezeichnend für diese langweilige Ecke", sagt Sebastian. Der Platz sollte umgestaltet werden, da sind sich die Kids des Vereins Jugendarbeit in Schweich einig. Auch in der Nachbarschaft, im Brunnenzentrum, sollten Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Schweicher Architektin Elisabeth Krogull-Schliep (siehe Extra) schlägt vor, die Außenterrasse des Stadtcafés im Brunnenzentrum zu vergrößeren und den Verkehr und die Parkplätze aus diesem Bereich herauszunehmen.

Als Nächstes führen die Jugendlichen den TV-Reporter zum Alten Weinhaus, in dem die Tourist-Information und die Stadtverwaltung untergebracht sind. Dort geht es auch zum Ratskeller. Die Traditionskneipe gibt es allerdings nicht mehr. Aber als Begegnungsstätte, eventuell auch mit Einbindung von Flüchtlingen, würden sich die Räume gut eignen, finden die Jugendlichen.

Chillen? Nö? Betreten verboten

"Wir legen seit Jahren den Finger in die Wunde", sagt Stefan Henn, Vorsitzender des Vereins Jugendarbeit in Schweich. Ob es das Kneipensterben sei, das fehlende Jugendzentrum oder fehlende Möglichkeiten für Partys, alternative Kulturprogramme oder Treffpunkten für Jung und Alt - Schweich hinke hinterher, vor allem was die soziale Infrastruktur angehe. Henn: "Wir als Verein sind uns sicher, dass Schweich viel mehr sein kann als ein Ort, an dem man zur Schule geht, wohnt und Verwaltungsgänge erledigt. Schweich muss wieder lebenswert werden, sonst verliert unsere Stadt mehr und mehr den Reiz für junge Leute, sich hier niederzulassen oder zu bleiben."
Nächste Station der "Stadtführung" unseres Jugend-Quartetts ist das Moselufer. Demnächst möchte sich der Bauausschuss eine städtische Wiesenfläche zwischen Fährturm und Bootshafen anschauen und beraten, was damit geschehen soll. Wenn's nach den Jugendlichen geht, sollten dort ein Beachvolleyballfeld und eine Liegewiese mit Grillplatz hinkommen. Im Sommer könnte dort, eventuell auch auf der großen Wiese vor dem Anlegesteg des Postschiffs, ein Treffpunkt für junge Menschen und Familien organisiert werden.

Als bedürfe es noch eines Beweises, dass es kaum geeignete Treffpunkte für junge Leute an der Mosel gibt, hat sich eine Gruppe Schüler auf den Stufen des Bootsstegs am Zugangsweg zum Fährturm niedergelassen. Zum Chillen am Wasser. Eigentlich okay, sollte man meinen, doch da steht das Schild "Betreten der Landebrücke verboten …"Meinung

Viel Bock auf SchweichVon wegen Null-Bock-Generation. Die Initiative der Jugendlichen zeigt, dass sie sich sehr wohl Gedanken um die Zukunft ihrer Stadt machen. Die Ideen sind sehr strukturiert und differenziert. Bürgermeister und Stadtrat können sich glücklich schätzen, solche Vorschläge frei Haus geliefert zu bekommen. Natürlich wird sich nicht alles Gewünschte umsetzen lassen, zumindest nicht kurzfristig. Immerhin ist ja der Bau eines Jugendzentrums beschlossene Sache. Auffallend ist, dass die Jugendlichen nicht nur an sich selber gedacht haben. Sie wollen Treffpunkte für Jung und Alt und ein soziales Miteinander aller Generationen und Nationalitäten. Fest steht, dass in Schweich viele Fehler gemacht wurden. Der Bauboom ging auf Kosten der Lebensqualität. Was Schweich jetzt braucht, ist ein Investitionsprogramm "Mensch". a.follmann@volksfreund.deExtra

 Gibt's mal einen netten Platz zum Chillen, dann ist der Aufenthalt verboten, wie hier am Moselufer in Schweich (links). Mitte: Der Ratskeller würde sich gut als Begegnungsstätte machen, das meinen viele Jugendliche. Rechts: Ziemlich tot und wasserlos: der Platz am Stefan-Andres-Brunnen. TV-Fotos (4): Albert Follmann
Gibt's mal einen netten Platz zum Chillen, dann ist der Aufenthalt verboten, wie hier am Moselufer in Schweich (links). Mitte: Der Ratskeller würde sich gut als Begegnungsstätte machen, das meinen viele Jugendliche. Rechts: Ziemlich tot und wasserlos: der Platz am Stefan-Andres-Brunnen. TV-Fotos (4): Albert Follmann Foto: (h_tl )
Tote Hose? Da geht doch noch was! Wie Jugendliche Schweich lebenswert machen wollen
Foto: (h_tl )
Tote Hose? Da geht doch noch was! Wie Jugendliche Schweich lebenswert machen wollen
Foto: (h_tl )

Die Schweicher Architektin Elisabeth Krogull-Schliep hat dem TV folgende Vorschläge eingereicht: Spieles-Platz vor der Kirche: sollte mehr gastromisch genutzt werden, ebenso der Platz am Alten Weinhaus Synagogen-Vorplatz: für Open-Air-Konzerte öffnen Brücken- und Richstraße: Verkehrsberuhigung begrüßenswert, was auch eine attraktive Präsentation für die Geschäfte ermöglicht Stefan-Andres-Platz: schöner Platz, aber zu unbelebt Stadt am Fluss: Möglichkeiten besser nutzen, etwa mit Freizeitwiese oder "Strand" mit Beachvolleyballfeldern und Liegebänken alf